Südpfalz
25 Jahre Tamilienschule Landau: Ganz besondere Sonntagsschüler
Seit 25 Jahren besuchen die Kinder der Tamilen in Landau die Unter der Woche sind sie auf einer deutschen Schule, sprechen hochdeutsch oder „babbeln“ pfälzisch. Am Sonntag lernen Kinder indes lernen die Vier- bis 17-Jährigen die Sprache, Tradition und Kultur des Herkunftslandes ihrer Eltern. Und das seit 25 Jahren in Landau in der „Thamilalayam“, der Tamilenschule.
Aus dem gesellschaftlichen Leben in Landau sind die Tamilen längst nicht mehr wegzudenken. Bei vielen Anlässen bereichern sie die kulturelle Vielfalt, kochen traditionelle Gerichte, zeigen in farbenfrohen Gewändern tamilische Tänze, helfen auch hinter den Kulissen bei Festen und Aktionen. Sie haben hier ein neues Zuhause gefunden, aber die Sehnsucht nach Anerkennung ihrer Ethnie in der alten Heimat, nach ihren Wurzeln bleibt. Die ersten Schüler der Landauer Tamilenschule sind längst erwachsen. Sie arbeiten bei der Stadtverwaltung, der Polizei, als Rechtsanwältin, Lehrer oder Ärztin, im IT-Bereich großer Firmen oder in der Pflege.
Tradition und Integration
Mitte der 1980er-Jahre flohen viele Tamilen vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka ins Ausland. Der schwelende Konflikt hauptsächlich zwischen Singhalesen und Tamilen mündete 1983 in einen Bürgerkrieg, der 2009 mit dem militärischen Sieg der sri-lankischen Regierungstruppen über die „Liberation Tigers of Tamil Eelam“, die für die Unabhängigkeit der Tamilen vom Inselstaat Sri Lanka kämpften, endete. Zum Erhalt der eigenen Ethnie und Identität gründeten die Tamilen in Deutschland an vielen Orten Schulen, um ihren Kindern die Sprache und die Traditionen ihres Herkunftslandes weiterzugeben. Gleichzeitig legten und legen sie bis heute großen Wert auf die Integration in die deutsche Gesellschaft.
Beim damaligen Autozulieferer Gillet, heute Tenneco, hatten viele Tamilen, die in Deutschland gestrandet waren, Arbeit gefunden und sich in Edenkoben und der näheren Umgebung niedergelassen. Auch die Kinder aus Landau besuchten zunächst die tamilische Schule in Edenkoben. Als die Räume zu klein wurden und die Schule nach Neustadt umzog, war der Weg für die Schüler aus Landau zu weit geworden. Kandasamy Kulenderarajah, der bei der Landauer Stadtholding beschäftigt ist, bemühte sich erfolgreich bei der Stadtspitze darum, öffentliche Räume für die Gründung einer tamilischen Schule zur Verfügung gestellt zu bekommen.
Beginn mit 27 Sonntagsschülern
Im September 1999 zogen 27 tamilische Sonntagsschüler in die Thomas-Nast-Grundschule ein und wurden von sieben ehrenamtlichen Lehrern unterrichtet. 2004 zog die tamilische Schule um in die damalige Hauptschule West. Seit 2007 sind die tamilischen Schüler in der Konrad-Adenauer-Realschule plus willkommene Gäste. Inzwischen sind es mehr als 50 Kinder, die dort jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr unterrichtet werden. Es werden auch überregionale Prüfungen abgelegt und Sport-, Tanz-, Kunst- und Theaterwettbewerbe unter den 120 tamilischen Schulen in Deutschland ausgetragen. Und dabei kämen die Besten regelmäßig und in allen Genres aus Landau, berichtet Schulleiter Kulenderarajah stolz.
Es sei nicht immer einfach gewesen, zusätzlich zum Regelunterricht auch noch die tamilische Sonntagsschule zu besuchen, berichten Ehemalige. Aber es habe sich für die eigene Persönlichkeitsentwicklung, die Völkerverständigung und den Erhalt der Identität der Volksgruppe der Tamilen gelohnt.