Rheinpfalz-Sommeraktion
Besuch bei Polizei: Mehr als Waffenkammer und Venezianischer Spiegel
Zunächst fiel der gelbe, hohe Sicherheitszaun mit seinen spitzen und scharfen Zacken ins Auge, der das Gebäude von vorne sichert. Im Innnern sind die Kriminalpolizei sowie die Polizeiinspektion und -direktion Landau unter einem Dach beheimatet. Die Kommissare Frank Völlinger und Sebastian Burkhard nahmen die Teilnehmer der Tour am Haupteingang des Dienstgebäudes in der Paul-von-Denis-Straße in Landau in Empfang.
Sicherheitsbereich und Schleuse
„Der Zaun ist Kunst am Bau. Wehende Grashalme“, erklärte Frank Völlinger. „Aber warum gelb und nicht grün?“, wurde nachgefragt. „Das soll auf die Klimaerwärmung hindeuten“, erklärte er. Er machte auch klar, dass niemand einfach so ins Polizeigebäude gelangen könne. Dies sei ein Sicherheitsbereich, gesichert durch Kameras und Schutzglas. Wer klingelt und daraufhin eingelassen wird, werde in einer Art Schleuse in Empfang genommen.
Insgesamt arbeiten in dem Neubau, der mit zahlreichen Solarmodulen bestückt ist und im August 2020 bezogen wurde, rund 180 Polizisten. Im gesamten Bereich der Landauer Direktion mit ihren Außenstellen in Edenkoben, Bad Bergzabern, Annweiler, Germersheim und Wörth sind nach Angaben der beiden Kommissare rund 450 Mitarbeiter tätig. Zuständig sei man für die Sicherheit von rund 300.000 Menschen.
Über Sterne und den Dienstgrad
Zunächst einmal interessierten sich die Leser jedoch für die Anzahl der Sterne auf den Schultern der Hemden von Frank Völlinger, dem Leiter der Direktions-Führungsgruppe in Landau, und Sebastian Burkhard, ebenfalls Mitglied der Führungsgruppe. Viele der Tourteilnehmer vermuteten, dass daran der Dienstgrad der Polizeibeamten deutlich wird. Und so ist es auch: Ein Kommissarsanwärter muss beispielsweise noch ohne Stern auskommen. Im gehobenen Dienst darf ein Kommissar einen Stern sein Eigen nennen, Ober- und Hauptkommissare zwei beziehungsweise drei oder vier. Erste Polizeihauptkommissare tragen fünf silberne Sterne. Eine Rolle spielt zudem die Farbe der Sterne. Erst im höheren Dienst, vom Polizeirat bis leitenden Polizeidirektor, werden die Sterne Gold. Eichenlaub um die Sterne haben dann die Präsidenten und ihre Stellvertreter. „Das ist sehr interessant“, murmelte eine Teilnehmerin der Tour.
Die Leser wissen nun auch, wie die Polizei einen großen Besprechungsraum mit großen digitalen Infotafeln in mehrere kleinere Räume teilen kann – je nach Lage der Dinge bei größeren Einsätzen. Technisch verfüge die Dienststelle über den höchsten Standard in Rheinland-Pfalz – nahezu alles könne digital gesteuert werden. „Wieviel hat das hier alles gekostet?“, wollte ein Teilnehmer der RHEINPFALZ-Aktion wissen. Die Kosten für den Neubau samt technischer Ausstattung bezifferte Frank Völlinger auf rund 13 Millionen Euro. „Kann das hier gehackt werden?“, fragte dann eine Leserin. Das Thema Cybersicherheit werde bei der Polizei zwar groß geschrieben, „aber eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht“, antwortete Sebastian Burkhard.
Hochtechnisiertes Labor
Beim Rundgang durch das Gebäude wurde den Lesern erklärt, wie der Erkennungsdienst bei der Spurensicherung vorgeht – sie durften auch einen Blick hinter die Kulissen der Kriminaltechnik werfen, in diesem Fall in ein hoch technisiertes Labor, in dem beispielsweise die DNA eines Täters untersucht wird.
