Edenkoben
Diskussion um Pilzfund in Pfälzerwald: Ist der Schwefelporling für Menschen gefährlich?
Wohl noch nie hat ein Pilz so viel mediales Aufsehen in der Südpfalz erregt: Nach dem eine RHEINPFALZ-Leserin einen riesigen Schwefelporling in einem Waldstück unterhalb der Tennisplätze bei Edenkoben entdeckt hat, diskutieren die Pilzfreunde in der Region diese Frage: Ist dieser Pilz gefährlich? Die einen behaupten, er sei genießbar, die anderen raten davon ab. Ziemlich verwirrend: Was sollten Hobby-Pilzsammler nun beachten?
Die Verbandsgemeinde Edenkoben hat zum Schwefelporling eine ziemlich eindeutige Meinung: Bernhard Bäcker, zuständig für Umwelt, Natur und Gewässer in der Verwaltung, sagt, ein Baum, an dem derart große Pilze wachsen, sei krank. Deshalb müsse immer geprüft werden, ob dieser keine Menschen gefährde, weil Äste oder Teile der Krone abbrechen könnten. Nach Angaben von Bäcker, der Forstwirtschaft studiert hat, greife der parasitäre Pilz zuerst das Kernholz an. In der Folge beginnt der Baum zu faulen. Das zerstört ihn von innen. Deshalb sei auch nicht auf den ersten Blick von außen zu erkennen, dass etwas mit den Bäumen nicht in Ordnung sei.
„Würde nie auf Idee kommen, diesen Pilz zu essen“
Aber nicht nur wegen der Stabilität der Bäume ist laut Bäcker Vorsicht geboten. „Ich würde niemals auf die Idee kommen, diesen Pilz zu essen“, sagt er. Man könne ihn zwar genießbar garen, allerdings nur, wenn der Baum, an dem er gewachsen sei, keine giftigen Stoffe enthalten habe. Und das sei für Laien schwer zu erkennen. Wächst ein Schwefelporling an einer Eiche, Robinie oder Eibe, sollten Pilzsammler die Finger davon lassen. Denn diese Baumarten übertragen ihre Gifte wohl direkt in den Pilz, wie Bäcker erklärt. Damit erst gar keiner auf die Idee kommt, einen Schwefelporling zu essen, sei es ratsam, die Pilze vom Stamm zu entfernen. Deshalb habe die Verbandsgemeinde nun jenen Schwefelporling, über den die RHEINPFALZ berichtet habe, von dem Baum abgeschnitten. So solle dessen Verbreitung verhindert werden, sagt Bäcker.
Doch trotz dieser Warnungen sind im Internet viele Rezepte über die Zubereitung des Schwefelporlings zu finden. Wie kann das sein? Julius Albert, Doktorand im Fachbereich Umwelt- und Bodenchemie an der Uni Landau erklärt gegenüber der RHEINPFALZ, dass man den Pilz grundsätzlich essen könne. Er bestätigt, dass Exemplare, die an Eichen, Eiben und Robinien wachsen, unverträglich, wenn nicht sogar giftig sein können. Allerdings wachsen laut Albert Schwefelporlinge nur sehr selten an diesen Baumarten. Viel häufiger zu finden seien sie an Pappeln, Weiden oder Kirschbäumen. Pilze, die dort wachsen, könnten in der Regel problemlos gegart und gegessen werden. Der Forscher betont jedoch: Es sei wie mit anderen Lebensmitteln auch, nicht jeder vertrage den Schwefelporling.
Manche können Bauchweh bekommen
Laut Albert wurde der Pilz auch von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie, also Pilzkunde, als „gelegentlich unverträglich“ eingestuft. Allergische Reaktionen oder Bauchschmerzen könnten bei manchen also die Folge davon sein, dass sie das Hähnchen des Waldes verzehrt haben – das ist der Spitzname des Schwefelporlings. Inwiefern der Parasit die Waldbewirtschaftung wirklich beeinträchtigt, sei schwer zu sagen, betont Albert. Der Pilzbefall an kranken Bäumen spiele eine wichtige Rolle im Ökosystem. Man könne sich das vorstellen wie beim Menschen: Erst wenn das Immunsystem des Baums wirklich geschwächt sei, niste sich der Pilz ein. Bei gesunden Bäumen tue das der Parasit eher nicht.
Auch die Pilzsachverständige Viola Kirschke-Deck aus Maikammer äußert sich zum Rummel um den Schwefelporling von Edenkoben. Sie bestätigt, dass diese Pilzart giftig sein könne, wenn ein Exemplar zum Beispiel an Eiben wächst. Allerdings sei das selten, betont auch sie. Ein junger, gekochter Schwefelporling dürfe aber dennoch auf dem Teller landen. Sie selbst habe vor Kurzem ein Stück probiert. Ihr Fazit: „Er ist bissfest und schmeckt tatsächlich nach Hähnchen“, sagt Kirschke-Deck, die im Hauptberuf als Krankenschwester arbeitet.
Vorsicht gehört beim Sammeln von Pilzen dazu
Auch wenn die Positionen unterschiedlich sein mögen: Experten raten, grundsätzlich beim Sammeln von Pilzen Vorsicht walten zu lassen. Das sollten vor allem jene tun, die sich nicht mit Pilzen und Bäumen auskennen. Im Zweifel sollte ein Experte um Rat gefragt werden, rät Albert. Alte, vertrocknete Pilze, die an kaputten Bäumen wachsen, sollten nicht gesammelt werden. Außerdem sollten Waldbesucher nie mehr als zwei Kilo mit nach Hause nehmen, mehr sei nicht erlaubt, ergänzt Kirschke-Deck.