Landau
Der Mann, der das La Ola in die Zukunft führen soll
Daniel Zacher ist Herr über einen Ponyhofs und Anführer zweier Piratenbanden, kann dienstlich zwischen einem Frei- und einem Hallenbad sowie einer Sauna wählen, betreibt ein (Altes) Kaufhaus und eine Festhalle und muss ein Messegelände füllen. Der 43-Jährige ist der Geschäftsführer der Stadtholding Landau, unter deren Dach ziemlich unterschiedliche Betriebe zusammengefasst sind. Wuppen muss er das in Teilzeit.
Vor gut 100 Tagen hat Zacher die Geschäftsführung von Martin Messemer übernommen, der wiederum für den ausgeschiedenen Oberbürgermeister Thomas Hirsch eingesprungen war. Doch Messemer ist als Wirtschaftsförderer und Leiter der Finanzabteilung der Stadt gut ausgelastet und deshalb in die zweite Reihe zurückgetreten. Wie schafft Zacher den Job mit 25 Wochenstunden? Jedenfalls nicht im Kommisston, obwohl er „eine lange Militärvita“ hat, wie er erzählt: Er war zwölf Jahre bei der Bundeswehr, einschließlich des Studiums der Wirtschafts- und Organisationswissenschaften an der Uni der Olivgrünen in München. Damals hat er Fuhrpark der Bundeswehr managen geholfen.
Denkräume statt Kommandoton
Doch der Hauptmann der Reserve will nicht kommandieren, sondern zuhören, bei seinen 230 Mitarbeitenden „Denkräume schaffen“ und ihnen Anregungen geben. So wie er das als Inhaber der Unternehmensberatung Passionate Solutions auch tut, die unter anderem Großunternehmen der Pharma- und Automobilbranche zu ihren Kunden zählt und auch nicht zu kurz kommen soll. Dass er nur eine 65-Prozent-Stelle bei der Stadtholding hat, sei keine versteckte Sparmaßnahme, die er mit 130 Prozent Arbeitseinsatz kompensieren werde, sagt Zacher: Es sei eine strategische Entscheidung. „Ich kann gar nicht anders, als auf mein Team und auf Empowerment zu setzen.“ Mit dem englischen Begriff ist die Ermächtigung, das Übertragen von Verantwortung gemeint.
Zacher hat sich mit Betriebspraktika einen Eindruck von seiner neuen Aufgabe verschafft, ist zum Beispiel stundenlang mit dem Hochdruckreiniger durchs La Ola gezogen. Sein Büro hat er umgestaltet zu einem Workshopraum, der von allen gebucht und genutzt werden kann. Er selbst zieht dann vorübergehend an einen anderen freien Schreibtisch um.
Unterschiedliche Betriebe, gemeinsame Themen
Denn als erstes hat der „zugereiste Pfälzer“, der in Pforzheim geboren und in Rülzheim aufgewachsen ist, seine Betriebsleitenden zusammengeholt, die Chefs und Chefinnen der Kitas und sonstigen kommunalen Unternehmen, die sich zum Teil untereinander kaum gekannt hätten. Zacher will sie zum Team formen, denn auch wenn die Betätigungsfelder unterschiedlicher kaum sein könnten, gebe es immer auch gemeinsame Themen wie beispielsweise Sauberkeit, Verpflegung oder Fachkräftemangel. Folglich gebe es auch Synergieeffekte. „Gemeinsam sind wir stärker“, sagt er. Alle sollten sehen, „dass wir das Heft des Handelns in der Hand haben“.
Zacher liebt es, dass er die 50.000 Kundinnen und Kunden der Stadtholding theoretisch jeden Tag treffen kann: die Kita-Eltern, die Schwimmbad-Besucher, die Tagungsteilnehmer in der Festhalle. „Ich bin superdankbar, dass wir so etwas haben“, sagt er über letztere. Von zwei Großunternehmen aus der Region, die den Prachtbau aus dem Jugendstil für Firmenveranstaltungen gebucht hatten, hat Zacher die Rückmeldung bekommen, dass Landau zwar nicht ihre erste Wahl war, dass sie dann aber hellauf begeistert waren. Er sieht bei Firmenevents zusammen mit dem Parkhotel noch ebenso Wachstumspotenzial wie bei Eigenveranstaltungen aus dem Kulturbereich. Für das Alte Kaufhaus gelte dasselbe. Er sei Ökonom, sagt Zacher, und die Stadtholding müsse Geld verdienen – aber nicht als Selbstzweck, sondern um etwas fürs Gemeinwohl in Landau zu tun.
„Wir glauben an unser Bad“
Auch beim sanierungsbedürftigen La Ola sieht Zacher inzwischen klarer. Das sei zwar in die Jahre gekommen, aber top gepflegt. Er leidet daher unter einer schiefen öffentlichen Wahrnehmung und steuert mit einer Infokampagne auf sozialen Netzwerken gegen – auch um Fachkräfte für die Stadtholding an Bord holen zu können. „Wir glauben an unser Bad“, sagt er, aber mit einer Eins-zu-Eins-Sanierung rechnet er nicht. Da es um sehr viel Geld gehe, sei die Zukunft eine hochgradig politische Entscheidung, für die er die Entscheidungsgrundlage liefern will. „Ich sehe mich als Moderator für die Stadt.“ Auf die Frage „Was ist dieses Bad uns wert?“ habe er unterschiedliche Antworten bekommen, sagt Zacher.
Ein Bäderexperte habe das Freizeitbad untersucht und mehrere Optionen für seine Zukunft erarbeitet. Die nächsten Schritte sind eine große Befragung der Nutzerinnen und Nutzer, von Mitarbeitern der Stadt über „normale“ Badegästen bis hin zu Schulen und Vereinen. Den Fragebogen habe eine Professorin der Uni erarbeitet. Außerdem muss mit dem Beteiligungsrat erörtert werden, wie die breite Öffentlichkeit eingebunden werden kann. Zacher erwartet, dass man im November in vertiefende Diskussionen gehen kann. „Wir werden keinen Ponyhof kriegen, es werden nicht alle zufrieden sein“, sagt er.
Zacher ist Quereinsteiger, kein Eigengewächs einer Verwaltung. Er weiß, dass am Ende von ihm Ergebnisse erwartet werden und hat deshalb einen Doktoranden der Uni eingebunden, der den Veränderungsprozess bei der Stadtholding wissenschaftlich begleitet.