LANDAU
Corona diktiert den Stundenplan am Eduard-Spranger-Gymnasium
Die Drähte glühen, als am Samstag bekannt wird, dass ein Schüler des Eduard-Spranger-Gymnasiums positiv auf das Coronavirus getestet worden ist. Über die Umstände wird nicht viel bekannt. Es heißt nur, der Junge sei am Mittwoch zuletzt in der Schule gewesen und habe anschließend Symptome entwickelt. Auch dem Gesundheitsamt Landau/Südliche Weinstraße ist nicht bekannt, woher sich der Schüler das Virus geholt hat.
Schulleiterin Dagmar Linnert erhält am Samstagvormittag einen Anruf von Oberbürgermeister Thomas Hirsch. Er informiert sie über das Testergebnis des Schülers. Linnert weiß sofort, was zu tun ist. Sie kontaktiert die betroffenen Lehrer, die Eltern, informiert die Schulgemeinschaft über die Homepage des ESG – und organisiert ihre eigene Quarantäne. Linnert ist eine der neun Lehrkräfte, die im Unterricht mit dem Jungen zu tun hatten.
Der Schüler ist wieder fieberfrei
Einige der 780 Schüler am ESG werden in bestimmten Fächern gemeinsam unterrichtet, es geht hauptsächlich um Sprach- und Religionsgruppen. Das war auch im Fall der sechsten Klasse so, die der erkrankte Junge besucht. Deshalb sind seit dem Wochenende eineinhalb Klassen der sechsten Jahrgangsstufe in Quarantäne, nicht der gesamte Jahrgang, wie in Landau vereinzelt zu hören war.
Die Reaktionen der Schulgemeinschaft bezeichnet Dagmar Linnert als grundsätzlich sehr mitfühlend und bedacht. Sie hoffe inständig, dass keine Lehrkraft und kein Schüler ernsthaft erkranke. „Mir ist am wichtigsten, dass alle Testergebnisse negativ sind“, sagt die Schulleiterin der RHEINPFALZ. Dem Jungen gehe es gut, er sei mittlerweile fieberfrei. „Darüber sind wir alle im ESG erst einmal sehr erleichtert.“
Die 38 Schüler und ihre neun Lehrer müssen sich am Montag direkt im Corona-Diagnosezentrum In den Grabengärten einfinden. Die ehrenamtlichen Helfer des Deutschen Roten Kreuzes nehmen Abstriche und bereiten die Fracht fürs Labor vor. Die Ergebnisse der Tests werden für Mittwochvormittag erwartet.
1,50 Meter Abstand ist oft utopisch
Auch in Landau haben Lehrer damit gerechnet, dass das Virus an einer Schule zuschlägt. Dass es so schnell geschieht – sechs Tage nach Schulbeginn, erstaunt den einen oder anderen. Das ESG Landau ist kein Einzelfall. In Germersheim, Wörth, Speyer, Kaiserslautern und Winnweiler ist von Infizierten an Schulen die Rede. Da mögen sich die Einrichtungen noch so sehr an die Hygiene-Vorgaben des Landes halten, schon der Weg zur Schule im Bus ist eine Herausforderung. Die Regel von 1,50 Meter Abstand lässt sich dort meist genauso wenig einhalten wie in vielen Klassenräumen.
Für Oberbürgermeister Thomas Hirsch hat der positive Test des ESG-Schülers gezeigt, wie schnell eine Infektion auch in Landau Kreise ziehen kann. Er appelliert an alle, sich testen zu lassen, „wenn sie Symptome verspüren oder wenn sie gerade von einer Urlaubsreise zurückgekehrt sind“. Besorgt zeigt er sich angesichts vieler Reaktionen vor allem in den sozialen Netzwerken. „Die Zahl der Menschen, die die Pandemie verharmlosen und Fake News sowie Hetze verbreiten, ist erschreckend hoch.“ Für ein solches Verhalten hat der Oberbürgermeister kein Verständnis. Kritik und kritisches Hinterfragen seien in einer Demokratie wichtig, und Meinungsfreiheit sei ein hohes Gut. „Aber falsche Fakten sind gefährlich. Sie verunsichern Menschen, heizen die Stimmung auf, wo ein kühler Kopf benötigt wird.“
Auch bei negativem Test in Quarantäne
Dagmar Linnert steht in engem Kontakt mit ihrem Stellvertreter Martin Rapp. „Er reagiert sehr besonnen und macht seinen Job gut“, sagt sie. Schließlich muss der Unterricht zum Teil neu organisiert werden. Wenn neun von 66 Lehrern wegfallen, müssen Vertretungslehrer ran. „Wir können das durchaus bewerkstelligen“, gibt sich Linnert zuversichtlich. Das ESG habe während des Lockdowns ein fächerbezogenes Intensivtraining entwickelt, das helfe, keine Lücken im Unterricht entstehen zu lassen.
Sicher ist am Montag erst einmal nur eines: Alle 47 Personen sind für die nächsten zwei Wochen in häuslicher Quarantäne. Nach Angabe der Pressestelle der Kreisverwaltung gilt diese Regelung bis 2. September. Die Angehörigen seien Kontaktpersonen der Kategorie II, heißt es auf Anfrage der RHEINPFALZ. Sie könnten ihrem normalen Leben nachgehen, seien aber angehalten, ihre Sozialkontakte auf das notwendige Maß zu beschränken.
„Das ist für uns alle eine neue Situation“, betont die Schulleiterin. „Wir lernen jetzt und machen Erfahrungen, die wir dann an andere weitergeben können.“ Die Schule agiere, ohne panisch zu werden, aber mit der nötigen Sorgfalt.
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