Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Corona beflügelt den Online-Shop bei Leder Horn

Leder Horn ist in Landau an zwei Standorten vertreten: in der Königstraße (unser Bild) und in der Marktstraße.
Leder Horn ist in Landau an zwei Standorten vertreten: in der Königstraße (unser Bild) und in der Marktstraße.

Die Vorfahren haben Bauern mit Pferdegeschirr ausgestattet, die Nachfolger bietet heute edle Taschen und Koffer, aber auch Schulranzen und Rucksäcke an. Leder Horn blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück.

Vor 125 Jahren eröffnete der 24-jährige Carl Horn aus Lautern in Hessen nach seiner zweijährigen Gesellentour durch Deutschland in der Theaterstraße eine Sattlerei. Horn produzierte Pferdegeschirr für Bauern und für die in Landau stationierte bayerische Kavallerie. Er entwickelte Keimriemen aus Leder für die ersten landwirtschaftlichen Maschinen.

Das Geschäft war erfolgreich, schon zwei Jahre später konnte Horn in die neuerworbenen Geschäftsräume an der Königstraße umziehen. Zeitgleich, am 8. September 1900, heiratete Horn in Siebeldingen die gleichaltrige Margarete Ackermann, die ihm als Ehefrau, Geschäftsfrau und Mutter von zwei Kindern bis zu ihrem Tod 1946 zur Seite stand.

Als Horn im April 1954 starb, hinterließ er seinem Sohn Fritz Horn ein gut eingeführtes Unternehmen, das dieser mit tatkräftiger Unterstützung seiner Frau Margarethe weiter ausbaute. Margarete, geborene Becker, stammte aus der Bäckerei Becker an der Drachenfelsstraße auf der Wollmesheimer Höhe, heute befindet sich dort die West-Apotheke.

Geschäft aufgeteilt

Das Geschäft wuchs und die Eheleute Margarete und Fritz Horn entschieden sich Anfang der 90er-Jahre, das Unternehmen in zwei Firmen aufzuteilen, um jeweils eine an die beiden Kinder weiterzugeben. Karlheinz Horn übernahm den Zeltbau und die alte Sattlerei, mit der er nach Offenbach umzog.

Das Lederwarengeschäft in der Königstraße übernahm Tochter Margarete Horn, bei den Alt-Landauern besser bekannt als Gretel, mit ihrem Mann Wolfgang Leibbrand. Gretel erwies sich als tüchtige und weitblickende Geschäftsfrau, denn schon mit 58 Jahren übergab sie ihrem 35-jährigen Sohn die Geschäftsführung; der bereits 1996 mit 24 Jahren ein eigenes Lederwaren-Geschäft in Grünstadt aufbaute und führte.

Geballter Sachverstand

Auf der Lederwaren-Messe in Nürnberg lernte Ralf Leibbrand Susanne Martinus, seine spätere Ehefrau, kennen. Ihre Eltern führen ein Lederwarengeschäft in Weillheim/Oberbayern. Mit geballtem Sachverstand und Unternehmergeist schaffen die beiden es auf die Liste der 20 größten Lederwarengeschäfte. Das rote H für Horn findet sich zweimal in Landau und jeweils einmal in Grünstadt, Neustadt, Karlsruhe, Bruchsal, Speyer, Darmstadt und Wiesbaden.

Mit großer Begeisterung berichtet das Ehepaar vom Alltag in ihren Geschäften. Jährlich verkaufen sie mehr als 3000 Schulranzen, die mittlerweile individuell auf den Rücken ihrer Träger einstellbar sind, dafür sind fast alle Fachverkäufer auf mehrtägigen Schulungen gewesen. Grundwissen in die kindliche Anatomie ist heutzutage Alltag für die Fachverkäuferinnen. Kleinlederwaren und Koffer runden das Angebot von Leder Horn ab.

Ware wird verschickt

Schon 2013 haben die Leibbrands einen Online-Shop gegründet, um auch im virtuellen Raum präsent zu sein. „Der Online-Shop war bis Corona ein kleines Geschäft, mit Corona stieg der Online-Umsatz gewaltig“, erläutert Ralf Leibbrand. Dabei ist es den Leibbrands gelungen, den Online-Shop in der realen Welt abzubilden; denn die Ware, die ein Kunde online sieht und kauft, steht in den Regalen der neun Geschäfte und wird nach dem Kauf von dort verschickt. So besteht auch die Möglichkeit, dass ein Käufer im Landauer Geschäft eine Ware aus einer anderen Filiale erwirbt, weil ihm die Farbe des dortigen Koffers besser gefällt als die in Landau. Die Ware wird entweder direkt nach Hause versandt oder kann spätestens drei Tage nach Bestellung in der Wunschfiliale abgeholt werden.

Obwohl Horn Waren von mehr als 80 Anbietern hat, fehlten der Geschäftsfrau Susi Leibbrand wichtige Angebote im Programm. So gründeten sie 2021 gemeinsam mit fünf anderen Unternehmen, verteilt zwischen Hamburg und Freiburg, die Eigenmarke Flanigan mit Sitz in Landau. Damit können sie die Wünsche der Kunden besser umsetzen und günstiger produzieren, weil es keinen Zwischenhandel gibt, erklärt Susi Leibbrand. Weitere Ziele seien Nachhaltigkeit und Regionalität. So werde das Leder in Deutschland gegerbt und in Italien verarbeitet. Das Design der Produkte entwerfen die fünf Unternehmen selbst.

Bei Königstraße eingebracht

Die Nachhaltigkeit zu fördern, ist erklärtes Geschäftsziel, erläutert Ralf Leibbrand, auch wenn viele Kunden noch nicht bereit seien, den Preis dafür zu bezahlen. Erste Schritte sind gemacht: in allen Filialen brennen LED-Lichter. Am Ende des Gesprächs mit der RHEINPFALZ wünscht sich das Geschäftspaar Leibbrand auch eine gute und nachhaltige Lösung für die Königsstraße, deren Umbau immer wieder Thema bei den Verkaufsgesprächen ist. „Wir haben viele Vorschläge gemacht“, erklärt Leibbrand. „Wir werden uns beteiligen, wenn man uns lässt, denn wir wollen, dass sich unsere Stadt gut entwickelt. Nicht nur, weil’s gut fürs Geschäft ist.“

Susi und Ralph Leibbrand in ihrem Geschäft.
Susi und Ralph Leibbrand in ihrem Geschäft.
Der Gründer Carl Horn.
Der Gründer Carl Horn.
Die Königstraße mit dem Geschäftshaus auf einem Gemälde von 1950.
Die Königstraße mit dem Geschäftshaus auf einem Gemälde von 1950.
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