Landau „An der Realität vorbei“

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Einen Stellenabbau soll es laut der rheinland-pfälzischen Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) nicht geben. „Niemand wird entlassen“, sagte sie jüngst bei einer Veranstaltung zum Kita-Zukunftsgesetz in Herxheim (wir berichteten). Renate Heiligenthal, Erzieherin in der protestantischen Kita in Godramstein, knüpft im Gespräch daran an: „Es geht nicht um uns, sondern um die Zukunft und Bedürfnisse unserer Kinder.“ Wenn die Personalstärke gehalten werden soll, sei das schön und gut. „Aber unsere Situation wird sich auch nicht verbessern“, sagt Heiligenthal. Das bestehende Kita-Gesetz stammt von 1991. Als es beschlossen wurde, seien Kindergartenkinder nicht jünger als drei Jahre und nachmittags größtenteils zu Hause gewesen, berichtet Susanne Grunewald von der Kita „Kugelstern“ in Edenkoben. „In der Zwischenzeit hat sich einiges getan.“ Da heute meist beide Elternteile den Lebensunterhalt der Familie verdienen, krabbeln schon Einjährige durch die Kita. Viele Kinder verbringen dort ihren ganzen Tag. „Bei uns lernen sie laufen und beginnen zu sprechen“, sagt Grunewald. Je jünger die Kinder, umso größer seien ihre Bedürfnisse. Deshalb könne sie nicht verstehen, dass die Zweijährigen künftig Regelgruppen mit 25 Kindern bis zu sechs Jahren zugeteilt werden. Bislang werden Zweijährige in Krippengruppen mit bis zu zehn Kindern betreut oder in begrenzter Anzahl altersgemischten Gruppen mit bis zu 15 Kindern – beziehungsweise 25 mit mehr Personal. Grunewald sieht mehr Aufgaben auf die Erzieher zukommen, deshalb sei mehr Personal nötig. Künftig soll es für alle Kinder eine Sieben-Stunden-Betreuung am Stück plus Mittagessen geben. Würde heißen, dass in der Kita in Godramstein beispielsweise nicht mehr nur 46, sondern alle 72 Kinder eine Mahlzeit erhalten. Heiligenthal sagt: „Abgesehen davon, dass in den meisten Kitas die räumlichen Gegebenheiten nicht ausreichen, um alle Kinder mit Essen zu versorgen, geht das nicht so einfach.“ Vor allem kleine Kinder bräuchten dabei Hilfe. Das koste Zeit, die den Fachkräften verloren gehe, um mit den Kleinen zu spielen und zu basteln. Ganz zu schweigen davon, dass in den Kitas täglich auf unvorhergesehene Ereignisse reagiert werden müsse. So berichtet Heike Pfaff, Leiterin der katholischen Kita in Klingenmünster: „Wenn es einem Kind plötzlich nicht gut geht und es sich übergeben muss, fällt eine Fachkraft weg. Früher standen die Eltern wenig später vor der Tür, heute kann es auch mal eine Stunde dauern, bis die Oma kommt, weil die Eltern beide arbeiten.“ Wenn umgekehrt Erzieherinnen ausfallen, springen Studenten und Mütter ein. Die Situation könnte sich verschlimmern, fürchtet Pfaff. Kitas sollen bei der Personalbemessung künftig weniger Spielraum als bislang haben. Das Land möchte seine Personalkostenzuschüsse anteilig kürzen, wenn im Jahresdurchschnitt mehr als acht Prozent der Kita-Plätze im Bezirk eines Trägers unbelegt bleiben. Pfaff ist schon seit mehr als 20 Jahren im Geschäft. „Ich habe damals den Beruf ergriffen, weil ich mit Kindern auf Entdeckungsreise gehe, weil ich mit ihnen gerne Abenteuer erleben möchte.“ Sie lege Wert darauf, die Kinder in die Gestaltung des Programms einzubeziehen. Deswegen gebe es in ihrer Einrichtung regelmäßig eine Kinderkonferenz. „Das dürfte in Zukunft zu kurz kommen, weil Erzieher für zu viele Kinder da sein sollen“, befürchtet sie. So könne sich die Kita von einer Bildungs- zu einer Betreuungseinrichtung entwickeln. Und das, obwohl sich Eltern wünschten, dass ihre Kinder gefördert werden, auch individuell. Zudem wollten Mütter und Väter über den Entwicklungsstand ihrer Kinder Bescheid wissen. In der Kita „Kugelstern“ in Edenkoben werden dafür sogar Videoaufnahmen eingesetzt. Heiligenthal kommt auf Bildungs- und Erziehungsempfehlungen des Landes zu sprechen. Darin werde eine beziehungsvolle Pflege der Kinder gefordert. In der Praxis bedeute das, dass Erzieherinnen etwa nicht schnell die Windel eines Kindes wechseln und das nächste Kind auf den Wickeltisch legen. Sie sollen sich Zeit lassen und gefühlvoll mit den Kindern umgehen. Das sei allerdings nur schwer umsetzbar, wenn das Kita-Personal künftig noch stärker unter Zeitdruck arbeiten soll.

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