Lokalsport Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Turnen: „Zieh, zieh, perfekt“ – Training der Jüngsten beim TV Landau

Fürs Foto schnell mal in die Grube gesprungen: die Leistungsgruppe der Turner bis Jahrgang 2011.
Fürs Foto schnell mal in die Grube gesprungen: die Leistungsgruppe der Turner bis Jahrgang 2011.

Knirpse, die an den Ringen üben, als wollten sie 2032 bei den Olympischen Spielen antreten, sind beim Turnverein in Landau zu bestaunen. Übungsleiter Samuel Soffel führt sie mit leichter Hand und hält sie in Spannung. Ein Trainingsbesuch in der neuen Vereinshalle mit der riesigen „Schnitzelgrube“.

Ein Stützpunkt für die Kunstturner in der Pfalz: ist in Planung. Die Rückkehr der Pfalzauswahl in die Dritte Liga: in der Mache. Die neue Halle am Turnerheim lässt das Potenzial beim TV 1861 Landau in die Höhe schießen. Olympiateilnehmer? Ein verwegener Gedanke. Aber wie die „kleinste“ Leistungsgruppe des Vereins kurze Übungen an den Ringen vollführt, so haben Olympiasieger auch mal begonnen: Beine zusammen, mit gestreckten Füßen in die Kerze, Knie an die Nase!

Wie herrlich muss es sein, jung und so biegsam zu sein.

Trainer Samuel Soffel hat sich mit ein paar Sprungkästen eine Unterlage gebaut und kniet direkt neben den schwebenden Stars von morgen. Er erklärt die Details, die stimmen müssen, gibt Hilfestellungen. Und hat nebenbei ein Auge auf die anderen, die unten den V-Griff üben, Handstände machen, die Zugstemme üben, indem sie sich bäuchlings auf eine Bank legen und nach vorne ziehen.

Tschüss Papa

Kein Meister ist vom Himmel gefallen. Theo, Jamy, Leander, Florian, Jonas, Janis, Paul und die anderen sind sechs, sieben oder acht Jahre alt, sie kommen aus Landau, Rülzheim, Erlenbach, Queichhambach, Böhl-Iggelheim. Eine Auto nach dem anderen ist vorgefahren: Tschüss Papa. Für den Weg zur Halle ziehen die Jungs sich Masken über. Eltern haben keinen Zutritt. Kaum präsentieren sie sich einheitlich im schicken Turnanzug, hängen sie am Reck oder machen Handstand. Soffel ruft sie zu sich: „Philipp kommt gleich, Stefan muss noch arbeiten.“ Philipp Mäuslein aus St. Martin ist Minuten später da. Er unterstützt Soffel als Trainer und wird danach selbst trainieren mit Stefan Hertel, der die Pfalzauswahl fit macht für die Landesliga. Hier geht es um die Rückkehr in die Dritte Liga.

Große Erfolge fangen im Kleinen an. „Fünfmal hin- und herlaufen, eine Bahn rückwärts, Armkreisen!“ Die „Schnitzelgrube“, zwölf mal fünf Meter groß, lassen die Jungs links liegen. Sie ist das Prunkstück, Soffel hat sich für sie stark gemacht. Mit dem Grubenbau begann der Bau der Halle: ein 1,20 Meter tiefes Loch. Nun ist es gefüllt mit einer 60 Zentimeter tiefen weichen Matte und darauf bis zum Rand 40 mal zehn Zentimeter großen Schaumstoffschnitzeln. „Wir haben einen unglaublichen Zugang im Erwachsenenturnen“, erzählt Soffel. Mit 18, 19 Jahren am Reck mal unfallfrei einen Salto turnen. „Bei den Kleinen geht es um die Grundlagen, da sind die Abgänge noch nicht so wichtig.“

Das A und O

Mit Radschlagen geht es los. „Spannung halten“, ruft der Trainer, „sehr schön, Leander. Auf geht’s, Jamy. Schön über die Seite turnen.“ Nächste Übung: Oberkörper bei gestreckten Beinen beugen und die Handflächen hinter den Füßen aufsetzen.

Körperbeherrschung und Beweglichkeit sind das A und O. Dreimal in der Woche gehen die Jungs dafür ins Training. Im Idealfall üben sie das auch zu Hause, um den Anforderungen gerecht zu werden. „Ansonsten ist es schwierig in der Gruppe“, bemerkt Soffel.

