Südpfalz
Digitales Klassenbuch half im Fall Edenkoben weiter
Im Entführungs- und Missbrauchsfall Edenkoben hat ein modernes Hilfsmittel, das am dortigen Gymnasium im Einsatz ist, dafür gesorgt, dass das Fehlen einer Zehnjährigen rasch aufgefallen ist: das digitale Klassenbuch. Statt auf Papier wird mittlerweile flächendeckend auf dem Bildschirm vermerkt, wer nicht anwesend ist. Meldet ein Lehrer einen Schüler als abwesend, wird das im Sekretariat direkt sichtbar. So können schnell Sorgeberechtigte kontaktiert werden, sofern keine Entschuldigung vorliegt. Dass diese nicht mehr ausschließlich telefonisch, sondern von den Sorgeberechtigten online übermittelt werden kann, ist eine weitere Funktion des digitalen Klassenbuchs.
Die Schule in Edenkoben hat, nachdem klar war, dass das Mädchen unentschuldigt fehlt, umgehend den Vater benachrichtigt, der hat die Polizei alarmiert, als er seine Tochter auf dem Schulweg nicht gefunden hat. „Das ist gut gelaufen“, findet Ralf Haug, der Schulleiter der IGS in Landau, die diese Technik ebenfalls nutzt. Aber er warnt davor, sich darauf zu verlassen, auch wenn er dem digitalen Klassenbuch einen generell hohen Nutzwert bescheinigt. „Papier ist echt nicht mehr zeitgemäß“, sagt er.
Auch analoges Klassenbuch erlaubt
Nach Angaben der Schulbehörde bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier muss die Anwesenheit der Schülerinnen und Schüler jeden Morgen durch die Lehrkräfte kontrolliert werden, egal ob analog oder digital. Unentschuldigt abwesende Schülerinnen und Schüler würden dem Sekretariat oder der Schulleitung gemeldet. Dann müssten die Schulen unverzüglich Kontakt mit den Sorgeberechtigten aufnehmen. So sei es in den Schulordnungen vorgeschrieben.
Indes: Es bleiben Lücken. Laut ADD gestalten die Schulleitungen „gewissenhaft und verantwortungsvoll in Zusammenarbeit mit den Lehrkräften“, wie die Verpflichtung zur Anwesenheitskontrolle organisiert wird. Doch bei 91 Lehrkräften und 950 Schülerinnen und Schülern – „alles Individuen“ – an der IGS sei das nicht wirklich kontrollierbar und es gebe Lücken, sagt Haug. Beispielsweise könne ja auch der Lehrer fehlen oder sich verspäten. Nicht jeder nehme die Kontrolle gleich zu Beginn der Stunde vor, unter anderem, weil auch mal Schulbusse im Stau stehen oder Züge Verspätung haben könnten. Manchmal werde die Abwesenheit erst mal auf einem Zettel notiert und erst später im digitalen Klassenbuch eingetragen. Das Abklären unentschuldigten Fehlens durch das Sekretariat sei kein großer Aufwand, meint Haug.
Gute Erfahrungen mit digitaler Variante
Dass die Anwesenheit nicht immer zu Beginn des Unterrichts kontrolliert und entsprechend dokumentiert wird, kann Pete Allmann, Schulleiter des Gymnasiums im Alfred-Grosser-Schulzentrum in Bad Bergzabern, bestätigen. Es könne ja tatsächlich sein, dass ein Bus zu spät komme oder ein Schüler schlicht verschlafen habe, sagt er. Auch in der Kurstadt wird das digitale Klassenbuch genutzt, „nun im zweiten Jahr“, wie Allmann erklärt. „Das funktioniert sehr gut.“
Nach Ansicht der ADD hat sich schon das Standardverfahren zur Erfassung und Dokumentation der An- und Abwesenheit mittels Papier-Klassenbuch bewährt. Auch das habe bei unentschuldigten Abwesenheiten zu einer zügigen Kontaktaufnahme mit den Sorgeberechtigten geführt. Digitale Klassenbücher gebe es seit rund zehn Jahren von verschiedenen Anbietern. Es gebe jedoch weder eine einheitliche landesweite Lösung noch eine Pflicht sie zu nutzen, so die ADD.
Fall Edenkoben hat die Sinne geschärft
Allmann stellt fest, dass die Anwesenheitskontrolle an seiner Schule seit dem Entführungs- und Missbrauchsfall Edenkoben noch besser läuft. „Das hatte eine große Disziplinierung zur Folge.“ Alle, also Lehrer, Sekretariat, Eltern und Schüler, seien noch sorgsamer. „In der ersten Woche nach Edenkoben haben wir zu dritt drüber geschaut“, erzählt Allmann. Derzeit täten dies noch zwei Personen. Wobei er betont, dass die Anwesenheit auch zuvor sehr gewissenhaft kontrolliert wurde. „Ich werde generell schon unruhig, wenn bis zehn nach acht nicht alles abgeklärt ist.“ Die erste Stunde am Gymnasium im Alfred-Grosser-Schulzentrum beginnt um 7.55 Uhr.
Ein weiteres Problem, das hier und da auftreten kann, ist die Rücksprache mit den Eltern, wenn tatsächlich mal Schüler fehlen. Manchmal haben sie nur vergessen, ihr Kind krank zu melden, aber nicht alle sind dann auch zur Abklärung erreichbar. Allmann sagt, dass – spätestens seit Edenkoben – stets jemand erreichbar sei. Zumal sich die Zahl derer, die unentschuldigt fehlen, in Grenzen hält. „Das waren nie mehr als zehn“, sagt der Schulleiter. Ab Klassenstufe 7 besuchen gut 700 Schüler das Gymnasium in Bad Bergzabern, das eine gemeinsame Orientierungsstufe (Klassen 5 und 6) mit der Realschule plus hat.
Die ADD hebt hervor, dass das Land seit diesem Schuljahr für die direkte und schnelle Kommunikation zwischen Sorgeberechtigten, Schülerinnen und Schülern sowie Schulen den Messenger „Schulchat“ bereitstellt. Darüber könnten Krankmeldungen erfolgen, aber auch unentschuldigte Abwesenheiten rasch geklärt werden, auch explizit mit Lesebestätigung.