Landau
Öffentliches Interesse an Grün sticht Ackernutzung
Aktuell ist der naturschutzrechtliche Ausgleich im Rathaus ein Thema, weil die Stadt im Südwesten ein neues Wohnquartier plant. Der Bebauungsplan ist in der Mache. Nun hat die Verwaltung ein erstes Konzept vorgelegt, wie sie die Ausgleichsflächen gewährleisten will. Wie viel das genau sein wird, weiß das Bauamt noch nicht. Es werde geprüft, heißt es.
Dabei wird eine Rangfolge festgelegt. Zunächst soll das Potenzial im Baugebiet selbst genutzt werden, was allerdings sehr begrenzt ist. Das Gros der Kompensation möchte die Verwaltung über Freiflächen zwischen Kanalweg beziehungsweise der Bahnlinie im Norden und der Straße Pockensatz im Süden festmachen, also die Grünflächen parallel und östlich zur Rudolf-von-Habsburg- und zur Fleckensteinstraße. Dort gibt es bereits Ausgleichsflächen auf rund 2,6 Hektar, die als Erholungsinseln von der Bevölkerung gut genutzt werden. Vier Grundstücke und damit ein Großteil der möglichen Flächen sind laut Verwaltung in städtischem Besitz, zwei weitere Stücke gehören Privatleuten.
Wichtiger Kaltluftkanal
Würde die Verwaltung die Pachtverträge für die städtischen Grundstücke auflösen, könnten 60 Prozent des geplanten Eingriffs ausgeglichen werden. Gelänge ihr der Ankauf der 1,7 Hektar großen Privatflächen, käme die Stadt gar auf 95 Prozent der benötigten Kompensation. Das verbleibende Defizit wäre über das Ökokonto auszugleichen. Google klärt auf: Auf einem Ökokonto werden die Vorleistungen für den Naturschutz auf der „Haben-Seite“ mittels Biotopwertpunkten erfasst sowie die später notwendigen Eingriffe in Natur und Landschaft auf der „Soll-Seite“ verbucht und damit wie bei einem Bankkonto gegeneinander aufgerechnet.
Dass die Schneise zwischen der Wollmesheimer Höhe und dem Hauptfriedhof nicht zum Baugebiet wird, ist schon länger Konsens im Rathaus. Denn sie hat eine wichtige Funktion für die Kaltluftzufuhr der Alt- und Südstadt.
Zweiter grüner Ring
Bei ihrer Beschlussvorlage bezieht sich die Verwaltung auf das räumliche Leitbild des Klimaanpassungskonzeptes der Stadt. Das sehe eine neben den bestehenden historischen Parkanlagen auch Ansätze für einen zweiten grünen Ring um
die Kernstadt mit Verbindungen in die Stadtdörfer vor, die auch als Fuß- und Radwegeverbindungen dienen. „Die Umsetzung dieses Leitbildes würde die Lebensqualität der Mittelstadt Landau weiter erhöhen. Der hier betrachtete Bereich mit der Weiterentwicklung zu einem durchgehenden naturnahen Landschaftspark ist ein wesentlicher Baustein dieses Leitbildes“, unterstreicht die Verwaltung. Perspektivisch könnte eine attraktive Wege- und Grünverbindung zwischen Godramstein, Kanalweg, über den Westpark bis zum Birnbachtal und weiter in Richtung Wollmesheim, dem Naturschutzgebiet Ebenberg und zu den Gewerbeflächen im Osten entstehen.
Deshalb bietet sich der Korridor für die Ausgleichsmaßnahmen für das geplante Baugebiet an, schlussfolgert das Bauamt. Die Äcker werden derzeit noch bewirtschaftet. Die Verwaltung argumentiert jedoch mit dem öffentlichen Interesse – „siedlungsklimatische Funktionen im Sinne einer wohnungsnahen Erholung und der Steigerung der urbanen Biodiversität“, deshalb sollten die Belange der Landwirte zurückgestellt werden.
Neuer Radweg
Sie malt das Bild von großflächigen naturnahen Wiesenflächen mit vereinzelten Baumgruppen und Feldgehölzinseln sowie einem Urban-Gardening-Projekt als Ergänzung – und natürlich ein Radweg in Nord-Süd-Richtung. Das neue Baugebiet könnte mittels einer Radwegebrücke über die Wollmesheimer Straße angeschlossen werden.
Gertraud Migl von der Fraktion Pfeffer & Salz gefällt der Vorschlag nicht, Landwirten die Verträge zu kündigen, nur um Ausgleichsflächen zu bekommen. Der Ortsbeirat Wollmesheim hatte einmütig zugestimmt. Bei zwei Gegenstimmen von P&S folgte der Stadtrat dem Vorschlag der Verwaltung.