Nicht jedes Kind hat das Zeug fürs Leistungsturnen. Parallel bietet der Verein Breitensport an, Yannick Janvier und Johanna Geisler sind nebenan im Turnerheim. Ist ein Talent dabei? „Oft wollen die Kinder, aber die Eltern nicht. Oft ist es umgekehrt“, sagt Soffel. Entdecken seine Mitstreiter ein Talent, holt er es zu sich. Dasselbe Prinzip gibt es beim Mädchenturnen. Der Verein nutzt drei weitere Hallen an anderen Standorten.

Und jetzt in den Spagat

Die Leistungsgruppe hat sich Handtücher geschnappt: Jeder sitzt auf seinem Handtuch und bekommt eine Schwimmnudel. Arme mit der Nudel hochstrecken. Vorstrecken bis zur Fußspitze, halten, Brust auf die gestreckten Knie. Anstrengend ist das. Manch einer stöhnt leicht. Und jetzt in den Spagat. Einmal rechts. Einmal links. Seitspagat. Im Sitzen Hände und Brust auf den Boden. Im Sitz die Beine hochziehen und halten ...

Wow! Die Jungs ziehen das durch. Auf demselben Niveau sind sie nicht. Aber so gut wie. Trinkpause.

Kraft an den Ringen

Die Gruppe wird geteilt. Jetzt auf dem Plan: Vorübungen für die Kreisflanken am Pauschenpferd mit Mäuslein, Kraft- und Schwungübungen an den Ringen mit Soffel. Paul ist an den Ringen dran. Beine strecken und halten. „Klasse, Paul. Komm, zieh, zieh. Perfekt.“ Soffel fällt jede Unsauberkeit in Augenhöhe mit den Turnenden auf. Er korrigiert, fordert zu Langsamkeit auf. „Was hab’ ich gesagt?“ Mit dem Querruf erreicht er den anderen, der bei der Handstandübung an der Mauer nachlässt. Wechsel.

Soffel tut den Kindern und dem Landauer Verein gut. Mit 16 begann er als Übungsleiter daheim nahe Bingen, im Oktober 2012 kam er nach Landau, bot sich Vereinen an und stellte sich beim TV 1861 Landau vor, der zugriff. Er unterrichtet an einer Förderschule. Im Januar zeichnete der Sportbund Pfalz ihn als ein Newcomer des Jahres aus.

Zur Sache: Stickerstars

Kopf hoch, Brust raus, Foto. Theos Porträt für das Stickeralbum ist fertig, bald ist er ein Stickerstar. Der mitfotografierte Strichcode auf dem Tablet erleichtert Samuel Soffel die Zuordnung, er muss nichts aufschreiben. Er sei während des Lockdown darauf gestoßen, erzählt der Trainer und Jugendvorstand des Turnvereins im ASV Landau: „Das wäre doch eine gute Idee, damit wir in Verbindung bleiben.“

250 Männer, Frauen, Jugendliche und Kinder sind abgelichtet, dazu gibt es Teamfotos und einen Text über die Geschichte des Vereins. Soffel ist es wichtig: „Hey, wir gehören alle zusammen.“ Volleyballer, Turner, Leichtathleten. Die Ballschule und Ultimate Frisbee. Der Spielmannszug. Taucher hatte der Verein auch schon mal. Der Vorstand und die Ehrenmitglieder ließen sich ebenfalls ablichten.

Im SBK-Markt zu kaufen

Wegen Corona stellte die Stickerstarsfirma dem Verein die Technik zur Verfügung, er hat die Stickerbox permanent im Hause. „Sponsoren dürfen für 50 Euro ihr Logo platzieren“, sagt Soffel. Der Verein ist darauf aus, an weitere Euro für die Ausstattung der neuen Turnhalle zu kommen. Vier Euro soll das Album im Handel kosten, davon gingen zwei Euro an den Verein. Am 28. November soll der Kick-off sein: Zehn Wochen lang sei das Album in Zusammenarbeit mit dem SBK-Markt in Landau erhältlich.

Das Album wird Theo immer an seine Anfänge erinnern. Das Talent hat er wahrscheinlich von seinem Vater Matthias, der früher turnte. Wegen einer schweren Schulterverletzung kann er gerade nicht viel tun.

Brust raus! Trainer Samuel Stoffel mit Theo, der am Montag seinen achten Geburtstag feierte.
Brust raus! Trainer Samuel Stoffel mit Theo, der am Montag seinen achten Geburtstag feierte.
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