Landau Auf Zickzack-Kurs auf der Route Vauban
In Landau ist ein touristischer Rundweg neu angelegt worden, die Route Vauban. Bisher sieben Stationen erläutern die französisch geprägte Festungsgeschichte der Stadt. Der Bezirksverband Pfalz fördert das Vorhaben, weil es Aussagekraft für die ganze Region hat.
Sie sind zwar schon rostig, aber noch brandneu: die Metallstelen mit Erläuterungen zur Landauer Festung. Oberbürgermeister Thomas Hirsch (CDU), Bürgermeister Maximilian Ingenthron (SPD) und der Bezirkstagsvorsitzende Theo Wieder (CDU) haben am Freitag die Hinweistafeln für den neuen Festungsrundweg „Route Vauban“ in Landau vorgestellt. Bisher sieben der Metallplatten mit großen Plexiglas-Informationstafeln weisen auf jene Reste hin, die von der Landauer Festung noch geblieben sind. Sie stehen auf dem Rathausplatz, am Deutschen und am Französischen Tor, an der Ostbahnstraße zwischen Fort und Schwanenweiher (der auch dazugehört; leider ist diese Tafel bereits mit Blättern beklebt, die ganz offenkundig von jenem Landauer stammen, der als Fassadenschmierer zu trauriger Berühmtheit gelangt ist), an der Ost- und Westseite des Forts und an der Lunette 41 im Savoyenpark, die vom Festungsbauverein „Les amis de Vauban“ ausgegraben wird (wir berichteten zuletzt am 1. September). Weitere Stationen sollen folgen, denn von der Festung des französischen Generals und Baumeisters Sebastien Le Prestre de Vauban ist noch sehr viel mehr erhalten, auch wenn es bisweilen versteckt liegt oder sich nicht auf den ersten Blick erschließt. Das liegt unter anderem daran, dass die Festung vor allem oberflächlich geschleift wurde. Hirsch sagte, die Festung des späten 17. Jahrhunderts habe die Stadt bis heute geprägt – beispielsweise in Gestalt des Rathausplatzes, der einst Paradeplatz war. Zwar hätten die Landauer diese Festung im 19. Jahrhundert abgeräumt, weil sie „Luft zum Atmen“ brauchten, aber heute werde die Bedeutung für die Stadtentwicklung wieder mehr gewürdigt. Das Ziel sei nun ein doppeltes: über die sichtbaren Festungsreste zu informieren und die noch im Boden verborgenen Dinge besser zu schützen und künftigen Generationen zu erhalten, ohne die Stadtentwicklung zu behindern. Wie berichtet, hatte die weitgehende Zerstörung des Werks 38 im Wohnpark am Ebenberg, das großen Neubauten weichen musste, zu erheblichen Diskussionen geführt. Der Festungsrundweg war eines der Resultate jener Debatten. Für den Festungsrundweg hat die Stadt bisher 35.000 Euro aufgewandt, von denen der Bezirksverband 7000 Euro übernommen hat. Das sei überhaupt nicht umstritten gewesen, obwohl der Bezirksverband nur pfalzbedeutsame Maßnahmen fördern dürfe, berichtete der Bezirkstagsvorsitzende Wieder. Landau sei Grenzstadt, Aufmarschgebiet und Konfliktstadt gewesen, und „es ist noch nicht so lange, dass es nicht mehr so ist“. Heute liege die Stadt mitten in Europa, und das friedliche Zusammenleben sei eine gar nicht hoch genug einzuschätzende Errungenschaft. „Daher machen mir Tendenzen Sorgen, die auf Abgrenzung und Mauern setzen“, sagte Wieder in Anspielung auf gegenwärtige Debatten, wie beispielsweise mit Flüchtlingen umzugehen sei. Europa könne Probleme nur gemeinsam lösen. „Das kann man lernen, wenn man sich mit Geschichte beschäftigt“, versicherte Wieder. Man müsse allerdings bereit sein, eigene Positionen zu überdenken. Ingenthron sagte, die sechs Stelen (die siebte an der Lunette 41 sei noch in Vorbereitung) müssten „nicht das Ende der Fahnenstange“ sein. Alle zeigen auf einer Seite einen Stadtplan von heute, über den die noch erkennbaren Festungsteile gelegt sind. Auf der Rückseite gibt es Informationen zum jeweiligen Standort. Dabei werde auch über die Lebensbedingungen der Menschen informiert. So berichtet die Tafel vor dem Rathaus auch über die Wasserversorgung in der alten Stadt. Der Landauer Designer Clemens Kluge habe es geschafft, das richtige Maß an Informationen auf die Tafeln zu packen, ohne die Nutzer zu erschlagen, lobte Hirsch. Inhalte hätten Stadtarchivarin Christine Kohl-Langer und der Festungsbauverein erarbeitet. In Zukunft soll es auch noch eine Broschüre und möglicherweise QR-Codes auf den Stelen geben, mit denen Besucher weitere Infos im Internet abrufen können. |boe