Landau Auf schwierigem Weg begleiten

Annweiler ist mit 75 Betten der kleinste Standort der drei Verbundkliniken. Doch nicht minder interessant ist die Geschichte des Hauses und vor allem dessen heutiges Leistungsspektrum. Die Klinik hat sich auf die Behandlung von älteren und unheilbar kranken Menschen spezialisiert – ein Alleinstellungsmerkmal in der Südpfalz.
Der Fokus in der Trifelsstadt liegt auf der Inneren Medizin, der Chefarzt Christoph Wiegering vorsteht. Im Zeichen des demografischen Wandels stehen die zwei vom Land ausgewiesenen Versorgungsschwerpunkte der Klinik: der Bereich Altersmedizin/Geriatrie seit 2010 (aufgebaut seit 2008) und Palliativmedizin seit 2006 (aufgebaut seit 2004). Damit die älteren Menschen umfassend versorgt werden können, stehen beispielsweise Physio- und Ergotherapieräume, videoendoskopische Schluckdiagnostik, Sozialdienstbetreuung oder der 2012 eröffnete Patientengarten mit Bewegungsparcours zur Verfügung. In der wohnlich eingerichteten Palliativstation für sechs Patienten werden schwerstkranke und sterbende Menschen und deren Angehörige auf ihrer schwierigen Wegstrecke begleitet. Dabei geht es dem Klinikum nicht nur um das rein Medizinische. Im ganzen Haus finden sich auch Orte der Ruhe, um Innezuhalten oder Abschied zu nehmen – wie der „Raum der Stille“ oder der Andachtsraum, aus dem der wöchentliche Gottesdienste auch in die Patientenzimmer übertragen werden kann. Auch wer ein anderes Leiden hat, findet in der Klinik Ansprechpartner, mit denen kooperiert wird. So gibt es neben der Notaufnahme eine chirurgische und gynäkologische Belegstation, ein Nierenzentrum für Dialyse und Transplantation, eine Praxis für ganzheitliche Medizin und mehr. Seit der Fusion hat sich die Belegungszahl verbessert – von 53,2 Prozent im Jahr 2004 auf 74,5 Prozent im Jahr 2013. „Damit stoßen wir aber langsam an die Grenze“, verdeutlicht Wiegering. Eine 100-prozentige Belegung sei in einem Akutkrankenhaus gar nicht möglich, da immer noch Plätze für Notfälle oder Isolationspatienten vorgehalten werden müssten. „Bei uns muss niemand auf dem Flur liegen“, fügt Geschäftsführer Guido Gehendges an, das sei nicht in allen Krankenhäusern in Deutschland so. In Annweiler arbeiten zirka elf Ärzte in der Inneren, rund 61 Pflegekräfte und die eingemieteten Kooperationspartner. Dazu kommen Kräfte aus den anderen beiden Verbundkliniken, die je nach Bedarf eingesetzt werden. Ein Blick zurück: 1479 ist in Annweiler erstmals ein „Spittalhusil“ bezeugt. Das heutige Krankenhaus geht auf das Distriktkrankenhaus von 1862 zurück, das im Zweiten Weltkrieg zum Teil zerbombt wurde. Nach Wiederaufbau und Modernisierung wurde von 1977 bis 1982 ein Neubau in drei Bauabschnitten errichtet. Noch heute ist die Alt-Neu-Struktur erkennbar. Um diese in ein einheitliches Erscheinungsbild zu bringen, soll in den kommenden Jahren in Fassaden und Fenster investiert werden, kündigt Gehendges an. 1989 schloss sich Annweiler mit dem Klinikum Bad Bergzabern zusammen, 2004 folgte die Fusion zum Klinikum Landau-SÜW. Seitdem wurden zwei Millionen Euro, davon 268.000 Euro Landesförderung, in das Haus gesteckt – darunter in den Palliativ- und Geriatriebereich, in einen großen Stationsstützpunkt, in die Lichtrufanlage und aktuell in neue Brandmelder. In die Klinik sei immer wieder investiert worden, sie sei nie heruntergewirtschaftet worden, so dass sie zwar älteren Datums sei, aber immer auf dem neusten Stand, geben Wiegering und Gehendges zu verstehen. (höj)