Tischtennis
Tanzen fürs Gehirn
„Tischtennisspielen stellt eine vielversprechende Form der Physiotherapie für Parkinson Patienten dar!“ Der Meinung ist die Bundesgeschäftsstelle PPP (PingPongParkinson) Deutschland, die für Betroffene auch Turniere organisiert. PPP ist eine recht jungen Organisation, die am 2. Februar 2020 gegründet wurde. Vor Kurzem richtete der VfL Bellheim eine Gruppe ein.
Es gibt sogar eine PingPongParkinson-Weltmeisterschaft. 329 Spieler aus 29 Nationen waren für die Titelkämpfe im Oktober in Lignano Sabbiadoro bei Venedig gemeldet. Noch ist die Bellheimer Gruppe mit drei Männern recht klein. Doch ist Fritz Rothhaas, der selbst an Parkinson erkrankt ist, zuversichtlich, dass sich noch mehr Kranke aus Bellheim und Umgebung für das schnelle Spiel mit dem kleinen Ball begeistern werden. So gibt es beispielsweise in Germersheim eine Selbsthilfegruppe für Parkinsonerkrankte. Vielleicht lassen sich ja aus dieser Gruppe Frauen und Männer einmal in der Woche nach Bellheim lotsen. „Wir wollen eine Lawine lostreten“, zeigt sich Rothhaas voll motiviert.
In der Öffentlichkeit bleiben
Die Nervenkrankheit Parkinson ist nicht heilbar, aber es gibt Wege, die Symptome zu verlangsamen. Einer dieser Wege ist tatsächlich der Tischtennissport. Studien haben gezeigt, dass das regelmäßige Tischtennisspielen motorische Fähigkeiten und Koordination verbessern kann. Tischtennis erfordert schnelle Reaktionen, präzise Bewegungen und eine gute Hand-Augen-Koordination, was sich positiv auf die motorischen Fähigkeiten der Betroffenen auswirken kann.
PPP will mit seinen Gruppen nicht zuletzt dafür sorgen, dass sich Erkrankte, auf Grund ihrer doch mitunter recht offenkundigen Symptome, nicht aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Zudem ermutigt PPP dazu, dass Kranke sichtbares Teil der Gesellschaft bleiben. Dies sei gerade durch Tischtennis gut möglich.
Typische Symptome
Die in Tischtennisvereinen bestehenden Parkinson-Gruppen werden durch PPP miteinander vernetzt und mit neuen Erkenntnissen versorgt. Jörg Roßkopf, 1989 Weltmeister im Doppel und aktueller Bundestrainer der Männer, ist Botschafter von PPP. Aktuell gibt es 315 Stützpunkte in Deutschland. Bundesweit leben etwa 400.000 Menschen mit der Diagnose Parkinson. Typische Symptome sind Zittern, Muskelsteifheit und eingeschränkte Beweglichkeit.
„Tischtennis, das ist wie Tanzen fürs Gehirn“, heißt es bei PPP. Bei medizinischen Vorträgen in Germersheim wurde Fritz Rothhaas darauf aufmerksam, wie ihm Tischtennis im Umgang mit seiner Erkrankung helfen kann. In Speyer beim TTC gibt es eine Gruppe, die sich regelmäßig trifft. Hier war Rothhaas mit dabei. Doch ist es ihm, der in Bellheim wohnt, gerade in der dunklen Jahreszeit unangenehm, immer nach Speyer fahren zu müssen. So sprach er beim VfL Klemens Sauer an. Der Spieler der zweiten Mannschaft des VfL ist im Verein in erster Linie für den Nachwuchsbereich zuständig, doch fand er die Idee, in Bellheim einen Trainingsabend für Parkinsonerkrankte anzubieten, sehr interessant. Um Einblick in die Materie zu bekommen, schaute er sich beim TTC Speyer das Training an.
Mitten drin
Auch die Vorsitzende des VfL, Regina Gies-Wiegerling, hatte sofort ein offenes Ohr: „Der demografische Wandel spielt im Sport allgemein und eben auch beim Tischtennis eine immer größere Rolle. Wir setzen beim VfL zwar sehr viel auf die Jugendarbeit, wollen aber auch für ältere Menschen etwas anbieten, so in der Tischtennis-Abteilung. Dies ist nun mit der Parkinsongruppe der Fall, wobei es aber hoffentlich zu gemeinsamen Aktivitäten mit den anderen Spielern unseres Vereins kommt. Die Parkinson-Gruppe soll nicht nur dabei sein, sondern mitten drin.“
In Bellheim geht man derzeit für rund eineinhalb Stunden montags ab 20 Uhr an die Tische. Dann gibt Andreas Wölfel, Spieler in der dritten Mannschaft, Anleitungen, wie man einen Aufschlag ausführt und den Ball möglichst mehrmals über das Netz spielt. Denn ständig nur den Ball aufheben zu müssen, weil man diesen nicht getroffen hat, verleidet doch recht schnell den Spaß am Spiel.
Absolute Anfänger
Albrecht „Ali“ Bockmeyer, ebenfalls bei den Herren III im Einsatz, unterstützt Wölfel. Gerade spielt er Harald Jahnel Bälle zu. Diese nimmt er aus einem prall gefüllten Eimer, so muss er nicht ständig jeden Ball einzeln aufheben, der auf dem Boden landet. Das Ganze nennt sich Balleimertraining. Ist der Eimer leer, werden die Bälle eingesammelt und das Spiel beginnt von vorne.
Harald Jahnel hat nie aktiv Tischtennis gespielt. „Ab und an haben wir mal im Schwimmbad auf der dortigen Betonplatte ein bisschen geplätscht, aber das hat ja nichts mit dem echten Tischtennissport zu tun“, stellt er bescheiden fest. Fritz Rothhaas hatte in Jugendzeiten noch etwas Faible für Tischtennis, doch ebbte dieses bald ab, sodass er sich heute wieder als Anfänger bezeichnet. Wie seine beiden Leidensgenossen wohnt auch Norbert Decher in Bellheim. Er ist ebenfalls ein absoluter Neuling am Tischtennistisch.
Gemeinsam im Verein
„Es geht uns genau genommen weniger ums Spielen, als vielmehr um die therapeutischen Faktoren, wie Koordination und Reaktion. Gerade Letztere ist ja beim Tischtennis sehr wichtig. Das Gemeinsame hier im Verein gehört natürlich auch immer mit dazu“, freut sich Fritz Rothhaas auf nette Abende beim Training mit der Gruppe, die hoffentlich schnell wachsen wird.
Neben dem TTC Speyer ist auch der TTFC Waldrohrbach als offizieller Stützpunkt auf der Webseite von PingPongParkinson mit Kontaktadresse zu finden. Vielleicht kommt ja der VfL Bellheim schon bald dazu.
Info
Parkinson-Tischtennis beim VfL Bellheim montags ab 20 Uhr in der Sporthalle der Grundschule, Schulstraße 2
Ansprechpartner: Klemens Sauer, Telefon 0159 08 63 87 85
E-Mail: mail@vfl-bellheim.de