Erläutert wurde den Teilnehmern der Tour auch die Ausrüstung der Polizisten. Der Gürtel ist pickepacke voll. „Geziert“ wird er neben Handfesseln auch von einer Taschenlampe, Handschuhen, Pfefferspray, einem Elektroschocker, einer Schusswaffe und einem Ersatzmagazin. Jeder Polizist habe seine eigene Schutzweste, an der auch eine Bodycam befestigt werden könne, und seine eigene Dienstwaffe, die in einem extra dafür vorgesehenen Raum aufbewahrt werde, erklärte Frank Völlinger. „Muss die Dienstkleidung zu Hause gewaschen werden und wie viele Hemden haben Sie?“, wollte eine Frau wissen. Die lapidare Antwort eines jungen Polizisten, der vor der „Waffenkammer“ wartete, bis er hineingehen konnte, lautete: „Ja, selbst waschen. Wir haben fünf Kurz- und fünf Langarmhemden.“
Beeindruckt zeigte sich der eine oder andere Leser von den vielen Bildschirmen im „Herzstück“ des Dienstgebäudes, der Wachleitstelle. „Hier werden unsere täglichen Einsätze koordiniert“, sagte Frank Völlinger. Auch in das Arztzimmer und einen angegliederten Raum des Erkennungsdienstes wurden die Leser geführt. Der eine oder andere ließ es sich hier nicht nehmen, einen Blick durch den Venezianischen Spiegel zu werfen. Dieser wird auch gerne Spionspiegel genannt und funktioniert von einer Seite tatsächlich wie ein Spiegel und von der anderen wie eine Fensterscheibe. Dabei muss der Raum der Beobachter abgedunkelt sein, das überwachte Zimmer hingegen sollte hell beleuchtet sein.
Ein „Schwarzer Fingerabdruck“
Auch die Utensilien für einen „Schwarzen Fingerabdruck“ zu nehmen, waren dort auf dem Tisch zu finden. Allerdings eher zu Demonstrationszwecken. Denn heutzutage werde der Fingerabdruck digital genommen, erklärte Polizist Völlinger. Gegen Ende der Tour wurde auch noch ein Blick in die Ausnüchterungszellen gewährt. . So mancher Feierwütige, der dann über die Stränge schlug, hat dort schon die Nacht verbracht.
Anschließend, im Hof, durften die RHEINPFALZ-Leser ein Polizeimotorrad begutachten. Insgesamt stehen dort etwa 40 Dienst- und Einsatzfahrzeuge. Eins davon ist auch ein Elektrostreifenwagen, den die Landauer Polizei für das Land Rheinland-Pfalz testet. Es ist derzeit der einzige E-Streifenwagen, der sich im Land im Einsatz befindet.
Anhand eines großen und eines kleineren Drohnen-Modells wurde darüber hinaus erklärt, welche Exemplare in welchen Situationen zum Einsatz kommen können. Die größere Drohne mit hochsensibler Wärme-Bild-Kamera kostet nach Angaben der Polizei mehr als 20.000 Euro.
Betrug am Telefon
Kommissarin Steffi Dietz von der Dienststelle in Ludwigshafen informierte die Leser abschließend noch zum Thema Betrug am Telefon. Ob Enkeltrick am Telefon oder Enkeltrick 2.0 via Messenger-Dienst, falscher Polizeibeamter oder Schockanruf – immer wieder würden Menschen auf die Lügengeschichten der Betrüger reinfallen und teils große Summen Geld verlieren. „Die Fallzahlen steigen.“ Wer einen Verdacht hege, solle sofort auflegen und das Spiel auf gar keinen Fall mitspielen, sagte sie. In Rheinland-Pfalz waren es laut Statistik im Jahr 2023 insgesamt knapp elf Millionen Euro, die von Betrügern auf diese Weise ergaunert wurden.
Gerne hätten noch wesentlich mehr Leser hinter die Kulissen der Landauer Polizei geblickt, als dies letztlich tun konnten. Mehr als 100 Interessenten wollten an der RHEINPFALZ-Aktion teilnehmen, konzipiert war die Führung aus organisatorischen Gründen aber nur für 20 Person. Das Losglück hatte also über die Teilnahme entscheiden müssen.