Landau „Ein Bauer und seine Frau“

Karl Schmidt führt den Saatgutbetrieb in vierter Generation. Er testet Getreidezüchtungen auf ihre Wiederstandsfähigkeit.
Karl Schmidt führt den Saatgutbetrieb in vierter Generation. Er testet Getreidezüchtungen auf ihre Wiederstandsfähigkeit.

Die Stadt Landau wird ihr Gewerbegebiet „Am neuen Messegelände“ bei Queichheim zum zweiten Mal erweitern – um das Gebiet D 12. Die Fläche zur Autobahn hin misst rund 42 Hektar. Das Besondere: Zwei landwirtschaftliche Betriebe haben zwischen Äckern und Wiesen ihren Sitz. Die Landwirte stecken mitten in Verhandlungen mit der Stadt um Ausgleichsflächen und Verpachtungen. Der Ziegenhof „Meckerei“ von Michaela und Jochen Rahm bleibt unangetastet. Für die landwirtschaftlich genutzten Flächen drum herum deuten sich Lösungen an, bestätigen Rahm und der städtische Wirtschaftsförderer Martin Messemer, der Regisseur der Gewerbegebietsentwicklung. Der andere Betrieb gehört Karl Schmidt. Er fürchtet um die Zukunft seines Saatgutbetriebs und widerspricht Messemer. Der hatte neulich im Stadtrat gesagt, er sei zuversichtlich, dass eine Einigung gelinge. „Wir sind eine kleine Familie, ein Bauer und seine Frau. Aber die Leute brauchen keine Bauern, die kaufen ihre Lebensmittel im Supermarkt.“ Doris Schmidt sitzt auf der Terrasse inmitten ihres grünen Paradieses und klingt verbittert, als sie das sagt. Die 61-Jährige lebt seit 33 Jahren auf dem Hof, den sie und ihr Mann vor langer Zeit vom Vater übernommen haben. Karl Schmidt war sechs Jahre alt, als die Eltern aus Queichheim auf die südlich gelegene Fläche ausgesiedelt sind. „Wir waren ganz alleine hier, es gab keine Autobahn, nix“, erinnert sich der 60-Jährige. 1919 hat der Urgroßvater auf dem Dreihof bei Essingen mit der Zucht von Saatgut begonnen. Heute ist der Urenkel der einzige in Rheinland-Pfalz, der diese Profession noch betreibt, erzählt er im Gespräch. Saatgutvermehrer gebe es mehr, Züchter nicht. Der Schwiegersohn soll den Hof einmal übernehmen. Der 35-Jährige habe mit der Ausbildung zum Landwirt begonnen. „Ich habe keine Planungssicherheit“, moniert Schmidt, der übrigens für die CDU auch im Ortsbeirat Queichheim sitzt. Im vorigen Jahr habe er eine neue Halle errichtet, jetzt solle er seine Flächen abgeben. Knapp 25 der 80 Hektar des Betriebs liegen um den Hof im künftigen D 12. Acht Hektar davon sind Eigentum, den Rest hat Schmidt gepachtet, nach eigener Aussage das Meiste von Verwandten. „Wenn ein Drittel wegfällt, dann kann ich aufhören.“ Zwar baut der Landwirt auch Zuckerrüben, Mais oder Soja an, doch das Herzstück des Betriebs ist die Zucht von Getreidesaatgut. 300 Tonnen kleiner Körner hat Schmidt im vergangenen Jahr an Saatgutproduzenten oder landwirtschaftliche Händler verkauft. Der Bauer hat rund 50.000 Einzelpflanzen auf 4000 Quadratmeter großen Zellen gesät. Regelmäßig überprüft Schmidt Wachstum und Entwicklung. Kranke Pflanzen werden aussortiert. Jeden Abend macht sich der 60-Jährige auf den Weg zu seinen Bonituren, seinen Kontrollgängen. „Die Pflanzen werden natürlich ausgelesen, wir machen hier konventionelle Züchtung. Das ist keine genveränderte Ware“, betont Schmidt. Aus ganz Deutschland bringen Landwirte eigene Züchtungen nach Queichheim, um sie von Schmidt auf ihre Widerstandsfähigkeit gegen schädliche Einflüsse prüfen zu lassen. Auch das Bundessortenamt schätzt die Dienste Schmidts. Das System ist ausgeklügelt: Kleinklima und Bodenqualität seiner Äcker sind laut Schmidt für diese Herausforderungen sehr geeignet. Die Parzellen sind so angeordnet, dass genügend Abstand zu anderen Kulturen bleibt.

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