Edenkoben RHEINPFALZ Plus Artikel Der Blut-und-Boden-Filmemacher aus der Südpfalz

Plakat zum Film„Wie einst im Mai“.
Plakat zum Film»Wie einst im Mai«.

Der Regisseur Richard Schneider-Edenkoben hat sich früh den Nationalsozialisten angedient. Josef Goebbels und Leni Riefenstahl haben ihn bei Dreharbeiten besucht. Ein Filmemacher zwischen Linientreue und seichter Komödie.

Eigentlich wollte der 1899 in Edenkoben als Sohn eines Lehrers geborene Richard Schneider Schriftsteller werden. Zu einem gewissen Grad ist ihm das auch gelungen. In der Reclams-Universalbibliothek erschien 1930 sein Roman „Tarakanova – Geschichte einer Abenteurerin“. Dafür hatte er sich den Künstlernamen Richard Schneider-Edenkoben zugelegt. Es sollte jedoch sein einziger Roman bleiben, danach wandte er sich dem Filmschaffen zu.

Für den Film „Die große Attraktion“ mit dem Startenor Richard Tauber schrieb Schneider-Edenkoben das Drehbuch. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten unterschrieb der Südpfälzer als einer von 88 deutschen Schriftstellern und Dichtern (darunter unter anderem Gottfried Benn und Agnes Miegel) im Oktober 1933 das „Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler“ – der Beginn der Gleichschaltung der deutschen Literatur.

Biblischen Stoff adaptiert

Schneider-Edenkoben ging nach Berlin und landete bei der noch heute bestehenden Ufa (Universum Film AG) einen Treffer. Die Edenkobener Heimatblätter berichteten 1933: „Funk und Film werden die Propagandaträger der Zukunft sein. Von dieser Erkenntnis getragen muss daher auch der Film ganz in den Dienst der völkisch-kulturellen Erneuerung unseres Staatswesens gestellt werden. Hierzu eignen sich vornehmlich der Landschaftsfilm und das Volksstück. Beiden Forderungen kommen in dem Ufa-Programm die Arbeiten unseres Landsmannes, des Filmregisseurs Richard Schneider-Edenkoben am nächsten.“ Schneider drehte sein Erstlingswerk auf Gut Lelkendorf in Mecklenburg. „Kain“ sollte es nach seiner biblischen Quelle heißen; die Ufa machte daraus „Blut und Scholle“.

Reichspropagandaleiter Josef Goebbels und die Filmemacherin Leni Riefenstahl besuchten den Drehort und wohnten den Aufnahmen bei. Die meisten Darsteller waren Laien. Die Zeitschrift „Westmark – Monatsschrift für Deutsche Kultur“ kommentierte das Werk wie folgt: „Der Film kennt keine Bauten, keine Kulissen und keine Innenaufnahmen. Auf drei Ebenen rollt die Handlung ab: Acker, Schafweide und Landstraße. Auf Acker und Schafweide ist der Schauplatz der Handlung. Die Landstraße ist der Hintergrund; auf ihr zieht das große Leben vorüber: ein Hochzeitszug, eine Beerdigung, Auto, Heuwagen, Landstreicher, Gendarmen, ein Zirkus.

Nach dem Krieg verboten

Sonst ist nur Wind, Sonne, Sturm, Regen, Tau, der Acker und das reifende Korn im Film. Und der Bauer. Zwei Brüder: leichtsinnig und städtisch verdorben der eine, schwermütig, ganz Sohn der Erde, der andere. Beide lieben sie, mit beiden spielt sie und hält es dann mit dem Leichtsinnigen, dem geschniegelten Luftikus. Lange braucht Görg bis er begreift. Dann wird er Zeuge des Verrats. Dann wird er Tier, greift einen Stein und erschlägt seinen Bruder. Kain, der den Bruder gemordet. Acker wird still. Das Blut trinkt die Erde. Der Pflug gräbt sich tief in die braune Scholle. Görg schreitet über die Furchen. Ruhe liegt wieder über dem Acker.“ Schließlich kam der Film unter dem Titel „Du sollst nicht …“ in die Kinos. Finanziell war der Streifen wenig erfolgreich. Nach Kriegsende setzten die alliierten Militärbehörden ihn auf den Index.

Fortan widmete sich Schneider-Edenkoben Komödien, Lustspielen und Melodrams: 1934 „Besuch im Karzer“ (Regie); 1934/35 „Die törichte Jungfrau, Provinzposse (Regie); 1936 „Inkognito, Lustspiel (Regie und Drehbuch); 1937 „Signal in der Nacht, Spionagemelodram (Regie und Drehbuch); 1937 „Wie einst im Mai, Volksstück in Alt-Berliner Milieu“(Regie); 1936 „Silvesternacht am Alexanderplatz“, Milieufilm (Regie und Drehbuch).

Neuanfang nach dem Krieg

1938 verzog Schneider-Edenkoben nach Schleswig-Holstein, wo er das abgelegene frühere Fährhaus Störort in einer Künstlerkolonie erwarb. 1939 heiratete er in Berlin in zweiter Ehe die Schauspielerin Ellinor Hamsun, die Tochter des norwegischen Schriftstellers und Literatur-Nobelpreisträgers Knut Hamsun, der als naziaffin galt. Im gleichen Jahr wurde er zum Filmsachverständigen im von den Nazis besetzten Generalgouvernement Polen ernannt. Hintergrund war, dass Schneider-Edenkobens Cousine die Ehefrau von Hans Frank war, der als NS-Hauptkriegsverbrecher und „Schlächter von Polen“ 1946 hingerichtet wurde.

1943 wird Schneider-Edenkoben nochmals als (Drehbuch-)Autor des Films „Leichtes Blut“ erwähnt. Danach tauchte er unter und galt zwei Jahre als fahnenflüchtig. 1946 ließ er sich wieder in seinem Haus in Störort bei Wewelsfleth nieder. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Porträt-Maler und Galerist. Am 23. September 1986 verstarb er 87-jährig in Nindorf in Schleswig-Holstein.

Richard Schneider-Edenkoben (sitzend mit Brille) bei den Dreharbeiten zu „Inkognito“. Dahinter Kameramann Robert Baberske.
Richard Schneider-Edenkoben (sitzend mit Brille) bei den Dreharbeiten zu »Inkognito«. Dahinter Kameramann Robert Baberske.
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