Godramstein RHEINPFALZ Plus Artikel 20 Reihenhäuser für Godramstein

Das ehemalige Weingut am Kapellenweg soll weichen. Das Areal wird bebaut.
Das ehemalige Weingut am Kapellenweg soll weichen. Das Areal wird bebaut.

Bis in die Weinberge und bis zur Kita sind es nur ein paar Schritte: Im westlichen Zipfel von Godramstein werden auf einen Schlag 20 Neubauten errichtet, neun davon für Menschen mit Wohnberechtigungsschein. Wärme kommt aus der Luft, der Strom vom eigenen Dach.

In Godramstein im Kapellenweg plant das Unternehmen Deutsche Reihenhaus AG, Köln, den Bau von 20 Reihenhäusern auf einem Areal von 5000 Quadratmetern. Dabei handelt es sich um das Gelände eines aufgegebenen Weinbaubetriebs, der ursprünglich mal ein Aussiedlerhof war, aber inzwischen von Wohnbebauung umgeben ist. So hat es Bauamtsleiter Christoph Kamplade dem Bauausschuss geschildert. Ein Teil des Geländes ist ein Weinberg, die vorhandenen Wohn- und Wirtschaftsgebäude sollen abgerissen werden.

Elf der 20 Häuser sollen als Eigenheime vermarktet werden; neun sollen als geförderter Wohnraum an Familien mit Wohnberechtigungsschein vermietet werden. Das entspricht 45 Prozent der geplanten Bebauung. Somit wird die Landauer Quotierungsrichtlinie von 33 Prozent übererfüllt. Diese Mietshäuser werden ebenfalls von der Deutsche Reihenhaus gebaut, dann aber im Block an einen Investor weiterverkauft, der sie vermieten wird. Diesen Investor gebe es noch nicht, sagt Achim Behn, Pressesprecher der Deutsche Reihenhaus. Aber er werde sich wohl unter Partnern des Unternehmens oder vor Ort finden.

Drei fixe Haustypen senken Preise

Das Kölner Unternehmen ist nach eigenen Angaben auf Konversionsflächen ab 3000 Quadratmeter Größe spezialisiert, wobei mit Konversion nicht nur militärische Liegenschaften gemeint sind, sondern auch aufgegebene Gewerbeflächen oder Brachen. Etwa ab dieser Grundstücksgröße oder ab zwölf Häusern lohne sich der Aufwand. Meistens würden 20 bis 30 Häuser auf einen Schlag errichtet, es seien aber auch schon 180 gewesen. Im Fall Godramstein sei ein Makler auf das Unternehmen zugekommen, sagt der Pressesprecher. Nach seinen Angaben baut die Deutsche Reihenhaus mit 250 Beschäftigten bundesweit knapp 800 Häuser im Jahr.

Zum Geschäftsmodell des ursprünglich in Kaiserslautern gegründeten Familienunternehmens gehört es, dass es sich auf drei Haustypen von 85, 120 und 145 Quadratmetern Wohnfläche beschränkt, um die Baukosten zu drücken. Die Häuser haben zwei Vollgeschosse und ein ausgebautes Dachgeschoss. In Godramstein sind neun der kleineren Häuser geplant (die dann vermietet werden sollen), sieben mittlere und vier große. Unterschiede gebe es bei der Fassadengestaltung, beispielsweise werde in Norddeutschland gerne verklinkert, und bei der Innenausstattung, aber die Häuser selbst werden nicht verändert. Neben der seriellen Fertigung spart auch der Verzicht auf Keller Geld. Angaben zu den Hauskosten machte Behn nicht. Im Internet finden sich Angebote dieses Investors ab 145.000 Euro. Die Preise schwanken aber stark je nach Stadt, in Köln geht es erst ab 290.000 Euro los.

Ausschuss: Das wird ganz schön dicht

Für das Vorhaben, das der Investor „still und leise“ vorangetrieben habe, ist laut Kamplade ein vorhabenbezogener Bebauungsplan erforderlich. Er hofft, dass schon nächsten Sommer Baurecht besteht und bezeichnete das Projekt als tolle Nachverdichtung.

Der Bauausschuss hat das Projekt überwiegend positiv beurteilt, unter anderem, weil es Wohnraum für junge Familien schafft. Vereinzelte Kritik gab es an der hohen Bebauungsdichte und dem hohen Grad an Versiegelung, die nicht unbedingt dem dörflichen Charakter entspreche. Die SPD sprach in diesem Zusammenhang von Gewinnmaximierung des Bauherrn. Oberbürgermeister Thomas Hirsch rechnet bei weiterer Nachverdichtung häufiger mit solchen Einwänden. Kamplade wies darauf hin, dass es sich nicht um eine dörfliche Lage, sondern um ein Wohngebiet der 1980er-Jahre handele, dass es in der Nachbarschaft bereits Reihenhäuser gebe und dass die Dichte von 40 Wohneinheiten pro Hektar „im Zielkorridor von 35 bis 40 Einheiten pro Hektar“ liege, die die Verwaltung in Dörfern anstrebe. Oberbürgermeister Thomas Hirsch sagte auf Nachfrage, dass der Ortsbeirat dem Vorhaben einstimmig zugestimmt habe. Am Dienstagabend hat sich auch der Stadtrat einstimmig dafür ausgesprochen, einen entsprechenden Bebauungsplan aufzustellen.

Baustart im Sommer 2022 geplant

Kamplade lobte auch die Wärmeversorgung der Gebäude als zukunftsweisend, weil sie zu 100 Prozent aus regenerativen Quellen kommen soll. Neben einer guten Dämmung ist eine Wärmepumpe geplant, die mit selbst erzeugtem Strom aus Photovoltaikanlagen auf allen dafür geeigneten Dachflächen betrieben werden soll. Ein Gas-Brennwertkessel für Spitzenlasten soll mit Biomethan befeuert werden. Nach Angaben Behns werden alle Häuser aus einer gemeinsamen Technikzentrale mit Strom, Wärme, Internet und Fernsehen versorgt. Auch das sei ein Beitrag zum Kostensparen.

Die Deutsche Reihenhaus will nach Angaben ihres Sprechers im Sommer 2020 mit dem Bau beginnen und die kleine Siedlung Ende 2023/Anfang 2024 fertigstellen. Ein paar Wochen vor dem Baustart werde die Vermarktung beginnen. Interessenten können sich aber auch jetzt schon vormerken lassen, am besten im Büro Kaiserslautern unter Telefon 0631 3433 259.

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So sieht eine typische Siedlung des Investors aus.
So sieht eine typische Siedlung des Investors aus.
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