SÜDPFALZ RHEINPFALZ Plus Artikel Bürger beurteilen Corona-Impfstoff unterschiedlich

In wenigen Tagen startet der Betrieb im Landauer Impfzentrum.
In wenigen Tagen startet der Betrieb im Landauer Impfzentrum.

Das Landauer Impfzentrum startet mit 800 Dosen des Impfstoffs von Astrazeneca. Den sollen nun Pfleger, Erzieher oder Krankenschwestern bekommen, die jünger sind als 64 Jahre. Während manche die Spritze kaum abwarten können, lehnen andere diese kategorisch ab. Was halten sie von dem vermeintlich schwächeren Impfstoff?

Der Impfstoff von Astrazeneca bietet nach Firmenangaben einen 70-prozentigen Schutz vor dem Coronavirus. Das Mittel von Biontech liegt mit 95 Prozent Sicherheit höher. Dietmar Seidel ist sich sicher: „Ich würde mich auf jeden Fall impfen lassen. Es ist die einzige Waffe, die wir momentan gegen das Virus haben.“ Mit 77 Jahren ist er zu jung für die Prioritätengruppe eins und wird deshalb zunächst keinen Termin bekommen. Für das Astrazeneca-Vakzin ist er allerdings ohnehin zu alt, da dieses nur an 18- bis 64-Jährige gegeben wird. Auch wenn Seidel den Impfstoff von Biontech/Pfizer vorzieht, wäre er nicht wählerisch: „Bei dem anderen sind ja momentan ein bisschen Nebenwirkungen aufgetaucht, die man vorher nicht kannte. Aber wenn ich den Virologen und Ärzten glauben kann – und genau das müssen wir nun mal –, ist der Impfstoff trotzdem wirksam und hat nur kleinere Nebenwirkungen, wie das bei der Grippeimpfung auch der Fall ist.“

Auch die Mensch-und-Umwelt-Studentin Selina Rombach vertraut den Experten: „Ich bin selbst in der Wissenschaft unterwegs und weiß, wie die wissenschaftlichen Tugenden funktionieren. Da gibt es so viele Kontrollmechanismen, dass ich dem vertraue. Wenn alle Menschen das Gefühl haben, sie können das gleich gut bewerten wie Expertinnen und Experten, dann funktioniert unsere gesamte Gesellschaft nicht mehr.“

„Es gibt keine Alternative“

Die 24-Jährige würde sich impfen lassen. Für sie ist das eine Frage der Solidarität. „Wenn wir die Pandemie bekämpfen wollen, ist es ein effektives Mittel. Damit dieses Mittel funktioniert, braucht es eine gewisse Anzahl an Menschen, die mitmachen. Es gibt nicht wirklich eine Alternative.“ Den Begriff Impfpflicht sieht sie dennoch kritisch, da diese den Diskurs nur noch mehr polarisieren würde. „Es gibt Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können. Das muss man respektieren. Ich würde mir aber wünschen, dass es darüber hinaus freiwillig funktioniert.“ Rombach findet es nicht gerecht, wenn es keinen Unterschied machen würde, ob sich jemand solidarisch zeigt und impfen lässt oder nicht. „Als politisches Mittel ist eine Pflicht aber immer erst die Ultima Ratio.“

Karl-Heinz Hammer kann seine Impfung kaum noch abwarten. Der 67-Jährige hofft, so schnell wie möglich an einen Termin zu kommen. „Durch meine Diabetes-Erkrankung habe ich unter anderem Bluthochdruck und Übergewicht. Ich bin schon gefährdet und passe die ganze Zeit sehr auf“, sagt er. Der Nußdorfer ist froh, dass er den Stoff von Biontech bekommt, wenn es so weit ist. „Es ist ja bekannt, dass der andere Stoff weniger Wirkung hat. Gerade in meiner Situation würde ich mir das dann schon überlegen. Vielleicht würde ich ihn nehmen, ich hätte aber kein gutes Gefühl dabei.“

„Die Impfung schützt“

Dass sich Menschen gegen eine Impfung wehren, ist für Hammer unverständlich. Der 67-Jährige differenziert aber: „Wenn sich das Pflegepersonal im Krankenhaus nicht impfen lassen will, kann ich das nicht verstehen. Für eine grundsätzliche Impfpflicht bin ich aber nicht.“

Ähnlich sieht es auch seine Frau Rita Hammer, die kein Verständnis für radikale Impfgegner zeigt. Für sie ist es wichtig, sich impfen zu lassen, um die vielbesagte Herdenimmunität zu erreichen. „Durch eine Impfung schütze ich mich selbst und mein Umfeld.“ Auch die 65-Jährige würde für das Astrazeneca-Vakzin nicht infrage kommen und hat sich deshalb auch nicht mit dem Stoff beschäftigt.

„Grippe wie jede andere“

Peter Patzak indes beschäftigt das ganze Impfthema. Der 79-Jährige will sich erst einmal nicht impfen lassen. „Solange ich nicht weiß, dass das wirklich nicht schädlich ist, lasse ich mich nicht impfen. Man hört so viele negative Sachen über die Impfung. Ich will noch ein paar Tage leben.“ Patzak macht jedes Jahr eine Grippeschutzimpfung. Diese reicht ihm aus. „Ich glaube nicht so richtig an das Virus. Für mich ist das eine normale Grippe wie jede andere. Die Leute sterben alle Jahre. Wenn man die Statistik verfolgt, dann sterben sogar eher weniger. Das wird alles auf Corona geschoben. Das ist idiotisch. Ich bin auch mit der Politik der Bundesregierung nicht einverstanden.“ Patzak befürchtet, dass er künftig zur Impfung gezwungen wird, wenn er in Urlaub fahren möchte. „Aber bis dahin halte ich es noch aus.“

Seine 20 Jahre jüngere Frau Irina Patzak sieht es ähnlich. Mit 59 Jahren käme sie für den Astrazeneca-Impfstoff infrage. „Man weiß nicht, wie der Stoff wirkt. Ich habe viel gelesen. Leute haben geschrieben, dass sie nach der Impfung krank geworden sind. So etwas enttäuscht mich.“ Auch die Ukrainerin befürchtet, künftig nur noch geimpft zu ihrer Familie in Osteuropa fahren zu dürfen. Sie ist froh, dass das noch nicht der Fall ist. „Ich dachte mir lange, wenn ich ohne die Impfung nicht über die Grenze komme, dann mache ich das. Jetzt habe ich wirklich Angst. Aber wenn es gesetzlich wird, dann müssen wir eben.“

Selina Rombach
Selina Rombach
Karl-Heinz Hammer
Karl-Heinz Hammer
Rita Hammer
Rita Hammer
Dietmar Seidel
Dietmar Seidel
Irina Patzak
Irina Patzak
Peter Patzak
Peter Patzak
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