Landau Da rast der Blocker

Es gibt Dinge, die halten nicht nur fast ewig, sondern verrichten auch hochbetagt noch regelmäßig ihren Dienst wie am ersten Tag: Der Blocker gehört dazu. Vor zwei Wochen hat „Marktplatz regional“ die Leser gefragt, ob sie noch einen Blocker haben. Tatsächlich kamen mit rund 30 Zuschriften mehr Rückmeldungen als wir hier berücksichtigen können.
Dass der Blocker über seinen eigentlichen Zweck auch ins pfälzische Sprachgebaren Einzug gehalten hat, merkt Peter Haag aus Hauenstein an: „Manchmal noch heute benutzt wird von mir ein Spruch um den Blocker. ,Ich glääb deer rast de Blogger’“. Das heißt: „Ich glaube, du spinnst.“ Dass ein Blocker rasen kann, wissen auch Christa und Hans Herrmann aus Speyerdorf: „Wir haben selbst noch ein solches Gerät regelmäßig in Nutzung und nennen ihn den „rasenden Blocker“. Wenn man nicht nur nach Blockern, sondern generell nach alten Dingen sucht, ist man bei Helmut Brunnemer aus Hochstadt an der richtigen Adresse. Der sympathische Daniel Düsentrieb hat schon etliche Patente beim deutschen Patent- und Markenamt angemeldet und so einige Kuriositäten bei sich zu Hause herumstehen. So hat er zum Beispiel ein fahrbares Sitzbüro entwickelt, das durch jede Tür passt und auf kleinstem Raum alle Vorteile eines echten Büros bietet. Einen Tisch zum Arbeiten, eine Ablage für den Rechner und genügend Stauraum für Unterlagen. Das europaweite Patent für den Fußballhandschuh für Feldspieler geht auch auf seine Kappe. In den Handschuh, den es als Sommer- oder Wintermodell gibt, hat der Tüftler einen selbstentwickelten Mechanismus eingebaut, die es einem Spieler unmöglich macht, den Gegner am Trikot zu packen und (im Strafraum) zu Fall zu bringen. Ansonsten erfährt der Spieler durch den Handschuh keinerlei Beeinträchtigung. Selbstverständlich sind in seinem Sammelsurium auch zwei Blocker samt Säuberungsbürste vertreten. 40 Jahre lang war der 80-Jährige mit seinem Malereigeschäft selbstständig. Die „Schnell-Glanz-Bohner“ besitzt der Erfinder in zwei Ausführungen: Den Blocker mit Kugellager aus den 50er-Jahren hat er von seiner Mutter geerbt. Mit dem rund 7,5 Kilogramm schweren Bürstenkopf aus Gusseisen kann man das Bohnerwachs ohne Probleme in vier, wie anstatt üblich in nur zwei Richtungen in das Holz einarbeiten. Sein zweites Modell ist sogar noch älter. Er hat es von seiner Großmutter aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg . Dieser Blocker kann nur in zwei Richtungen geschoben werden. Zu seinen beiden Blockern wartet Brunnemer auch noch mit einer Besonderheit auf: Sie sind top gepflegt, weil er noch alte Säuberungsbürsten (sogenannte Spezialreiniger) besitzt. Auch einen Blocker mit Kugelgelenk, das dafür sorgt, dass in vier Richtungen gearbeitet werden kann, besitzt Günter Otto Baumann aus Rhodt. Er kann sich noch gut daran erinnern, wie seine Mutter früher die Böden damit bearbeitet hat. Eine schwere Arbeit, die den Kindern nicht zugemutet worden sei. Dietrich Gondosch aus Billigheim bringt seine Kindheitserinnerungen und heutigen häuslichen Pflichten auf den Punkt: „Früher drückte mir meine Mutter den Blocker in die Hand, heute meine Frau. Es gibt nichts Besseres für einen Holzboden.“ Karola und Erhard Ohmer aus Herxheim haben auch ein altes Stück zuhause: „Dieser Blocker stammt von meiner Mutter Anna Ohmer, Jahrgang 1903. Vermutlich wurde er 1928 anlässlich ihrer Eheschließung angeschafft. Schon als kleiner Junge wienerte ich damit unsere Fußböden.“ Und Irmgard Ohmer, ebenfalls aus Herxheim, hat sich auch gemeldet. Sie weiß genau, wie lange ihr Blocker in ihrem Besitz ist, schließlich war es ein ganz besonderer Tag in ihrem Leben: „Wir heirateten am 15. Januar 1955 und bekamen den beigefügten Blocker als Hochzeitsgeschenk.