Edenkoben
Fünftklässlerin sexuell missbraucht – Mutmaßlicher Täter gefasst
Schon seit einiger Zeit kursierte in der Elternschaft des Gymnasiums Edenkoben eine Whatsapp-Nachricht, die sie dazu animierte, vorsichtiger als sonst zu sein. In dieser werden Väter und Mütter darüber informiert, dass seit Kurzem ein verurteilter Sexualstraftäter in Neustadt auf freiem Fuß sei. „Hierüber haben wir uns heute Morgen auch mit der Polizei in Neustadt unterhalten und zusammengetan, welche nochmals dringlich dazu rät, die Kinder in der Kita, der Grundschule und zu Hause zu sensibilisieren“, heißt es in der Mitteilung, die ergänzend auf Verhaltensweisen im Notfall hinweisen. Dass Kinder beispielsweise nicht zu Fremden ins Auto steigen sollten.
Und doch ist es einem Mann am Montagmorgen gelungen, eine minderjährige Schülerin des Edenkobener Gymnasiums ins Auto zu bekommen. Ob es sich beim mutmaßlichen Täter um jenen verurteilten Sexualstraftäter handelt, der kürzlich in Neustadt auf freien Fuß gekommen war, wollten weder die Staatsanwaltschaft Landau noch das Polizeipräsidium Rheinpfalz auf RHEINPFALZ-Nachfrage kommentieren. Allerdings teilen sie gemeinsam mit, dass ein 61-Jähriger festgenommen wurde, der bereits als Sexualstraftäter in Erscheinung getreten war und in Neustadt wohnt.
Vater meldet Tochter als vermisst
Ersten Ermittlungen zufolge hat der Tatverdächtige gegen 7.45 Uhr in der Luitpoldstraße in Edenkoben ein zehnjähriges Mädchen auf dessen Schulweg in seine grüne Audi-A4-Limousine mit NW-Kennzeichen und auffällig beschädigter Heckscheibe gezogen. Über Feldwege fuhr er dann davon. Eine halbe Stunde später wurde der Polizei von einer Zeugin das Auto gemeldet, weil sich der Fahrer ihrer Einschätzung nach auffällig verhalten habe. Fahndungs- und Suchmaßnahmen wurden eingeleitet, nachdem das Mädchen um kurz nach 9 Uhr als vermisst gemeldet wurde.
Der Vater hatte die Polizei verständigt, nachdem die Schule das unentschuldigte Fehlen der Zehnjährigen bei den Erziehungsberechtigten gemeldet hatte. Diesen Ablauf bestätigt die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier auf RHEINPFALZ-Anfrage. Bei unentschuldigtem Fernbleiben von minderjährigen Schülerinnen und Schülern seien die Eltern unverzüglich zu benachrichtigen, erklärt die Behörde mit Verweis auf Paragraf 37, Absatz 1 der Übergreifenden Schulordnung. „Im konkreten Fall ist die Schule dem Fernbleiben der Schülerin umgehend nachgegangen und hat Rücksprache mit dem Vater gehalten, der wiederum umgehend die Polizei informiert hat.“
Den gesuchten Audi sahen Beamte dann gegen 9.40 Uhr auf der L516 bei Maikammer. Die Polizeikräfte verfolgten den Flüchtigen, der über die A65 in Richtung Kandel raste und dabei drei Unfälle verursachte sowie mehrere andere Fahrer gefährdete. Verletzt worden ist nach bisherigem Kenntnisstand dabei niemand. Auf der sogenannten Bienwald-B9 bei Kandel-Süd konnte der Kindesentführer schließlich gestoppt werden. Beamte fanden in dem Audi die Zehnjährige und nahmen sie in Obhut. Der 61 Jahre alte Fahrer wurde „unter Anwendung unmittelbaren Zwangs aus dem Auto herausgeholt und gefesselt“. Dabei wurde er verletzt.
Verantwortliche kritisieren Behörden
Schockierend ist das, was Staatsanwaltschaft und Polizeipräsidium zu den bisherigen Ermittlungsergebnissen mitteilen. Es bestehe der dringende Tatverdacht, dass der Mann das Mädchen in seine Gewalt gebracht und sexuell missbraucht habe. Der 61-Jährige habe eingeräumt, sich des Mädchens bemächtigt zu haben, „Angaben im Einzelnen hat er nicht gemacht“. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Landau hat der Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Landau einen Untersuchungshaftbefehl wegen des dringenden Verdachts der Freiheitsberaubung sowie des sexuellen Missbrauchs von Kindern erlassen. Der mutmaßliche Täter ist mittlerweile in einer Justizvollzugsanstalt.
Am Vormittag hatten Eltern noch honoriert, dass Mechanismen gegriffen hätten und die Polizei schnell tätig wurde. Das war aber, bevor die Behörden vom Missbrauch berichtet hatten. Kritik gab es aber von Verantwortlichen in Edenkoben, die nicht namentlich genannt werden wollen. Denn offiziell habe es keine Hinweise gegeben, dass sich in der Nähe des Edenkobener Gymnasiums ein verurteilter Sexualstraftäter herumtreibe – Polizei und Schulbehörde hätten dazu jedenfalls geschwiegen.
Wurde der Verdächtige bereits vorher gesehen?
Nach unbestätigten RHEINPFALZ-Informationen soll der Festgenommene nämlich auch in Edenkoben bereits vor dem Vorfall vom Montag aufgefallen sein. Auch sein Auto und Kennzeichen seien bereits an die Polizei weitergegeben worden.
Die Leitung des Gymnasiums war für eine Stellungnahme nicht zu sprechen. Über das Sekretariat verwies sie die RHEINPFALZ an die Aufsichts- und Dienstleistungsbehörde (ADD) in Trier. Die Schule hatte bereits am Vormittag die Eltern informiert, dass „dank der Aufmerksamkeit verschiedener Personen und der schnellen Reaktion der Polizei Schlimmeres verhindert werden konnte“ – wohlgemerkt auch bevor die volle Tragweite des Verbrechens bekannt war. Die Polizei werde am Dienstag für weitere Ermittlungen im Haus sein. Auch der schulpsychologische Dienst sei vor Ort.
