Landau
Corona-Nachhilfe erst in den Herbstferien
Im ersten Corona-Jahr 20202 war die Euphorie groß: Mehr als 300 Kinder nutzten die kurzfristig organisierte Sommerschule, um Lernstoff aufzuholen. Auch in den Herbstferien drückten mehr als 200 Kinder freiwillig die Schulbank. Im Sommer 2021 waren es 85 und im Herbst 2021 noch 93 Kinder, die in den Ferien Versäumtes lernen wollten. Die Euphorie war verfolgen und die Kommunalverwaltungen wollten landesweit weder die Kosten für die Sommerschule tragen noch die Organisation stemmen, erklärt das Bildungsministerium auf Nachfrage.
Im Frühjahr 2022 wollte das Land Verhandlungen für eine Sommerschule mit den Kommunalen Spitzenverbänden führen, doch die Vertretungen von Städten und Landkreisen erklärten, „dass sie die Organisation und die Durchführung der Sommer- und Herbstschule in dieser Form ab dem Jahr 2022 nicht mehr mittragen werde,“ erläuterte das Bildungsministerium der RHEINPFALZ.
Stadt war mit Angebot zufrieden
Auf Nachfrage erklärt die Landauer Pressesprecherin Ricarda Bodenseh, dass die Stadt mit dem bisherigen Format der Sommer- und Herbstschule „durchaus zufrieden“ gewesen sei. Hier scheint die Arbeitsebene der Kommunalverwaltung eine andere Einschätzung zu haben als die Kommunalen Spitzenverbände.
An den Kosten kann es auch nicht liegen, denn nach Aussagen der Stadt Landau rechnet diese mit rund 6500 Euro pro Sommerschule. Die Stadt Landau ist auch Träger der Volkshochschule, und somit „ändert sich im Vergleich zur Sommer- und Herbstschule beim ,Lernen in Ferien’ ja prinzipiell nichts. Das Format bleibt das gleiche – es findet lediglich eine organisatorische Veränderung statt“, erläutert Bodenseh.
Doch eines ändert sich: Es gibt in den Sommerferien weder in Landau noch im Landkreis Südliche Weinstraße Lernangebote für Kinder, die diese für den Schulstart im September bräuchten. „Lernen-in-Ferien“ wird es erst in den Herbstferien geben.
Reicht das Geld vom Land?
Nachdem die Kommunalen Gebietskörperschaften erklärt hatten, dass sie die Sommerschule nicht fortführen wollen, verhandelte das Bildungsministerium mit dem Verband der Volksschulen das neue Konzept. Bereits seit Februar 2020 bieten Schulen in Kooperation mit den Volkshochschulen nach Aussagen des Bildungsministeriums „sehr erfolgreich so genannte additive Lernangebote an, die auch Teil des Corona-Aufholprogramm des Landes sind“.
Am 5. Mai unterzeichneten Land und Volkshochschulen eine entsprechende Vereinbarung. Das Land stellt für dieses Programm eine Million Euro bereit. Pro Kurs und Unterrichtseinheit werden vom Land 40 Euro erstattet, darin enthalten sind auch Kosten für die Organisation.
Der Landauer Stadtvorstand hat mittlerweile entschieden, dieses Angebot gemeinsam mit dem Landkreis umzusetzen. Der Stadtrat hat am Dienstagabend zugestimmt, dass Landau die Defizite der Volkshochschule ausgleicht, die dort entstehen, weil nach der Kalkulation der Stadt die Zuschüsse des Landes nicht ausreichen. Kleine Randnotiz: Während das Land 40 Euro Vergütung pro Unterrichtsstunde nennt, geht die Stadt von 38 aus. Ob der Betrag kostendecken sei, könne man jetzt noch nicht abschätzen. Sicherheitshalber wird die Kostenerstattung auf 20.000 Euro begrenzt.
Kaum Nachfrage für Sommerferien
Die Stadt bemerkt in der Vorlage für den Rat zudem, dass bisher das Land den Kommunen interessierte Lehrkräfte und Referendare vermittelt hatte, dies jetzt aber nicht mehr tut. Sie geht davon aus, dass die VHS den Lehrkräften 25 Euro pro Stunde zahlen wird.
Dass es diesmal keine Sommerschule gibt, begründet die Verwaltung damit, dass schon 2021 viele angebotene Plätze nicht besetzt werden konnten. Dieses Jahr habe nur eine Grundschule mit sehr wenigen Kindern Interesse angemeldet gehabt.