Lokalsport Südpfalz
Voltigieren: Congia zu Tränen gerührt: Europameisterin im Pas-de-Deux
„Es ist genau das, wovon ich früher geträumt habe.“ Die Offenbacher Voltigiererin Chiara Congia darf sich seit Sonntag nicht nur Weltmeisterin, sondern auch Europameisterin nennen. An der Seite von Justin van Gerven gewann sie im niederländischen Ermelo die Goldmedaille im Pas-de-Deux.
Es war eine imponierende Leistung der beiden für den Voltigierverein Köln-Dünnwald startenden Spitzenathleten. Am Freitag, Congias 22. Geburtstag, verschafften sie sich eine ideale Ausgangsposition. Als vorletztes der sechs Paare gingen sie an den Start. Diesmal mussten ihre Dauerkonkurrenten in diese Saison, Janika Derks und Johannes Kay aus Neuss-Grimlinghausen, vor ihnen ran. Die beiden, die bislang immer die Nasen vorne hatten, leisteten sich kleinere Fehler und Unsauberkeiten in ihrer akrobatisch spektakulären Kür. Das zeigte sich an der Note 8,456. Congia und der 23-jährige Van Gerven konterten, ihr Auftritt auf Picardo an der Longe von Alexandra Knauf wurde mit einer 8,833 belohnt. So hoch war das Paar noch nie bewertet worden. „Wir waren megafroh, dass die erste Runde so gut lief. Ein paar Kleinigkeiten konnte man noch besser machen“, bemerkte Congia. Das war das Ziel für das Finale am Sonntag.
Höchstschwierigkeiten auf den Punkt geturnt
„Wir sind rausgegangen, als wäre alles komplett auf null gestellt. Wir wollten einfach nur unsere Kür noch besser machen“, erzählte sie. Dass Derks/Kay jetzt eine 8,617 erhielten, bekamen Congia/van Gerven gar nicht richtig mit. Die Stimmung in der bis auf den letzten Platz besetzten Halle erreichte einen weiteren Höhepunkt. „Ich war eigentlich gar nicht so mega aufgeregt“, sagte Congia im Rückblick auf die Minuten vor dem entscheidenden Start. Was dann kam, sorgte für Begeisterungsstürme. Eine nahezu makellose Kür, auf den Punkt geturnte Höchstschwierigkeiten, die harmonische Ausstrahlung und die ausgefeilte Choreografie beeindruckten Publikum und Richter.
Erstmals eine Note jenseits der Neunergrenze
Congia und van Gerven warteten in der Kiss-and-Cry-Area auf ihre Noten, da wurden sie schon von allen Seiten beglückwünscht. „Das ging so schnell, ich habe die Noten gesehen, realisiert hatte ich das aber nicht“, erzählte die Psychologie-Studentin. Erstmals hatte das Paar mit 9,053 eine Note jenseits der Neunergrenze erzielt. Die Bewertung für die Ausführung schrammte mit Noten zwischen 9,7 und 9,8 nur knapp an der Idealnote 10,0 vorbei. Selbst der nicht immer einfache Picardo zeigte sich europameisterlich. „Mich freut, dass Picardo so gute Noten bekommen hat“, sagte Congia. Am Ende lagen Congia/van Gerven mehr als vier Zehntel vor Derks/Kay. Danach ging’s auf die erste Ehrenrunde. Draußen vor der Halle nahm die aus Offenbach angereiste Familie die neue Europameisterin in Empfang.
In den nächsten Tagen wird Congia daheim vorbeischauen. Viel Zeit hat sie nicht, vom 9. bis 11. August steht die DM in Alsfeld auf dem Programm. Ob sie dann im Einzel, im Doppel und mit dem Team Norka startet, steht noch nicht fest. Im Moment kommt ihr das noch unwirklich vor: „Das ging alles so schnell, bis man das realisiert hat, dauert es noch.“