Landau
750 Jahre Stadtrechte: Was bedeutet das Logo zum Jubiläum?
Ganz Landau hat beim Neujahrsempfang der Stadt Landau auf den elfjährigen Sieger des Wettbewerbs für ein Logo aus Anlass der Verleihung der Stadtrechte vor 750 Jahren geschaut. Benjamin Sturm hat das souverän gemeistert, wie er da zwischen Oberbürgermeister Dominik Geißler und Moderator Moritz Wienholt auf der großen Bühne stand. Als Klassensprecher hat er schließlich Erfahrungen mit Auftritten in Schülerparlament und Klassenrat. Nur Mama Agnes, Papa Dennis und der Bruder Bastian, die im Publikum saßen, wussten, wie aufgeregt Benni wirklich war.
Wie zu hören ist, hat auch die Technik-Crew der Festhalle den Schüler gefeiert, der ganz cool in einer Arbeitshose von Engelbert Strauss mit neonfarbenen Reißverschlüssen zur Ehrung schritt. Das sagt viel aus über den Elfjährigen, der sich im Gespräch mit der RHEINPFALZ nicht minder selbstbewusst zeigt. Und natürlich über den Geist, der im Elternhaus herrscht. „Die Jungs dürfen selbst entscheiden, was sie anziehen wollen. Sie müssen sich wohlfühlen“, sagt Agnes Sturm, die, wie ihr Mann, Pädagogin ist und an einer Landauer Schule unterrichtet.
Auch Erwachsene ausgestochen
Wie ist Benjamin auf den Wettbewerb aufmerksam geworden? Es war seine Lehrerin Frauke Grevener, die den Schülern davon erzählte. Benjamin geht auf die Montessorischule in Landau und besucht eine gemischte Klasse der Stufen 4 bis 6. In der Klassenstunde am Nachmittag dürfen die Kinder und Jugendlichen sich ihren Projekten widmen, auch der Kunst, erzählt der Schüler. Die Stadt Landau hatte den Wettbewerb im Frühjahr 2023 ausgelobt und für jeden geöffnet, der mitmachen wollte. Katja Doll, Koordinatorin der Feierlichkeiten, zählte am Ende zehn Einsendungen, darunter welche von Jugendlichen, erwachsenen Kreativen und auch von Profis, wie es im Rathaus heißt.
Benni zeichnet zwar nicht den ganzen Tag, aber immer mal wieder gerne, wie er verrät. Vor allem eigentlich Autos und Logos. Außer den Wollmesheimer hat der Wettbewerb noch zwei Mitschüler gereizt. Der Elfjährige hat sich auf die Formensprache konzentriert, die er im Unterricht gelernt hat. Ein großes schwarzes Dreieck steht für Nomen. Ein roter Ball oder der rote Kreis kennzeichnen das Verb. Das kleine gelbe Dreieck steht für den Artikel oder den Begleiter. „Es gibt verschiedene Dreiecke“, sagt Benni. „Ich wollte damit den Grundriss für das Logo machen.“
Alles so schön bunt
Warum sind die Dreiecke so bunt? „Die sind so schön bunt, weil es eine Feier ist.“ Das gefällt auch dem Oberbürgermeister. „Das Logo ist farbenfroh“, hatte er bei der Enthüllung des Siegerentwurfs gesagt. „Das ist symbolisch für unsere Stadt und unsere Gesellschaft und steht dafür, dass wir alle miteinander ein schönes Jahr erleben wollen.“ Auch Hauptamtsleiter Michael Götz hatte den Entwurf gefeiert: „Da ist alles drin! Es ist farbenfroh, vielfältig, die Stadt ist dargestellt und das Miteinander wird ausgedrückt.“
Im Originalentwurf ist der in Anlehnung an die Form von Straßenschildern gestaltete Block in der Mitte des Kreises in Gold und Silber gehalten. Die Erklärung: „Weil es ein Jubiläum ist.“ Der Halbmond unter der Zahl 750 stellt einen lachenden Mund dar, das rote Ausrufezeichen unterstreicht die Bedeutung des Anlasses. In der schulischen Formensprache steht der Halbmond übrigens für das Prädikat, dann aber in Grün. Die kleinen Dreiecke zwischen den großen Formen hat Benni eingefügt, damit noch mehr Farbe ins Bild kommt und die Lücken gefüllt sind. Am Schluss hat er das Landauer Stadtwappen ausgedruckt und in alle vier Ecken geklebt.
