Lokalsport Südpfalz
Westernreiten: Absolute Stille
Großes Lob hat es mal wieder für den RFV Zeiskam gegeben. Die Erste Westernreiter Union schätzt die Anlage und will auch in den kommenden Jahren ihre Landesmeisterschaften im zweijährigen Wechsel mit dem Saarland in der Südpfalz ausrichten. Fast ein Heimspiel für Benedicta Stöcklein aus Erlenbach und Kim Vanessa Wehnes aus Kandel.
„Wir haben hier erstklassige Bedingungen und die Infrastruktur könnte nicht besser sein“, sagte Kerstin Wehnes, die Landesvorsitzende der EWU, nach der fünften Meisterschaften im Westernreiten in Folge in Zeiskam. Ganz zur Freude von Manfred Baltruschat, dem in Zeiskam wohnenden Westernreiter. „Wir haben auch in diesem Jahr wieder sorgfältig prüfen müssen, welche Disziplinen wir in die Halle verlagern müssen“, sagte Wehnes. Gerade die unterschiedliche Bodenbeschaffenheit sei zu beachten.
Das Miteinander zwischen Pferd und Reiter steht im Vordergrund. Birgit Janson (54), die in Germersheim lebende Reiterin, weiß, wovon sie spricht: Seit fast 50 Jahren sitzt sie im Sattel, sie bildet ihr eigenes Pferd aus. Sie zeigte sich hocherfreut über die Fortschritte. Bei ihr spürt man die Leidenschaft, sich mit dem Tier auseinanderzusetzen und eine Harmonie zu schaffen.
Auf dem Weg zurück in LK 1
Die Titelkämpfe in Zeiskam waren die letzte Möglichkeit, sich direkt für die German Open, die Deutschen Meisterschaften, zu qualifizieren. Nicht in Kreuth am Start sein wird Nicole Bitsch-Zekl. Die Mutter einer dreijährigen Tochter, die zuletzt wenig Turniere bestritt und in die Leistungsklasse 2 abgerutscht ist, strebt den Aufstieg in die Leistungsklasse 1 an und will das Ziel DM erst 2020 in Angriff nehmen. Die 36 Jahre alte Pädagogin aus Bornheim, die an der Berufsschule in Annweiler lehrt, will zunächst die weitere Ausbildung mit ihrem Pferd in den Vordergrund stellen. Mit dem sechsten Platz im Western Horsemanship zeigte sie sich hochzufrieden: „Es ist super gelaufen, mein Pferd ist noch sehr jung, aber ich spüre, dass es immer besser wird. Es hat heute einfach Spaß gemacht“, sagte die Westernreiterin, die direkt nach ihrem Ritt ihre Tochter Leanne in den Arm nahm.
So konnte sich ihr Ehegatte Nicolas auf seinen nächsten Ritt vorbereiten. Der 42 Jahre alte Systementwickler bei Daimler in Germersheim ist ein begeisterter Westernreiter und besitzt inzwischen auch die Lizenz, um als Richter auf regionalen Turnieren die Prüfungen abnehmen zu können.
Punktabzug beim kleinsten Fehler
Wenn Benedicta Stöcklein und Kim Vanessa Wehnes in ihren Prüfungen waren, machte es sich ihr Trainer etwas gemütlich. Oliver Wehnes lehnte sich über die Bande, er zeigte keine Reaktion. Die Prüfung in der Meisterschaftsklasse Western Horsemanship stand auf dem Plan. Bei der Horsemanship stehen die Leistungen des Reiters im Vordergrund. Zur Bewertung kommen unter anderem die Hilfengebung und die Haltung während der Lektionen. Es sind keine spektakulären, dafür aber penibel nachzureitende Manöver. Der kleinste Fehler wird mit Punktabzügen bestraft.
Stöcklein hält die Zügel mit der linken Hand auf ihrem Pferd Whiz My Advocate, sie sitzt angespannt im Sattel und ist fokussiert auf die vielen Übungen. Ihr Blick geht gerade aus, die Harmonie zwischen ihr und dem Pferd stimmt.
„Es war eine ganz tolle Vorstellung“, meinte ihre Trainer Oliver Wehnes. Er klatschte seine Schülerin ab. Stöcklein verfolgte dann den Auftritt ihrer Kollegin Kim Vanessa Wehnes (22), die als vorletzte Starterin auf Big Rodeo Rooster in den Parcours muss. Es herrscht absolute Stille, als die Südpfälzerin vor den Augen von Richterin Melanie Haug im Viereck Übung um Übung auf ihrem Vierbeiner demonstriert. Sie wirkt erstaunlich souverän und zeigt eine brillante Vorstellung.
Kleine Details entscheiden
Ihr rann nach dem Auftritt der Schweiß von der Stirn, sie wirkte erleichtert. „Ich bin heute super zufrieden, denn ich bin noch nicht so lange auf diesem Pferd und ich dachte, mir fehlt noch viel Erfahrung“, sagte Wehnes. Ihr Vater war überrascht:. „Das war heute von beiden ganz ordentlich, aber manches hätte da und dort etwas flüssiger sein können“, sagte das frühere Mitglied der Nationalmannschaft. „Ich bin gespannt, wie die Richterin ihr Urteil fällen wird.“
Er sah Stöcklein und seine Tochter ganz vorne. „Es werden ganz kleine Details sein, die den Unterschied ausmachen.“
So kam es auch. Stöcklein (27), die seit zwölf Jahren von ihm betreut wird, setzte sich hauchdünn in der Disziplin Western Horsemanship durch. Für Kim Wehnes, die gerade ein Duales Studium im Bereich Handel begonnen hat, reichte es zu Silber.
Mit dem Landesmeistertitel in der Western Horsemanship scheint Stöcklein für die Titelverteidigung bei den German Open im bayrischen Kreuth bestens gerüstet zu sein. Kim Vanessa Wehnes, die in den Disziplinen Ranch Riding und Superhorse zu den erfolgreichsten Teilnehmern zählte, wird nicht bei den German Open sein. Aus beruflichen Gründen muss sie passen. Ihr Vater wird sie mit ihrem Pferd Big Rodeo Rooster würdig bei den German Open vertreten. wij