Landau Auf der Suche nach Ruhe-Tankstellen
Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsumverhalten wird in der heutigen globalen Multimedia-Welt immer wichtiger. Präventionskurse sollen den Jugendlichen Sensibilität gegenüber sich selbst vermitteln. Das war jetzt Thema bei einem Präventionsseminar im Alfred-Grosser-Schulzentrum in Bad Bergzabern.
Sogenannte „Auf der Suche nach ...“-Projekte bietet dazu die Landeszentrale für Gesundheitsförderung an. Es geht dabei nicht nur um Drogen, Rauchen oder Alkohol. Schwerpunkte sind auch Formen, die gerade bei Jugendlichen stärker als bei anderen Altersgruppen auftreten: Handy, Internet/Facebook, Computer-Spiele. Unter der Leitung von Lehrer Manfred Koniezko führen zwei Schülerinnen aus der 12. Klasse eine achte Klasse durch das Seminar. Johanna Sommer und Julia Hroma fungieren als sogenannte Multiplikatoren, das sind jugendliche Meinungsführer. Fazit: die 13- bis 14-jährigen Schüler sollen einen Tag lang über eigene Bedürfnisse hinsichtlich des Konsums nachdenken. Johanna und Julia erklären: „Um das Projekt leiten und uns Multiplikatoren nennen zu können, mussten wir ebenfalls das Seminar durcharbeiten. Das war sehr interessant. Auch bei uns gab es neue Erkenntnisse darüber, was Sucht überhaupt ist.“ „Und wie schnell man in dieses Fahrwasser geraten kann“, ergänzt Johanna Sommer. Die Ursache ist oft negative Motivation: Wenn ich nicht das machen kann oder darf, was ich eigentlich will oder keine Anerkennung bekomme und es mir keinen Spaß macht, suche ich mir eine Alternative. Daraus kann aber auch unbemerkt eine Sucht entstehen. In der Gesprächsrunde wird fleißig von den Jugendlichen das Wort Sucht und seine Bedeutung erörtert. Der Bedeutungsgrad wird in Tabellen eingetragen, um später einen besseren Überblick zu haben: Handy, PC-Spiele, Facebook, Musik hören oder Fernsehen kommen in die rote Tabelle. Rot steht für die Nutzung von mehr als einmal in der Woche. Kaugummi kauen, Süßigkeiten naschen oder mit dem Hund Gassi gehen stehen bei Grün, also einmal pro Woche. Bei der zweiten Sparte grün, die für ein bis zweimal im Monat steht, kommen noch Sport machen, Alkoholkonsum oder Dinge kaufen hinzu. Hannes geht es gut, wenn keine Schule ist, erklärt er kategorisch. Julian fühlt sich wohl, wenn er mit dem Hund spazieren geht und Sophie freut sich sehr, mit ihren Freunden unterwegs zu sein. Manche der Jungs erklären, sie brauchen den Sport, um abzuschalten. Julia fragt: „Wo sind eure Ruhe-Tankstellen? Wann oder wo fühlt ihr euch wohl und könnt Kraft auftanken?“ Die Familie, Freunde, Haustiere oder Urlaub kommen seitens der Schüler zur Sprache. Die Multiplikatorinnen Johanna und Julia sowie der Lehrer Koniezko sind positiv überrascht, wie toll die Klasse zusammenarbeitet: „Wir hoffen, dass bei den Achtklässlern das eine oder andere Argument fruchtet und sie sich ihre eigenen Gedanken machen.“ |alve