Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Aero-Club feiert sein 75-jähriges Bestehen

Der Flugplatz am Ebenberg ist Schauplatz für verschiedene Wettbewerbe.
Der Flugplatz am Ebenberg ist Schauplatz für verschiedene Wettbewerbe.

Der Aero-Club Landau feiert ein großes Jubiläum: Seit 75 Jahren besteht der Verein. Doch die Tradition reicht in Landau noch länger zurück.

Die ersten dokumentierten fliegerischen Aktivitäten in der Stadt Landau datieren auf den 6. April 1910. Wie der Landauer Anzeiger damals berichtete, scheiterte der Versuch eines Schlossermeisters an einem schadhaften Propeller. Ein Jahr später landete das Luftschiff Schwaben auf dem Ebenberg, welcher damals noch als Exerzierplatz für das fünfte bayerische Feldartillerieregiment diente.

1925 gründete sich der Luftfahrtverein Landau. Er war der erste seiner Art in der Pfalz und ist der Vorläufer des Aero-Clubs. Am 9. Juni 1929 lud der Luftfahrtverein zum ersten großen Flugtag auf den Ebenberg, bei dem über 4000 Besucher Kunstflieger wie Kurt Katzenstein bewundern durften. Seitdem ist der Flugplatz im Süden der Stadt in Betrieb. „Dass wir nur den 75. und nicht den 100. Geburtstag gefeiert haben, liegt an der Gleichschaltung des Luftfahrtvereins im Dritten Reich“, sagt Vereinsvorsitzender Thilo Ott.

Als der Vereinssport untersagt war

Von der Nazizeit des Vereins ist wenig überliefert. Wobei durchscheint, dass der NS-Staat die Fluggemeinschaften für militärische Zwecke nutzen wollte. Am 17. September 1950 wurde „Der Segelflug-Sportverein Landau/Pfalz im Pfälzischen Luftsportverband“ gegründet, der drei Jahre später auf Aero-Club Landau umgetauft wurde.

Das die Gründergeneration aus Abenteurern bestand, liegt auf der Hand. Das zeigte sich nicht nur in der Fliegerei an sich, die damals, mehr noch als heute, ein waghalsiges Unterfangen war. Denn der Bau und Besitz jeglicher Flugzeuge waren vom Kontrollrat der Alliierten untersagt. „Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg: Über graue Informationskanäle erhielt man Kenntnis, dass in der französischen Kaserne in Neustadt zerlegte Schulgleiter vom Typ SG 38 lagerten“, erklärt Ott. „In mehreren Nacht- und Nebelaktionen wurden die noch einigermaßen erhaltenen Flugzeugteile beschafft, bis man alle benötigten Kleinteile für den Nachbau zusammen hatte.“ Behilflich war dabei ein in der Kaserne stationierter Fluglehrer, der wohl beide Augen zudrückte und die deutschen Flugfreunde passieren ließ. Ein früher Ausdruck der deutsch-französischen Freundschaft, die bis heute in der Partnerschaft (Jumelage) mit dem Aeroclub Hagenau weiterlebt.

Der Aero-Club blickt auf eine lange Historie zurück.
Der Aero-Club blickt auf eine lange Historie zurück.

Mit 14 Jahren schon am Cockpit

In den folgenden Jahren und Jahrzehnten entwickelte sich der Verein zu einer festen Größe in der deutschen Segelflieger-Vereinslandschaft. In der Saison, die von März bis Oktober geht, steigen auf dem Ebenberg jedes Wochenende Segler und kleinere Propellermaschinen in die Luft. Der Flugplatz ist auch nach wie vor Schauplatz von Wettbewerben, bei denen Flieger aus ganz Europa gegeneinander antreten.

Das Brot und Buttergeschäft ist aber der Unterricht, wie Fluglehrer Stephan Adamo erklärt. „Jugendliche ab 14 Jahren lernen bei uns das Fliegen. Sie dürfen also früher im Cockpit als am Lenkrad eines Autos sitzen.“ Das ist mittlerweile auch deshalb möglich, weil der Fluglehrer gemeinsam mit dem Schüler im Flieger sitzt. Das war früher anders. Damals setzten sich die angehenden Piloten nach ein paar Theorieanweisungen alleine ins Flugzeug und hoben ab. Wobei die als „Hüpfer“ bekannten Flugapparate zu dieser Zeit noch bei Weitem nicht so weit fliegen konnten wie heute.

Wie ist das Fliegen ohne Motor möglich?

„Das Wichtigste beim Fliegen ist das Abheben und das Landen, und das wird bei uns wirklich bis zum Gehtnichtmehr geübt“, sagt Adamo. Bis ein Schüler bereit zur Prüfung ist, vergehen in der Regel zwei Jahre. In dieser Zeit geht den jungen Piloten auch die Flugtechnik in der Luft in Fleisch und Blut über.

Doch wie geht das eigentlich, das Fliegen ohne Motor? Das Zauberwort heißt Thermik. Die Segler nutzen warme Luft, die von unten nach oben fließt, um an Höhe zu gewinnen. So geht es je nach Wetter beispielsweise mit fünf Metern Steigung pro Sekunde auf 1500 Meter Richtung Himmel. Adamo erklärt das Konzept mit einem für Laien leicht verständlichen Vergleich: Die perfekte Ausgangslage sei ein getupfter Himmel mit vielen kleinen Schönwetterwolken. „Die Thermik kann man sich dann vorstellen wie ein Weizenbierglas. Die Wolken sind der Schaum an der Spitze, und die warme Luft sind die Bläschen, die nach oben steigen.“ Wenn der Himmel blau sei, orientierten sich erfahrene Piloten an großen, von der Sonne erwärmten Flächen am Boden, die die Hitze an die Luft abgeben.

Der Aero-Club verfügt über verschiedene Flieger.
Der Aero-Club verfügt über verschiedene Flieger.

Ott: „Jeder trägt einen Fallschirm“

Zu gefährlichen Situationen sei es in der Vereinsgeschichte nur sehr selten gekommen. Dennoch gehöre es gerade bei Wettbewerben durchaus dazu, dass man durch schlechtere Wettergebiete fliegt. „Die Teilnehmer sind teilweise bis zu 1000 Kilometer unterwegs, und es gewinnt, wer die taktisch beste Route wählt, Ahnung vom Wetter hat und sein Flugzeug beherrscht“, sagt Ott. Für den Fall der Fälle trägt jeder Segelflieger grundsätzlich einen Fallschirm.

Auch nach 75 Jahren verfügt der Verein noch immer über einen gesunden Stamm von aktiven Mitgliedern. „Mehr wäre immer besser, aber da geht es uns nicht anders als anderen Sportvereinen“, so der Vorsitzende. Interessierte müssen neben guten Augen, guten Nerven und guter Gesundheit auch Teamgeist mitbringen. Denn ohne die anderen kann niemand vom Boden abheben.

Der Flugbetrieb am Wochenende ist aufwendig durchorganisiert. Die Segelflugzeuge müssen schließlich von kleineren Propellermaschinen oder einer Startwinde in die Luft gezogen werden. „Dazu kommen Dienste im Vereinsheim, Rasenmähen auf dem Flugplatz oder Reparaturarbeiten in der Werkstatt. Wer nur scharf darauf ist, selbst zu fliegen, kommt bei uns nicht weit“, so Adamo.

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