hintergrund RHEINPFALZ Plus Artikel Trikots machen Leute

Pascal Ackermann bei der Deutschland-Tour.
Pascal Ackermann bei der Deutschland-Tour.

Was bleibt hängen, der Sportler oder der Verein? Wenn Radsportstars wie Pascal Ackemann und Fußballprofis wie Dominique Heintz den Verein wechseln, heißt das für den heißblütigen Fan nicht selten, dass er sich ein neues Trikot kaufen wird.

Viele Profisportler sind Stars. Sie haben Fans, tragen Trikots ihrer Mannschaften, die von Vereinen zum Kauf angeboten werden. Heißblütige Fans und Kinder kaufen sie und tragen sie beim Freizeitsport und im Alltag. Wenn nun einer der Stars die Mannschaft wechselt, dann stellt sich die Frage: Was ist dem Fan wichtiger - die Mannschaft oder der Lieblingssportler?

Radprofi Pascal Ackermann hat bekanntgegeben, dass er nach einem enttäuschenden Jahr bei seinem Rennstall Bora-Hansgrohe neue Wege gehen wird. Nicht jeder Fan freut sich über den Wechsel des Minfelders zum UAE-Team Emirates. Das Bora-Trikot, weiß und minzgrün, macht was her, die Fahrer des deutschen Rennstalls haben seit der Verpflichtung der wohl schillerndsten Figur im Radsport, Peter Sagan, viele Sympathien gewonnen. Die Ackermann mit seinen Starts bei kleineren Rennen in der Region noch gesteigert hat. Die Trikots verkauften sich immer besser. Sie gaben an der Weinstraße manch einem Hobbyradsportler ein Gefühl für den richtigen Dresscode.

„Das Trikot von UAE kaufe ich mir nicht“

Und jetzt? „Wenn er zu Deceuninck-Quick-Step gewechselt wäre, hätte ich mir vielleicht sein neues Trikot gekauft, das von UAE kaufe ich mir nicht“, sagt Stephan Adams. Der Radsport-Liebhaber lebt nach einem mehrjährigen beruflichen Zwischenstopp in Landau wieder in Köln. Er hat hier sein Studium beendet, dann am Pfalzklinikum gearbeitet. Er war im RSC Landau und da regelmäßig Teilnehmer im Hobbyradtreff. Der 29-Jährige hat hier geheiratet. Die Rennlizenz löste er 2020, konnte aber wegen Corona nicht fahren.

„Bei UAE sticht Ackermann künftig als Sympathieträger heraus – es gibt dort ja sonst nicht viele“, sagt Adams, der sich gerne als Fan von Bora-Hansgrohe bezeichnen lässt, aber eben auch als einen von Ackermann. Künftig werde er eben beide Entwicklungen verfolgen, sagt er. Nach dem Sieg John Degenkolbs bei Paris-Roubaix 2015 hatte er dessen damaliges Trikot gekauft.

Viele mit FCK-Trikot in Kirrweiler

Während im Radsport Rennställe kommen und gehen und meist keine langjährige Tradition haben – und wenn, dann mit unterschiedlichen Namen –, ist das im Fußball anders. In Kirrweiler war man stolz, als einer aus dem Dorf beim 1. FC Kaiserslautern 2012 in der Bundesliga, danach in der Zweiten Liga spielte: Dominique Heintz. Viele Kinder hatten das FCK-Trikot mit dem Namen des Kirrweilerers. Dann wechselte Heintz zum 1. FC Köln.

„Im Kindertraining waren deshalb keine Köln-Trikots zu sehen. Aber wir sind dann mit dem Bus zu Spielen an den Rhein gefahren, um Dominique zu sehen“, sagt Thomas Lisiecki, Vorsitzender des SV Herta Kirrweiler. Er beobachtet seit Heintz' Wechsel nicht nur seinen Herzensverein 1. FC Kaiserslautern, sondern auch die Entwicklung von Köln damals und Freiburg, wo Heintz inzwischen kickt.

Auch Heiko Herdel, Jugendfreund von Heintz, sieht keinen Trend, dass in Kirrweiler vermehrt Freiburger Trikots das Ortsbild prägen. Er vermutet, dass das dem bodenständigen Fußballer auch gar nicht so recht wäre: „Er will keinen Kultstatus haben“, ist sich Hertel sicher.

„Ich war immer Fan des 1. FC Kaiserslautern, war auf allen Spielen, aber von Dominique genauso. Ich bin Nachbar, kenne ihn als Kind“, sagt Reinhold Hartard. Er gesteht: „Ja, ein Köln-Trikot und viele Fanartikel des SC Freiburg habe ich inzwischen auch.“ Bei Bürgermeister Rolf Metzger ist die Sache noch eindeutiger: „Ich bin kein großer Sportfan mehr, aber die Entwicklung von Dominique Heintz interessiert mich. Ich freue mich, wenn er in der Presse gelobt wird.“

Auch wenn Lisiecki vermutet, dass Dominique Heintz nicht populär genug sei, um eine harte Fanbasis zu haben, die ihm auf Schritt und Tritt folgt, so ist doch klar: Ohne Heintz’ Wechsel nach Köln und später Freiburg wäre wohl kaum ein Kirrweilerer auf die Idee gekommen, dort ein Spiel ohne Kaiserslauterer Beteiligung zu schauen. Geschweige denn Fanartikel dieser Vereine zu erwerben. Die Bindung zum Star ist also durchaus gegeben und auch messbar.

„FCK nicht mehr so populär beim Nachwuchs“

Noch besser vielleicht am anderen Ende der Pfalz: im Musikantenland Kusel. Dort wuchs WM-Rekordtorjäger Miroslav Klose auf und startete zu seiner Weltkarriere durch – zunächst beim 1. FC Kaiserslautern, dann bei Werder Bremen, anschließend beim FC Bayern. Bernhard Weber, heute Schriftführer beim FV Kusel (Kloses Heimatverein Blaubach-Diedelkopf ist aufgelöst), erinnert sich: „Das eine oder andere Bremer und später Münchener Trikot war dann doch im Jugendtraining auf den Fußballplätzen hier zu sehen. Aber die meisten sind beim FCK geblieben.“

Und heute: „Da ist der 1. FC Kaiserslautern sowieso nicht mehr so populär bei den Nachwuchs-Fußballern. Die kommen in München-, Dortmund-, Nationalmannschaftstrikots ins Training“, sagt Lisiecki. „Aber ab und zu ist dann noch ein altes FCK-Trikot dabei, auf dem der Name ,Heintz’ zu lesen ist.“

 UAE-Trikot.
UAE-Trikot.
 Zweimal Dominique Heintz: 2014 als Lauterer.
Zweimal Dominique Heintz: 2014 als Lauterer.
 Im Mai 2020 im Trikot des SC Freiburg.
Im Mai 2020 im Trikot des SC Freiburg.
Miroslav Klose 2011 bei Bayern München.
Miroslav Klose 2011 bei Bayern München.
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