Südpfalz
Demoliertes Wohnhaus: Wut-Baggerfahrer gehört zu Landauer Firma
Der moderne Komplex sieht aus, als sei gerade eine Gasleitung explodiert. Balkone hängen an der Fassade des Neubaus schlaff herunter, Fenster sind zerstört. Was sich Ende Juli im kleinen Schwarzwaldstädtchen Blumberg ereignet, ist kein Unglück, sondern angeblich ein Akt der Verzweiflung. So schildert es jedenfalls jener Mann, der für die Verwüstungen verantwortlich ist, später dem „Südkurier“, der baden-württembergischen Regionalzeitung. Und der Mann arbeitet nicht nur für eine Landauer Baufirma, sondern lebt auch in der Pfalz, in Neustadt, wie sich jetzt herausstellt. Was hat den Wut-Baggerfahrer, wie ihn der „Südkurier“ nennt, zu diesem Ausraster getrieben, der bundesweit für Schlagzeilen sorgte?
Die Geschichte hört sich aus der Sicht des Mannes in Kurzform so an: Er habe mit Mitarbeitern einer Landauer Firma, deren Geschäftsführer er gewesen sei, zwei Gebäudekomplexe in Blumberg errichtet – zuerst eine Seniorenresidenz, später das demolierte Gebäude mit 31 Wohneinheiten. Von seinen Auftraggebern sei er über Jahre ausgenutzt, erpresst und für seine Arbeit nicht bezahlt worden, sagte der Beschuldigte, der mit seiner Bagger-Attacke für einen Schaden zwischen 500.000 und 700.000 Euro gesorgt haben soll.
Mann entschuldigt sich bei Mietern
Dass wegen seines Ausrasters viele Mieter erst mit Verspätung einziehen können, das tue ihm leid, sagte der 47-Jährige dem „Südkurier“. „Am meisten hatte ich Angst, dass mich jemand aufhalten will und dabei vom Bagger verletzt wird. Sobald sich jemand genähert hat, habe ich den Bagger ausgemacht.“
Bei näherer Betrachtung wird dieser außergewöhnliche Fall immer komplexer. Als sich der 47-Jährige kurz nach seiner Tat der Polizei in Donaueschingen stellte, gab er an, wegen der angeblichen Abzockereien seiner Auftraggeber ausgerastet zu sein. Der Berliner Investor des demolierten Wohnkomplexes in Blumberg sagte jedoch dem „Südkurier“, der Mann sei nicht ausgerastet, weil er, der Berliner, ihm Geld für seine Leistungen vorenthalten habe. Vielmehr schulde der Bauherr des Seniorenzentrums, ein Unternehmer aus Bad Bergzabern, dem Wut-Baggerfahrer noch eine größere Summe. Das habe ihm der Neustadter, der gegenüber dem „Südkurier“ von 1,7 Millionen Euro sprach, immer wieder erzählt, berichtete der Investor.
Bad Bergzaberner wehrt sich gegen Vorwürfe
Gegenüber der RHEINPFALZ bestreitet der Bad Bergzaberner Unternehmer die Vorwürfe. „Warum hat der Mann dann nicht mein Gebäude zerstört, wenn er angeblich sauer auf mich ist?“, so der Südpfälzer am Montag auf Anfrage. Er sei hingegen überzeugt, dass der Berliner Investor dem Mann Geld schulde. Anders sei die Tat nicht zu erklären.
Der Wut-Baggerfahrer warf gegenüber dem „Südkurier“ dem Unternehmer aus Bad Bergzabern allerdings vor, rund 500.000 Euro von jener Firma mit Sitz in Landau veruntreut zu haben, bei der er einst beschäftigt gewesen sei. Bisher gibt es dafür keine Beweise. Wie die Staatsanwaltschaft Landau am Montag auf Anfrage der RHEINPFALZ mitteilte, läuft ein Ermittlungsverfahren gegen drei Gesellschafter und Geschäftsführer aus der Baubranche – wegen Betrugs und Untreue. Wer diese Personen allerdings sind, dazu äußerte sich die Behörde nicht. Der Unternehmer aus Bad Bergzabern sagte am Montag, er habe nichts von der Staatsanwaltschaft gehört und wollte damit deutlich machen, dass er nichts mit der Sache zu tun habe. „Das ist alles Quatsch“, sagte er.
Wut-Baggerfahrer: Finanzielle Lage ausgenutzt
Dem Berliner Investor wirft der Wut-Baggerfahrer wiederum vor, seine Lage ausgenutzt zu haben, erzählte er dem „Südkurier“. Der Bauherr habe, so der Mann aus Neustadt, um seine finanziellen Probleme gewusst. „Jedes Mal, wenn eine Zahlung im Raum stand, haben sie mich irgendeinen Wisch Papier unterschreiben lassen und immer mehr Luxusausstattung gefordert. Ich habe geliefert, weil ich mit dem Rücken zur Wand stand.“
Und wie bewertet der Wut-Baggerfahrer inzwischen den Blumberg-Fall? Der spricht nur über seinen Anwalt. Und der Ludwigshafener Jurist Sebastian Göthlich möchte das nicht kommentieren, wie er am Montag gegenüber der RHEINPFALZ auf Anfrage betonte.
