Landau
Edenkoben: Klimademo schmilzt zusammen

Die zweite „Fridays For Future“- Klimademo in Edenkoben war mäßig besucht. Etwa 40 Schüler forderten am Freitag die Politik zum Handeln auf und riskierten dafür unentschuldigte Fehlstunden. Geht der Protestbewegung schon die Luft aus?
Timon Haucke ist wütend. Auf die Politik, auf die Wirtschaft. Auf eine ganze Generation von Erwachsenen, die, wie er findet, seine Zukunft und die seiner Altersgenossen aufs Spiel setzt. „Und dann wird sich darüber aufgeregt, dass wir die Schule schwänzen. Aber es geht bei einem Streik eben darum, ein Zeichen zu setzen“, sagt der 18-Jährige.
Zum zweiten Mal sammeln sich am Freitag die Edenkobener Schüler am Schafplatz zu einer „Fridays For Future“-Demo. Die von der jungen schwedischen Aktivistin Greta Thunberg ins Leben gerufene Protestbewegung hat sich zu einem weltweiten Phänomen entwickelt, sie selbst ist zur Ikone geworden. Erst vor zwei Wochen demonstrierten 300 Schüler vor dem Landauer Rathaus.
Februar-Demo war besser besucht
150 waren im Februar auf der ersten Kundgebung in Edenkoben. Am Freitag kommen etwa 40 zusammen. Als sich abzeichnet, dass es heute nicht mehr werden, ist Haucke zerknirscht. Er und seine Mitstreiter wollen aber nicht die Flinte ins Korn werfen. Mit einem Megaphon gibt er die Vorgaben der Polizei durch – keine Waffen, kein Drogenkonsum, keine Knallkörper. Da muss man sich in Edenkoben keine Sorgen machen. Dann fängt das Grüppchen an, Lärm zu machen. „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“ „Hinter der Verschmutzung steht das Kapital, der Kampf für das Klima ist international!“ Auch Thunberg wird gehuldigt: „Greta hat es gut erkannt, die Zukunft liegt in unserer Hand!“ Die Schüler sind zwischen zwölf und 18 Jahre alt. Sie tragen Schilder und Transparente mit Slogans wie „Energiekonzerne enteignen!“ oder „Klimawandel finde ich persönlich scheiße“. Neben den Gymnasiasten waren auch die Edenkobener Real- und Finanzhochschüler eingeladen. Aber nicht viele von ihnen sind gekommen.
In einer Rede heißt es: „Es ist Zeit, dass wir uns erheben gegen die Hauptverantwortlichen des Klimawandels, in der Politik und der Industrie.“ Auch individuelle Verantwortung wird eingefordert. Jeder könne etwas an seinem Verhalten ändern. Bei den Gästen in den umliegenden Cafés scheint das nicht viel Aufmerksamkeit zu erregen.
Die Demoroute führt an diesem Tag bis zum 500 Meter entfernten Kurpfalzsaal. Um längere Märsche, auch auf größeren Straßen genehmigt zu bekommen, wollen die Organisatoren sich künftig früher und besser mit der Polizei absprechen.
Klimaproteste einmal monatlich geplant
Den Protest hat das Aktive Jugendbündnis Edenkoben auf die Beine gestellt. Die Gruppierung gründete sich nach der Demo im Februar, die damals noch von der Schülervertretung des Edenkobener Gymnasiums organisiert wurde. Ihr Treffpunkt ist das hiesige Jugendzentrum. Auch diesmal werden sie dort nach der Demonstration einkehren, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Sie sehen sich als politisch links, ohne einer bestimmten Partei nahe zu stehen. Die Klimaproteste möchte die Gruppe einmal im Monat abhalten. Aber auch andere Themen sollen angesprochen werden, etwa der zurzeit viel diskutierte Artikel 13 der europäischen Urheberrechtsreform.
In der Schule gebe es bei den Themen Klimawandel und Klimaproteste unterschiedliche Perspektiven, erzählt Haucke. Viele sind engagiert bei der Sache, anderen ist es nicht wichtig genug, um dafür Fehlstunden zu kassieren. Haucke hat dafür wenig Verständnis: „Es geht doch auch um ihre Zukunft.“ Bei den Demoteilnehmern gebe es vielleicht den ein oder anderen, der gerne die schulfreie Zeit mitnimmt. Der Großteil sei aber Überzeugungstäter. Auch die Lehrer haben verschiedene Herangehensweisen. Einige gehen locker mit der Schwänzerei um, andere sind strenger und tragen die unentschuldigten Fehlstunden ein.