Basketball RHEINPFALZ Plus Artikel TVB fehlen nach Aufholjagd die Körner

Johannes Jäger (rechts) erzielte zehn Punkte des TV Bad Bergzabern. Links 26-Punkte-Werfer Emre Kazmierczak.
Johannes Jäger (rechts) erzielte zehn Punkte des TV Bad Bergzabern. Links 26-Punkte-Werfer Emre Kazmierczak.

Was für ein verrücktes Match! Der TV Bad Bergzabern liegt in der zweiten Hälfte mit fast 30 Punkten zurück, acht Minuten später aber plötzlich vorne. Doch umsonst. Der Tabellendritte ACT Kassel bekommt die zweite Luft.

Wunder gibt es immer wieder. Viele Fans konnten nicht glauben und schon gar nicht erklären, was sie sahen. Sie hätten gerne das für einen Moment so greifbar nahe „Basketball-Wunder“ staunend angenommen. Doch die Party blieb aus. Der TV Bad Bergzabern verlor in der 2. Basketball-Regionalliga Südwest mit 79:91 (32:50) gegen den Tabellendritten ACT Kassel.

Wie Phönix aus der Asche

25 Minuten ganz schwach performt, beim 39:66-Rückstand (26.) „mausetot“, um dann wie Phönix aus der Asche aufzusteigen: 34 Treffer in acht Minuten sind die Bilanz des sehenswerten TVB-Rauschs, der aus dem Nichts kam. Dank dieser 34:6-Serie führte der TVB plötzlich mit 73:72 (34.). Das Match stand auf dem Kopf. Jeremy Black war es, der die Halle zum Beben brachte. Zuvor sorgten Bergzaberns Spielertrainer selbst sowie Chris Adam, Johannes Jäger, Eric Bergmann und Jan Wroblewski mit sechs Dreiern in nur drei Minuten für den „Hallo-Wach-Effekt“, der die zweieinhalb Viertel lang tief schlafenden Kurstadt-Korbjäger plötzlich elektrisierte. Auch Philipp Behrendt griff jetzt jeden Rebound ab und punktete sicher an der Freiwurflinie.

Überdreht

Der Glaube an sich selbst war zurück. Jeder in der Halle spürte, dass das Momentum jetzt auf TVB-Seite war. Zumal bei Führung der Turnverein, zwei weitere gute Chancen hatte, den Vorsprung auszubauen und Kassel komplett ins Abseits zu stellen. Doch eine ACT-Auszeit im richtigen Moment ließ die Gäste mit neuer Ausrichtung und Fokussierung defensiv und offensiv zu alter Stärke zurückkehren, während der TVB das Glück erzwingen wollte und mit überhasteten Aktionen überdrehte.

Es waren auch die „Körner“, die in der Crunchtime den ausgepumpten TVB-Jungs fehlten und den Hessen die zweite Luft gaben. „Mann, war das ein wildes Spiel“, schnaufte Jan Wroblewski nach der Schlusssirene durch. „Dass Kassel lange Zeit so auftrumpfte und das Match eindeutig dominierte, war nur unserem eigenen Versagen geschuldet. Wir haben in der ersten Halbzeit in der Verteidigung überhaupt nicht miteinander gesprochen und im Zweikampf- und Rebound-Verhalten uns ganz schwach präsentiert. Fast 30 Zähler lagen wir zurück, Wahnsinn. Im dritten Durchgang lief es dann endlich so, wie wir es uns vorstellten und was unserem Potenzial entspricht. Doch die Aufholjagd kostete zu viel Kraft.“

Langenfeld: Eine Minute fühlt sich an wie 40

Körperlich und mental komplett leer wirkte auch Martin Langenfeld. „Ich habe die letzten zwei Wochen wegen starker Grippe nicht trainieren können, hatte lange Fieber und habe sechs Kilo abgenommen. Gefühlt ging es täglich nur ein Prozent bergauf“, sagte Bergzaberns Regisseur. „Ich hätte dem Team so gerne Energie gegeben. Doch es ging nicht. Immer, wenn ich eine Minute auf dem Feld stand, fühlte es sich an, als wäre ich schon 40 Minuten das Feld rauf und runter gerannt.“

Referee Poreba souverän

Die völlig verschiedenen, rational nicht zu erklärenden Spielverläufe von „zutiefst deprimiert über himmelhochjauchzend bis am Boden zerstört“ hätten nichts mit einem Wunder zu tun, versicherte Peter Poreba. Der erfahrene Regionalliga-Referee bot eine fehlerfreie, souveräne Vorstellung. „Basketball ist ein irres, unter die Haut gehendes Spiel. Selbst in der letzten Minute können zehn Punkte Rückstand noch wettgemacht werden“, sagte der in Wörth lebende Schiedsrichter. „Es hängt immer am Glauben und der richtigen Einstellung. In diesem verrückten Match war der ACT Kassel nach einer starken ersten Hälfte im dritten Viertel zu viel mit einzelnen Aktionen und Entscheidungen beschäftigt und haderte oft. Während Bergzabern nach der Pause als Team zusammen kämpfte, schnell spielte und extrem motiviert war. Das gibt dann den Ausschlag dafür, dass es zu solch unterschiedlichen Phasen kommt. Aber das macht ja gerade den Reiz im Basketball aus.“

So spielte der TVB: Wroblewski (20 Punkte), Black (19), Behrendt (14), Jäger (10), Bergmann (8), Adam (6), Illgen (2), Kretschmer, Langenfeld, Mack, Tübel.

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