Landau Auf syrisches Gulasch folgt Wiener Walzer

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Bei einem Abend der Begegnung kamen vergangene Woche Syrer, Afghanen, Pakistaner, Somalier und viele Einheimische im Erlenbacher Bürgerhaus zusammen. Die Anwesenden hatten Gerichte aus ihrer Heimat mitgebracht. Es wurde gemeinsam gegessen, gelacht und getanzt.

Klaus-Peter Edinger, evangelischer Pfarrer in Erlenbach, setzt zum Tischgebet an. Der Syrer Mario (22) steht mit einem Mikrofon daneben und übersetzt auf Arabisch. Die Menschen im Bürgersaal lauschen dem Gebet und verstummen. Danach kommt Ali nach vorne. Er singt ein arabisches Tischgebet für die Muslime im Raum. Danach wird gegessen. Auf einem meterlangen Büffet gibt es Gerichte aus verschiedenen Ländern, die die Anwesenden selbst gekocht und mitgebracht haben: Eintöpfe, Reis, Teigtaschen, Salate mit Gemüse und Obst, verschiedenes Fleisch. Das Angebot ist riesig. Mario nimmt einen Teller und sucht nach einem speziellen Essen. „Laheem Bedageen“ heißt die mit Hackfleisch gefüllte Teigtasche. Dazu nimmt er einen großen Löffel des Eintopfs, den seine Mutter für den Abend gekocht hat. „Bazela worz“ heißt das Gericht, es sieht aus wie eine Art Gulasch mit Erbsen und Karotten. „Das Originalrezept stammt aus Aleppo“, sagt Mario. Im Dezember vergangenen Jahres fand das erste gemeinsame Essen zwischen Flüchtlingen und Einheimischen statt. Pfarrer Klaus-Peter Edinger liegt der kulturelle Austausch am Herzen. Mit seinem Anliegen überzeugte er Verbandsbürgermeister Volker Poss. „Multikulturelle Veranstaltungen gibt es hier wenig“, sagt Edinger. Deshalb kümmert sich die Verbandsgemeinde um das Materielle – etwa den passenden Ort. Edinger hingegen ist „das Menschliche wichtig“. Er will Kontakte herstellen, damit die neuen Einwohner, darunter viele Asylbewerber, in den Gemeinden akzeptiert werden. Im Frühjahr wiederholte der Pfarrer den Kulturabend, doch für viele der Anwesenden war es vergangene Woche das erste Treffen. Auch für Mario. Der Syrer kam im Frühjahr mit seinen Eltern nach Deutschland und lebt in Minderslachen. An diesem Abend ist er der DJ. Während alle Tische in Gruppen angeordnet sind, hat er in einer Ecke einen Einzeltisch, auf dem ein Laptop steht. Das macht ihm nichts aus, er kümmert sich um die Musik und erfüllt Liedwünsche der Gäste. Amin (24) möchte ein Lied aus seiner Heimat hören – Mario dreht laut auf. Die Menschen klatschen lautstark, während sich der Ägypter locker zur Musik bewegt. Amin lebt seit zwei Jahren in Kandel. Zum gemeinsamen Essen hat er ein paar Freunde mitgebracht, sie kommen aus unterschiedlichen Ländern. Pfarrer Edinger zählt die Nationalitäten auf, die an diesem Abend im Bürgerhaus vertreten sind: „Syrien, Somalia, Ägypten, Albanien, Afghanistan, Irak, Pakistan.“ Und das sind wohl noch nicht alle. Einige Deutsche sind Pate eines Flüchtlings. Die Paten helfen den Neuankömmlingen, im täglichen Leben zurechtzukommen. Michael Pilz ist Pate einer mazedonischen Familie. Die Familie mit fünf Kindern, darunter drei Minderjährige, lebt seit zwei Jahren in Kandel in der Nähe von Michael Pilz. Beide Familien lernten sich auf dem Spielplatz kennen. Seiner Meinung nach sollte es mehr Deutsche geben, die den Flüchtlingen helfen: Wenn nur jeder fünfzigste Deutsche helfen würde, wären alle Flüchtlinge versorgt und würden genug Hilfe bekommen. Amin holt unter Jubel Anette Knauth auf die Tanzfläche. Sie gibt in Kandel Deutschkurse für die Flüchtlinge. Lachend bewegt sie sich im Takt der Musik. Auch Said aus Somalia kommt nach vorne und tanzt mit – ob die Schritte richtig oder falsch sind, zählt nicht. Am Ende wollen Amin und seine Freunde aber noch einen typisch deutschen Tanz sehen. „Da ist mir sofort Wiener Walzer eingefallen“, sagt Anette Knauth. Deshalb bringt sie Amin Wiener Walzer bei. Und fast alle strömen zur Tanzfläche.

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