Landau Überstunden schöngerechnet

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Für Schlagzeilen hatte Ernst Scharbach, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, gesorgt, als er dieser Tage Alarm schlug. Die Polizei laufe im Notstrombetrieb (wir berichteten am Montag auf der Seite „Südwestdeutsche Zeitung“). Er machte dies an der steigenden Zahl der Überstunden fest. Die Südpfalz steht besser da, wie eine Anfrage der RHEINPFALZ im Polizeipräsidium Ludwigshafen ergab. Laut Sprecherin Sandra Giertzsch lag die Zahl der angeordneten Überstunden in der Polizeiinspektion Landau zum 4. Oktober bei 1010, 2014 waren es 1275. Ein ähnliches Bild ergibt sich für die Polizeidirektion Landau, zu der neben der Inspektion Landau auch die Inspektionen in Bad Bergzabern, Edenkoben, Germersheim, Wörth sowie die Wache in Annweiler und die Kriminalinspektion Landau gehören. Dort waren es aktuell 3698, vor einem Jahr 3952. Trotzdem sei die Belastung der Beamten auf konstant hohem Niveau, so auch Giertzsch. Zum 1. Juli waren in der Südpfalz 382 Beamte bei der Schutzpolizei und der Kripo beschäftigt, davon allein in Landau 99. Insgesamt arbeiten im Beritt 37 Beschäftigte in Teilzeit. In der Regel herrscht Wechselschichtdienst, beginnend mit dem Spätdienst. Es folgen Früh- und Nachtschicht sowie zwei freie Tage. „Alle fünf Tage wiederholt sich das Modell, so dass in fünf Wochen an drei Wochenenden gearbeitet wird, an zweien haben die Beamten frei.“ Der Zuzug von Flüchtlingen habe derzeit keine direkte Auswirkung. „Es wäre nicht anders, wenn die Bevölkerungszahl aus anderen Gründen steigen würde. Die Kollegen fahren Streife und nehmen diese Punkte mit in ihre Route auf“, so Giertzsch. Michael Kestel, Personalratsvorsitzender der Polizeidirektion Landau, sieht die Situation insgesamt kritischer. Dadurch, dass es weniger Bereitschaftspolizisten gebe, hätten die Mitarbeiter im Wechselschichtdienst gerade im August und September etliche Zusatzdienste leisten müssen, um die Besetzung in den Schichten halten zu können. Schönrechnerei ist für ihn das Spielchen mit den Überstunden. Die Zahl der Überstunden sei deshalb gesunken, weil einige Kollegen in Ruhestand gegangen seien und bis zu 400 Überstunden mitgenommen hätten. Die tauchten dann natürlich nicht mehr in der Statistik auf. Während die Landesgartenschau wesentlich weniger Aufwand verursacht habe, als zunächst befürchtet, würden die Kollegen immer öfter über die eigenen Grenzen hinaus von benachbarten Direktionen wie Neustadt zur Verstärkung gerufen, wenn es beispielsweise darum geht Großereignisse wie den Wurstmarkt in Bad Dürkheim zu begleiten. Eine große Arbeitsbelastung sieht Kestel auf seine Kollegen auch mit der geplanten Flüchtlingsunterkunft in der Speyerer Bundeswehrkaserne zukommen, die in einer ersten Phase bis zu 1000 Flüchtlinge beherbergen könnte. Über deren Sicherheit könnten die Speyerer Polizisten nicht alleine wachen. Auch dort sieht Kestel seine Kollegen in der Pflicht. Sein Wunsch an die Landesregierung: mehr Tarifbeschäftigte, die den Polizisten bei Verwaltungsaufgaben den Rücken freihalten könnten. Auch der Südpfälzer Landtagsabgeordnete Wolfgang Schwarz, polizeipolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, will sich dafür einsetzen, die Polizeistärke langfristig zu erhöhen. Das Land müsse mehr Polizisten ausbilden. (git)

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