Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Bei Metzgerei Joachim in Wollmesheim gibt’s auch Veganes

Peter und Ute Joachim präsentieren einen ihrer Verkaufsschlager: deftig belegte XXL-Brezeln.  Foto: Iversen
Peter und Ute Joachim präsentieren einen ihrer Verkaufsschlager: deftig belegte XXL-Brezeln.

In der neunten Generation leiten Peter und Ute Joachim die Metzgerei Joachim in Wollmesheim. Mit der „Delfter Pfanne“ von der Mutter des Metzgermeisters hat der Partyservice bereits begonnen, als das Wort „Catering“ noch nicht so hip war. Serviert werden auch schon mal Häppchen für Veganer.

„Familienbetriebe sind wichtig für die Infrastruktur auf dem Land.“ Das sagt Peter Joachim, 54 Jahre alt und der letzte Metzgermeister in der Ahnengalerie auf der Tafel vor dem Eingang zum Ladengeschäft in der Wollmesheimer Hauptstraße 45. Der Inhaber und seine Ehefrau Ute leiten in der neunten Generation den Familienbetrieb. Unterstützt wird das Ehepaar von vier Vollzeit- und zehn Teilzeitkräften. Vor Kurzem hat die Landmetzgerei mit Catering-Angeboten mit einem Burger-Fest für die treuen Kunden den 222. Geburtstag gefeiert.

Wer das jahrhundertealte Fachwerkhaus betritt, erlebt die Tradition zum einen an den teilweise noch originalen Jugendstilelementen, wie die Glocke an der Tür, oder nachgemacht im grünen Rautenmuster der Bodenfliesen. Und natürlich am freundlichen Personal und der Qualität der Ware. In der mit moderner Technik ausgestatten Wurstküche werden pro Woche sechs Schweine zu Fleisch und Wurst verarbeitet. Das zum Ladengeschäft gehörende Gasthaus „Zum Ochsen“ mit eigener Schlachterei, Wirtsstube und Tanzsaal war bereits vor 222 Jahren Treffpunkt für die Wollmesheimer und Freunde aus Nachbarorten.

Seit 39 Jahren ist das Wirtshaus geschlossen. Die gut gehende Metzgerei soll es aber noch lange nach ihm geben, hofft der Inhaber. Was sich Peter Joachim daher am meisten wünscht, ist ein Nachfolger. Und zwar möglichst bald, denn: „Metzgerei ist nicht gleich Metzgerei, jeder Meister würzt auf seine eigene Art, und die Kunden kaufen nach dem Geschmack“, weiß Peter Joachim. Genau deshalb müsse ein Nachfolger möglichst früh einsteigen. „So was lernt man nicht von heute auf morgen, da muss einer hineinwachsen“, erklärt der Metzgermeister, der seine Lehre bei Kurt Kern in Rohrbach absolvierte und dann in Stuttgart gearbeitet hat, bevor er 1985 den Meisterbrief erhielt und Anfang der 1990er-Jahre in Wollmesheim den Betrieb vom Vater übernahm.

„Beruf ohne Feierabend“

Mit den Vorstandskollegen der regionalen Fleischerinnung sinniert der stellvertretende Obermeister Peter Joachim schon einige Zeit, wie Nachwuchs zu gewinnen sei. „So ein Geschäft geht nicht allein“, sagt Peter Joachim. „Metzgerei und Catering sind Berufe ohne Feierabend. Eine Partnerschaft ist extrem wichtig für einen Familienbetrieb.“ Wie gut, dass er mit seiner Ehefrau einen wahren Glücksgriff getan hat: Ute Joachim hat vor der Hochzeit als gelernte Wirtschaftsleiterin im Haus am Weinberg in St. Martin die Küche organisiert und sich später als Metzgersgattin noch zur Fleischerei-Fachverkäuferin ausbilden lassen. Ihre Kenntnisse und Erfahrungen gibt sie auch in Kochkursen für Landfrauen in Wollmesheim und Umgebung weiter.

In der Pfalz rühren Winzer und Metzger sprichwörtlich in einen Kessel. So wie aus der schlichten Weinprobe im rustikalen Probierstübchen heute ein Erlebnisausflug in eine moderne Vinothek geworden ist, lockt der Metzger niemanden mehr allein mit der traditionellen „Lewwerworscht-Grieweworscht-Schwaardemaache“-Trilogie in den Laden. Heute heißt das mit Gemüse und Käse gefüllte Schweinemedaillon im Blätterteigmantel „Elwetrittsche-Ei“ und das ehemals von Hausfrauen verlangte abgehängte Rindfleisch reift als „Dry Aged Beef“ in einem gläsernen Schaukasten langsam vor sich hin.

Der Kunde ist König. Davor verschließt sich Peter Joachim als Preisträger einiger Saumagen-Wettbewerbe nicht. Grillgut mit speziellen Gewürzen ist heutzutage angesagt, ebenso hochwertiges Fleisch, das in Kochsendungen verarbeitet wird und die Fernsehzuschauer anregt, am heimischen Herd die Rezepte der Sterneküche auszuprobieren. „Geschmacksvielfalt“ – das ist laut Peter Joachim der Schlüssel zum Erfolg.

XXL-Brezeln sind der Renner

Mit der „Delfter Pfanne“ von Peters Mutter Inge Joachim hat der Partyservice bereits begonnen, als das Wort „Catering“ in der Pfalz noch wenig bekannt war: Schweinegeschnetzeltes mit Sojakeimen, Pilzen, Weißwein und mit Käse überbacken ist bis heute ein begehrtes Gericht auf der vielseitigen Speisekarte, und seit 1960 ist ein speziell gewürzter Grillspieß zum 1. Mai ein Renner. Neueren Datums sind die begehrten Riesenbrezeln: Pro Woche gehen zehn bis zwölf der deftig belegten braunglänzenden Laugenteile im XXL-Format als Verkaufsschlager über die Ladentheke, laut Joachim bis nach Mannheim und Ludwigshafen. Und man mag es kaum glauben, aber wenn ein Kunde diese wünscht, stellt Ute Joachim auch Häppchen für Veganer aufs Buffet: Mit einer Creme aus Cashewkernen, Basilikum und Koskosmilch gefüllte Riesenchampignons zum Beispiel, Couscous-Frikadellen oder Soja-Hackbällchen.

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