Freikarte fürs Freibad
Als bekannt wurde, dass Benjamins Logo eine Runde weiter ist, bekam er von der Stadtverwaltung eine Freikarte fürs Freibad geschenkt. Riesengroß war die Freude dann, als Katja Doll vor den Sommerferien anrief und berichtete, dass der Elfjährige der Sieger des Wettbewerbs ist. Zur Feier des Tages führte Dennis Sturm seine Lieben zum Essen in eine Pizzeria aus. Benjamin staunte nicht schlecht, als an einem anderen Tisch seine Lehrerin saß, der er die Aktion überhaupt zu verdanken hat. Natürlich musste er ihr von dem krassen Anruf erzählen, erinnert sich der Schüler.
Die Eltern haben ihren Sohn machen lassen. Sie hätten gewusst, dass er an dem Wettbewerb teilnimmt, erzählt Agnes Sturm, aber keine Skizzen gesehen. Erst als die erste Hürde genommen war, habe er den Entwurf zu Gesicht bekommen, berichtet ihr Mann Dennis.
Ganz der Künstler
Hat sich Benjamin auch mit der Stadtgeschichte befasst? „Total informiert bin ich nicht“, bekennt er. Er wisse so einiges, was ihm der Papa und die Oma erzählt hätten. Zum Beispiel, dass der Hauptbahnhof Hauptanlaufstelle im Zweiten Weltkrieg gewesen sei und auch, dass viele Franzosen in der Stadt gelebt hätten. Und er hat mitbekommen, dass die Oma öfters aus dem Haus in der Südstadt musste, „weil sie wieder Blindgänger gefunden haben“. Der neunjährige Bastian kennt das Fort, wie er einwirft.
Dann ist also das Logo keine Andeutung der Festungsgeschichte Landaus? „Da kann jeder drin sehen, was er mag“, antwortet der Künstler. Und sein Vater ergänzt: „Das ist ja mit der Kunst so. Wenn sie in die Öffentlichkeit geht, gehört sie nicht mehr dir.“
Schoppenbecher animiert zum Trinken
Belohnt wurde Benjamin mit einem Schoppenbecher, der das Logo trägt. Einen zweiten Becher, für Bastian, haben Sturms noch am selben Abend beim Neujahrsempfang gekauft. Beide Jungs benutzen die Becher auch, berichtet die Mutter. „Es hilft. Aus diesem Glas trinkt er deutlich mehr und öfter.“ Traubensaftschorle – und auch Wasser. Bestandteile des Preises waren auch Jubiläumsaufkleber und zwei Dauerkarten für Benjamin, eine für den Zoo und eine fürs Freibad. Der Zoo lockt den Elfjährigen nicht so, verrät er, höchstens, um sich beim Streichelzoo auf den Traktor zu stellen.
Mit Traktoren hat es der junge Schlagzeuger ohnehin. Er möchte später mal Winzer und Feuerwehrmann werden. Das sei schon immer sein Wunsch gewesen, berichten die Eltern. Vor den Osterferien wird Benjamin ein Praktikum bei Hannes Bergdoll machen, der sein Weingut in der Wollmesheimer Hauptstraße hat. „Ich war schon öfters dort. Bei der Traubenlese mit der Erntemaschine war ich auch schon dabei.“ Und der Feuerwehr ist Benjamin verbunden, seit er als Sechsjähriger zu den Bambinis kam. „Helfen ist seine Stärke“, unterstreicht Agnes Sturm.