Lokalsport Südpfalz „Wir möchten nur helfen“
Neben unseren bisherigen Workshops „Lauf“ mit Bundestrainer Alexander Fromm, „Sprint“ mit Uli Kunst und Vize-Europameisterin Gina Lückenkemper und „Wurf“ mit Lutz Klemm und Diamond-League-Sieger Andreas Hofmann verfolge ich seit einiger Zeit den Gedanken, unserem Leistungssportnachwuchs auch im medizinischen Bereich bestmögliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Basis schaffen wir am Samstag bei Mike Steverding, der mit seinem Team diesen Termin am Wochenende ermöglicht hat. 14 Athleten werden berücksichtigt. Wer sind sie? Ohne Begrenzung würden wir das umfangreiche Programm nicht schaffen. Es sind Athleten aus der gesamten Pfalz der Altersklassen U16, U18, U20. Jonas Unruh vom LC Haßloch, Lilly Brocker, Luzie Herrmann, Benjamin Marwitz und meine Tochter Mia vom TV Nußdorf, Lilly Hahn und Magdalena Gomes von der TS Germersheim, drei U16-Mittelstreckler aus Zweibrücken, Tilman Jedlitschka aus Enkenbach, und vom 1. FCK haben wir drei Athleten, die alle Platzierungen bei diesjährigen Deutschen Meisterschaften erzielt haben. Gibt es Kriterien, warum gerade sie für eine ganzheitliche Diagnostik vorgesehen sind? Eigentlich nicht. Wir wollten einen guten Mix aus allen Altersklassen und Disziplinen finden, das ist uns, glaube ich, ganz gut gelungen. Neben erfahrenen und bereits erfolgreichen Athleten haben wir hoffnungsvolle Nachwuchssportler berücksichtigt. Es schadet bei der Berücksichtigung auch nicht, in unserem Verein Mitglied zu sein. Es geht wohl um Erkrankungen des Bewegungsapparates, um Herz-, Kreislauf- und Gefäßerkrankungen, ums Zentralnervensystem, um den Verdauungstrakt. Sind Leistungssportler grundsätzlich kränker? Es geht nicht um den Verdauungstrakt und solche Dinge. Wir führen eine sportmotorische Testung mit leistungsdiagnostischem Ansatz durch. Wir wollen die körperlichen und konditionellen Fähigkeiten der Athleten auf Stärken und Schwächen untersuchen und sichtbar machen. Daraus resultieren Trainingsprozesse im Sinne von Verletzungsvorbeugung und Leistungsoptimierung. Es gibt uns die Möglichkeit, diesen Prozess zu begleiten und adäquat an die Entwicklung anzupassen. Also ich teste das Leistungsvermögen, stelle dagegen, wie es sein sollte, und wenn es nicht übereinstimmt, ist klar, da stimmt etwas nicht? Wenn es nicht passt, wissen die Trainer und Athleten, wo Defizite sind und woran sie arbeiten müssen. Wenn man das Problem herausfindet. Theoretisch wird der Athlet zum Zahnarzt geschickt … … das war ja bei Franck Ribéry so. Er hat lange herumgedoktert an irgendwelchen Entzündungen im Körper. Es gibt viele Physiotherapeuten. Warum das Sport-Reha-Zentrum? Mike Steverding ist nicht nur im Spitzensport ein gefragter Fachmann. Sein neues Sport-Reha-Zentrum in Landau bietet beste Möglichkeiten an einem gut gelegenen Standort. Er war von unserer Idee vom ersten Gespräch an begeistert und unterstützt unsere Pläne großzügig. Wir waren auch mit anderen Physiotherapeuten in Kontakt. Es ist wichtig, dass sich jemand auf diese Ideen, diese Visionen, die wir haben, einlässt. Begeben sich die Sportler in eine Abhängigkeit oder haben Sie die freie Arztwahl, wenn sie nach einem Wettkampf Beschwerden haben? Jeder Athlet kann entscheiden, zu welchem Physio und Arzt er geht. Wir möchten mit dieser Kooperation nur helfen. Es ist keiner gezwungen, zu Mike Steverding zu gehen. Spitzenleistungen lassen sich am besten beschwerde- und verletzungsfrei erzielen. Dass wir hier eine Vorreiterrolle einnehmen, wurde mir bereits aus anderen Landesverbänden bestätigt. Es ist mir auch wichtig, Athleten, Trainer und Eltern für dieses Thema zu sensibilisieren. Nach meiner Erfahrung beschäftigen sich viele Athleten und Eltern zu wenig mit diesem Thema. Athleten wollen weitermachen, auch wenn es ein bisschen mehr zwickt. Ihr Förderverein übernimmt die Hälfte der Kosten. Wie viele Mitglieder hat er und: sind alle Sportler? Unser Förderverein, der im Sommer 2016 gegründet wurde, zählt 54 Mitglieder. Seit Beginn unserer beachteten Workshops Ende 2017 konnten wir über 30 neue Mitglieder begrüßen. Überwiegend sind Sportler oder deren Eltern eingetreten. Immer mehr Trainer und Vereine honorieren unser Angebot, indem sie Mitglied werden. Für Mitglieder sind unsere Fortbildungs-Workshops übrigens kostenfrei. Wie hoch ist der Mitgliedsbeitrag? 50 Euro im Jahr. Im Idealfall: Wie erreicht Ihr Verein sein Ziel? Wir möchten Strukturen schaffen, damit begabte Athleten ihren Vereinen in der Pfalz möglichst lange treu bleiben können. Neben dem Angebot regelmäßiger Workshops für Athleten und Trainer und dem Aufbau der medizinischen Versorgung können wir uns mittelfristig vorstellen, Trainingslager zu veranstalten und Trainingsgruppen zu fördern. Ein Ziel gibt es eigentlich gar nicht, nur dies: Strukturen schaffen für erfolgreichen Leistungssport in der gesamten Pfalz. | Interview: Thomas Cattarius