Landau Das Leben vor dem Vergessen

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Ein besonderes und spannendes Projekt mit dem Titel „Demenz“ erarbeiteten am Ende des vergangenen Jahres die acht Schüler der zwölften Klasse der Fachoberschule in Bad Bergzabern. Sie besuchten die Tagesstätte für Senioren in Bad Bergzabern und hatten Einblick in die Welt der älteren Menschen.

Die Aufgaben innerhalb dieses Schulprojekts bestanden darin, sich bei Besuchen besser kennenzulernen und durch Interviews ein „Lebensbuch“ aus den Erfahrungen und Erlebnissen der älteren Generation zu erarbeiten. Vier Besucher der Tagesstätte erklärten sich bereit, die Jugend an ihren Lebensschätzen zu beteiligen. In sechs Terminen vor Ort lernten sich so die Alten und die Jungen in lockeren, manchmal heiteren Gesprächen, gemeinsamen Aktionen oder unter anderem durch Singen von Jugendliedern näher kennen. Auch gab es einen gemeinsamen Backvormittag zur Weihnachtszeit. Dabei wurden Erinnerungen an heute meist kaum noch bekannte Rezepte wachgerufen. Für viel Gesprächsstoff sorgte auch, wie damals zum Beispiel das Weihnachtsfest gefeiert wurde, was für Geschenke es gab und wie riesig sich die damalige Jugend über eine Puppe oder eine vom Vater selbst gemachte Eisenbahn freute. Unter der Projektleitung von Nadja Weber, Koordinatorin der Fachoberschule für Gesundheit und Soziales, erfuhren die Schüler die Lebensgeschichten der Senioren und wie unterschiedlich der Lebenslauf war gegenüber ihres eigenen. Diese Erlebnisse sammelten sie und schrieben sie auf. Die Projektleiterin erklärt dazu: „Demenz ist ein Thema im Unterricht. Durch die Besuche in der Tagesstätte und den kleinen Unterhaltungen ist der Umgang damit für die Schüler wertvoller und wird mit Bedacht behandelt.“ Erika Höflacher aus Gleiszellen ist 75 Jahre alt und war bereit, ihre Lebensgeschichte mitzuteilen. Sie erzählte, wie sie morgens um 5 Uhr hat aufstehen müssen, um rechtzeitig den Bus nach Dahn zu erreichen. Dort arbeitete sie in einer Stepperei am Fließband. Zu einer ihrer Haupttätigkeiten zählten, den ganzen Tag die Schleifen, die die damaligen modischen Ballerinas zierten, in Facon zu bringen. Auf die Frage: Wie würden sie ihr Leben in einem Satz beschreiben?, erklärte sie: „Ich bin zufrieden und dankbar für mein Leben, meine Familie ist mir sehr wichtig, ich freue mich, wenn ich sie sehe, und ich habe einen guten Mann an meiner Seite.“ Seit 54 Jahren ist sie verheiratet, erklärt sie freudestrahlend, und erzählt, wie sie damals ihren Mann auf dem Sportplatz in Gleiszellen-Gleishorbach kennengelernt hat. Die stellvertretende verantwortliche Pflegekraft der Tagesstätte, Hedwig Jost, zieht ein überaus positives Resümee der zurückliegenden Wochen: „Am Anfang machte sich bei mir etwas Unsicherheit bemerkbar. So ein Projekt wurde hier zum ersten Mal gestartet. Doch als ich die Gespräche mit anhörte und den freundschaftlichen, fast herzlichen Umgang miteinander sah, war es kein Problem mehr für uns.“ Auch die FOS-Schüler Alex, Helena, Lena, Ann-Kathrin, Vivienne, Celine, Masha und Noel waren begeistert von ihren „Schützlingen“. Alle waren beeindruckt von den Erlebnissen und Erfahrungen der Interviewten. Als Geschenk für die tollen Gespräche entwickeln sie nun ein Buch und füllen dieses mit dem gelebten Erinnerungsschatz der älteren Menschen – gegen das Vergessen.

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