Landau
Asiatische Hornisse: Was sollte man bei Nestfund beachten?
Mitte Dezember machte Hans-Peter Demand auf einem Baum in der Nähe seines Gartens in der Berliner Straße in Landau eine „tierische“ Entdeckung. In einer Höhe von rund 20 Metern sah er ein Hornissennest. Die Frage lautete nun: Um welche Hornissenart handelt es sich?
Demand erinnerte sich an ein Bild einer Hornissenart, das er auf der Homepage der RHEINPFALZ gesehen hatte. Schnell ahnte er, dass es sich bei dem rund 70 Zentimeter hohen und etwa 50 Zentimeter breiten Nest um eines der Asiatischen Hornisse handeln könnte. Doch was sollen Bürger tun, wenn sie wie Demand ein solches Nest entdecken?
Grundstücksbesitzer nicht verantwortlich
Gesetzlich ist die Lage klar: Die Insektenart soll bekämpft werden. Das bedeutet, dass Nester beseitigt werden müssen. Dafür ist jedoch nicht der Haus- oder Grundstücksbesitzer verantwortlich, sondern die zuständige Naturschutzbehörde, also im Fall des Landauers Demand die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd in Neustadt. Wer ein Nest entdeckt, sollte dies im Internet über das Artenfinderportal Rheinland-Pfalz melden. Dort gibt es auch Informationen zu dem Insekt, unter anderem Tipps, wie sich die Asiatische Hornisse erkennen lässt.
Die Asiatische Hornisse breitete sich zuletzt in Deutschland immer weiter aus – und damit auch in der Südpfalz. In den vergangenen Monaten wurden mehrfach große Nester entdeckt, etwa in Herxheim und Rheinzabern, worüber die RHEINPFALZ auch berichtete. Die aus Südostasien stammende Vespa velutina, so der Fachname der Hornissenart, hat seit ihrem ersten Auftreten im Jahr 2004 bereits weite Teile Frankreichs besiedelt, auch in Belgien, den Niederlanden, auf der iberischen Halbinsel, in Italien und selbst in Großbritannien nehmen Meldungen über die invasive Art zu.
Fachmann: Nest nicht selbst entfernen
Andreas Presuhn aus Altrip (Rhein-Pfalz-Kreis) koordiniert die Bekämpfung der Asiatischen Hornisse für die SGD. „Wir erleben eine Meldewelle. Die Hotspots sind Worms, Frankenthal, Ludwigshafen und Speyer“, sagt der Biologe und Imker. Presuhn rät Bürgern dringend ab, Nester selbst zu entfernen. Wichtig sei, den Fund zu melden. Fachleute sollten sich dann um das Nest kümmern, so Presuhn, der sich auch ehrenamtlich als Obmann für Bienengesundheit im Imkerverband Rheinland-Pfalz engagiert und das Land in Sachen Bekämpfung der Asiatischen Hornisse berät.
„Die Asiatische Hornisse wurde vermutlich mit Importwaren aus dem asiatischen Raum eingeschleppt“, sagt Melanie von Orlow vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in Berlin. Im Zuge des Klimawandels würden die Winter milder, sodass auch exotische Arten in Europa stabile Populationen bilden könnten. Die Asiatische Hornisse komme gut mit dem europäischen Klima zurecht, sie habe nur wenige natürliche Feinde.
Jagd auf Honigbienen und Wespen
Laut von Orlow jagt die Asiatische Hornisse gerne Honigbienen, vor allem in Städten. Die Honigproduktion sei durch die Ausbreitung der Hornissenart derzeit aber nicht gefährdet. In waldreichen Gegenden habe es das Insekt besonders auf Wespen abgesehen. In Deutschland kommt die Art vor allem entlang des Rheins vor. Die ersten Funde wurden 2014 aus Waghäusel nördlich von Karlsruhe und Büchelberg im Kreis Germersheim gemeldet.
Was bedeutet die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse aber langfristig für die Natur? Sabine Holmgeirsson, Fachbeauftragte für Wildbienen und Pflanzenschutz beim Nabu in Baden-Württemberg, sagt zu den Auswirkungen auf die heimische Tierwelt: „Ob die Ausbreitung dieser Art Auswirkungen hat, weiß man noch nicht. Deshalb ist diese Hornissenart meldepflichtig, damit sie und die möglichen Auswirkungen besser beobachtet werden können.“
Asiatische und Europäische Hornisse im Vergleich
Stiche von Hornissen sind nicht gefährlicher als jene von Bienen oder Wespen. Weder die Asiatische noch die Europäische Art sind eine Gefahr für den Menschen. Sie Insekten greifen Menschen nicht grundlos an, sie stechen nur zu, um sich zu verteidigen. Die Stiche sind jedoch schmerzhaft und können allergische Reaktionen hervorrufen. Der größte Unterschied zwischen den beiden Arten ist, dass die Europäische Hornisse mittlerweile als bedroht gilt. Besonders auffällig ist die unterschiedliche Körperfärbung. Während bei der Europäischen Hornisse der Kopf rötlich bis schwarz gefärbt ist, hat die Asiatische einen schwarzen Kopf mit orangener Stirn. Auch der Hinterleib ist dunkler als jener der heimischen Art.
Zurück zu Hans-Peter Demand aus Landau. Er hat das Hornissennest in der Nähe seiner Wohnung gemeldet – auf dem Portal des Landes. Nun wartet er, was mit dem Nest passiert.