Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Corona-Infektionen steigen: Darf noch gefeiert werden?

Beim Musikfestival Rock am Friedensdenkmal sind 500 Besucher zugelassen.
Beim Musikfestival Rock am Friedensdenkmal sind 500 Besucher zugelassen.

Die Corona-Infektionszahlen steigen wieder deutlich an – auch in der Südpfalz. Die Stadt Landau hat nun Gefahrenstufe Orange erreicht, auf Gelb steht die Ampel für den Kreis Südliche Weinstraße. Gleichzeitig gibt es aber große Feste und Konzerte. Ist das sinnvoll?

Die Frage erhitzt die Gemüter: Feste und Aktionen bei steigenden Corona-Infektionszahlen – ja oder nein? Sei es nun das Landauer Herbstklopfen am vergangenen Wochenende oder die Veranstaltungen am Friedensdenkmal in Edenkoben, die noch bis kommendes Wochenende laufen. Sicher ist: Die aktuellen Corona-Landesverordnungen geben diese Veranstaltungen her. Sie sind erlaubt. Doch sind sie auch sinnvoll?

„Einfach unverantwortlich dieser Abend. Wie soll man den Politikern noch glauben, wenn sie uns überall beschränken und dann solche Veranstaltungen genehmigen? So werden wir die Pandemie nie in den Griff bekommen“, schreibt jemand auf der Facebook-Seite der Stadt über das Herbstklopfen. „Wenn jeder auf die Vorgaben achtet, ist alles kein Problem, ansonsten müsste man sich zu Hause einschließen“, meint ein anderer. Ähnlich wurde auch bei der Edenkobener Konzertreihe argumentiert.

Oberbürgermeister: Öffentliche statt privater Feiern

Die Stadt hatte im Vorfeld betont, dass das Herbstklopfen zusammen mit dem Late-Night-Shopping am Samstag und der Krönung der Weinprinzessin coronakonform gefeiert werde. Man habe Sorge, was passiert, wenn keine Angebote gemacht würden. „Wenn wir keine öffentlichen Feste und Veranstaltungen anbieten, bricht sich das Leben im privaten Rahmen Bahn, und dort ist es sehr viel schwieriger, die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten beziehungsweise zu kontrollieren“, sagte Oberbürgermeister Thomas Hirsch laut einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung. Die Stadt schätzt die Anzahl der Besucher auf 5500. Das Fest des Federweißen zieht rund 30.000 Besucher an einem Wochenende an.

Keine öffentliche Feier als Superspreading-Event in der Pfalz

Derzeit gelten private Feiern, meist Familienfeiern, als eine Hauptursache für die hohen Infektionszahlen. So ist die Stadt Zweibrücken auf Alarmstufe Rot gerutscht. Dort kam eine Frau aus einem badischen Risikogebiet auf eine Feier. Der Kreis Südwestpfalz wurde bis gestern in der Gefahrstufe Orange geführt. Hier war ebenfalls eine private Feier in der Verbandsgemeinde Hauenstein für einen Teil der Neuinfektionen verantwortlich gemacht. Aber die Feier ist nicht allein schuld: Auch in einem Fitnessstudio verbreitete sich das Virus.

In der Pfalz ist derzeit keine öffentliche Veranstaltung bekannt, die bislang für einen deutlichen Anstieg der Infektionen gesorgt hat. In der Schweiz hingegen wurde ein Jodel-Fest Ende des vergangenen Monats als Superspreading-Event identifiziert.

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