“ Rudolf Wild Annweiler hat den Bodenbelag gewechselt, aber nicht das Haushaltsgerät. Er ist nach wie vor zufrieden: „Beim Umbau unseres Hauses habe ich in einem Raum einen Korkboden verlegt, den ich gelegentlich mit dem Blocker pflege. Auch wenn man nicht gleich bohnert, so bekommt man den feinen Staub weg, der sich beim Kehren mit dem Besen in kleinen Unebenheiten sammelt.“ Jonas Dietz aus Billigheim-Ingenheim hat ein Foto von seiner Oma geschickt. Siglinde Ditz (80) sitzt dabei mit ihrem Blocker auf der Treppe: „Sie benutzt bis heute einen Blocker zur Pflege der 112 Jahre alten Holztreppen und -böden in unserem Haus.“ Auch aus Billigheim hat sich Jutta Bieseke-Blesinger gemeldet und schreibt, dass ihr Blocker noch in Gebrauch ist. „Er ist schon aus der vorigen Generation. Wir haben aber ein Zimmer neu mit Seekieferdielen verlegt. Dieser Boden wurde lediglich geölt. Was bietet sich da besser an als unser alter Blocker? Ein weiches Baumwolltuch wird darunter gelegt und dann gehts los. Alle zwei Jahre wird der Boden mit Leinöl geölt und dann tritt unser Blocker in Aktion. Ich sage Ihnen, Sie glauben gar nicht wie er sich gefreut hat, dass er nicht mehr in der Kammer stehen muss ...“ Selbst im Rheinaue-Museum gibt es noch mehrere Blocker zu besichtigen. Einer davon ist auch immer wieder mal bei den Holzböden im Fachwerkhaus des Neuburger Museums im Einsatz. „Das Besondere an dem Exemplar auf dem beigefügten Foto ist, dass es sich ergonomisch auf die Größe und Arbeitsgewohnheiten des Benutzers mit dem Feststellhebel am Stiel einstellen lässt“, schreibt Gerd Balzer aus Neuburg. „Mit diesem Bodenpflegegerät kam ich schon als Zehnjähriger in Kontakt“, erinnert sich Alban Gutting, Jahrgang 1938 aus Lingenfeld. Der Fußboden der elterlichen Wohnküche sowie das Schlafzimmer war mit „Pitch Pin Holz“ ausgelegt. Seine Muter war sehr stolz auf diese Holzbodenart und um seine Pflege sehr besorgt. „Damit dieser immer schön glänzte, musste ich oft das ,Blockern’ übernehmen, nicht immer freudenstrahlend. Im Flur war der Bodenbelag mit Stragula ausgelegt, auch dieser musste glänzen, so war auch dort oft meine Blockerhilfe gefordert.“ 1956 kaufte die Mutter einen neuen Blocker, der sich noch in seiner Obhut befindet, vielleicht als ein Erinnerungsstück an seine frühere Blockerzeit. Ilse Trenkle-Lippl aus Westheim erinnert sich ebenfalls noch gut an das Blockern: „Als kleines Mädchen in den Sechziger Jahren hatte ich sogar einen Miniatur-Blocker für die Puppenstube. Wir lebten damals in einem Mietshaus und in regelmäßigen Abständen hatte meine Mutter Treppenhaus-Dienst. Die hölzernen Treppenstufen mussten gereinigt und gepflegt werden. Zunächst wurde ,gespänt’, das heißt mit einer Metallwolle wurden die Holzstufen abgerieben und so von Schmutz und der alten Wachsschicht befreit. Danach wurden die Stufen sorgfältig abgefegt. Nun kam das Bohnerwachs an die Reihe. Eine imposante rautenförmige, gelbe, dicke Tube enthielt das duftende Bohnerwachs. Mit einem weichen Tuch wurde es Stufe für Stufe gleichmäßig verteilt. Dann war es so weit: Der schwere Blocker kam zum Einsatz! Rundherum hatte er einen dicken, grünen Filzrand, um die Treppenwangen zu schützen. Nun ging es einige Male langsam und rhythmisch über jede Stufe - bumm bumm - ein dumpfer Ton jeweils beim Anschlag an der Treppenwange. Manche Hausfrauen stellten danach noch ein Warnschild auf ,Vorsicht, frisch gebohnert’, denn es war hinterer wirklich zum Schlittern glatt. Wir Kinder rutschten dann gerne sitzend Stufe um Stufe hinunter und hatten Spaß an dieser Stufenrutsche“. Und auch Roswitha Trauth aus Büchelberg besitzt ein solches Gerät. „Zu Hause hatten wir überall Holzböden. Wir Kinder mussten mithelfen die Böden zu wachsen und zu blockern. Es machte uns meistens keinen Spaß“, so ihre Erinnerungen. „Aber mit selbst gestickten Socken, konnte man sehr gut schlittern“.