sportschiessen RHEINPFALZ Plus Artikel SV Appenhofen steigt auf

In Partylaune (von links): Niklas Christ, Christina Vatter, Alessa Dörrzapf, Karl-Heinz Hauck, Estera Herceg, Mathias Herder, Ju
In Partylaune (von links): Niklas Christ, Christina Vatter, Alessa Dörrzapf, Karl-Heinz Hauck, Estera Herceg, Mathias Herder, Julia Hauck, Volker Herder und Andreas Kehrt.

Ein kleiner Ort feiert seine Luftgewehr-Mannschaft. Whatsapp-Glückwünsche und Facebook-Einträge überhäufen sich, als klar ist: Der SV Appenhofen folgt dem SV Jockgrim und dem SV Schopp in die 2. Bundesliga. Zu Hause wird Polonaise getanzt.

Es ist geschafft! Mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga ist dem SV Appenhofen der größte Erfolg der Vereinsgeschichte gelungen. Die Nachricht vom Erfolg in Pforzheim ging wie ein Lauffeuer durch die „Schützenkanäle“. Das Team wurde am Sonntag gegen 17 Uhr im Schützenheim erwartet. Mitglieder und Freunde bescherten der Mannschaft einen kurzen, aber heftigen Empfang. Denn es blieb nur wenig Zeit zum Feiern.

„Der Flug von unserer kroatischen Schützin Estera Herceg zurück nach Zagreb stand unmittelbar an. Überwältigt war das Team, dass spontan der Ortsbürgermeister Dietmar Pfister einen familiären Termin unterbrach, um persönlich den Schützen samt Fans im Schützenhaus seine Glückwünsche zu übermitteln“, berichtet Volker Herder, der Architekt des Erfolges.

„We are the Champions“ klang es aus den Lautsprechen. Und als mehrmals die „Schwarze Natascha“ zur Polonaise aufgefordert habe, habe sich eine nicht enden wollende Menschengruppe durch das Schützenhaus geschlängelt. Herder: „Die Stimmung war fantastisch.“ Unzählige Glückwünsche hätten das Team und den Verein erreicht. Selbst der Geschäftsführer eines großen Zubehörhandels, Leo Fabry, habe Glückwünsche aus Köln nach Appenhofen gesendet.

Drei von elf

Wie verlief aber die Relegation zur 2. Bundesliga am Sonntag auf dem badischen Landesleistungsstützpunkt in Pforzheim? Neben dem SV Möglingen, Relegationsteilnehmer der 2. Liga, schossen zehn weitere Mannschaften um die dieses Jahr zu vergebenden drei Aufstiegsplätze. Da der SV Fenken aus der 2. Bundesliga den Sprung in die Eliteklasse geschafft hat, war ein Startplatz dazugekommen.

Volker und Mathias Herder sowie Karl-Heinz Hauck konnten auf alle Appenhofener Stammschützen zurückgreifen. Eine Überlegung: Schießen können sie alle. Doch was macht der Kopf an einem so wichtigen Wettkampftag, an dem sie zu einer bestimmten Uhrzeit liefern sollen? Nach Wochen harter Vorbereitung auf den Schießanlagen in Appenhofen, Rheinzabern und Waldfischbach, in der gezielt die Wettkampfsituationen simuliert und kognitive Stärken geschult wurden. Volker Herders Fazit: „Die harte Trainingsarbeit zahlte sich aus. Mental waren die Schützen top drauf. Die Ersatzschützen Karlheinz Hauck und Christina Vatter gaben der Mannschaft wichtigen Halt.“

Herceg hält ihre Form

Im Gegensatz zu den Ligakämpfen mit ihren Duellen zählt im Relegationsmodus das Gesamtergebnis aller fünf Schützen. Jeder wusste, was auf dem Spiel steht. Schwächen? Verboten.

Estera Herceg war am Samstagabend in Frankfurt eingetroffen. Sie schoss am Vormittag noch einen Wettkampf in Kroatien, bei dem sie von 600 möglichen Ringen 597 erzielte. 57 Zehner und nur dreimal die Neun, davon zweimal eine 9,9.

Herceg hielt ihre Form. 395 Ringe im ersten von zwei zu absolvierenden Wettkämpfen waren ein guter Start. Julia Hauck (392), Alessa Dörrzapf (388), Niklas Christ (388) sowie Andreas Kehrt 379, der leicht unter seinem Potenzial schoss, legten eine gute Ausgangsposition für den zweiten Wettkampf vor. Appenhofen lag mit 1942 Ringen und drei Ringen Abstand auf den führenden SV Möglingen an Position zwei und hatte acht Ringe Vorsprung auf den Vierten Sgi Lauf mit den Französin Clementine Krumm, die noch einmal 399 Ringe erzielen sollte. Der Druck war enorm.

Ein Zehner nach dem andern

Mathias Herder und Karl-Heinz Hauk schickten das Team kurz vor dem zweiten Start ins Freie. Frische Luft und Gespräche sollten den Team- Spirit steigern. „We want to see your best performence“, gab Mathias Herder der Nationalschützin in der Mannschaft zu verstehen. Wir erwarten dein Bestes!

Herceg stanzte einen Zehner nach dem anderen: 398 Ringe, eine Topleistung. Auch Julia Hauck lieferte: 387. Alessa Dörrzapf krönte ihre Leistungen der Saison mit 393 Ringen. Niklas Christ erzielte erneut 388 Ringe. Andreas Kehrt fand zurück zu alt bekannten Stärken: 386 Ringe. Mit 1952 Ringen hatte das Team das Tagesbestergebnis geschossen. Platz zwei mit nur noch zwei Ringen hinter Möglingen. Nur die Sgi Lauf konnte noch „gefährlich“ werden.

Letztendlich stand fest: Appenhofen steigt mit 3896 Ringen auf. Platz drei geht an die SSVG Brigachtal mit 3879 Ringen. Lauf hat 3877. Der zweite pfälzische Verein SV Herxheim belegt mit seinem an diesem Tag Besten, Stephan Rinck, mit 3864 Ringen den fünften Platz.

Und nun? Am 30. Juni endet die Wechselfrist. Bis dahin kann der SV Appenhofen die Mannschaft für die 2. Bundesliga verstärken. Wenn er Bedarf sieht. Nach dem großen Erfolg verschwendete Volker Herder keinen Gedanken daran. Herceq soll signalisiert haben, wieder für die Mannschaft aus dem kleinen Dorf anzutreten.

Estera Hercegs Trefferbild. Ihr 37. Schuss, 10,9, traf genau das 0,5 Millimeter kleine Zentrum. Im Schnitt schoss sie aus zehn M
Estera Hercegs Trefferbild. Ihr 37. Schuss, 10,9, traf genau das 0,5 Millimeter kleine Zentrum. Im Schnitt schoss sie aus zehn Metern Entfernung eine 10,45. Die beringte Scheibe hat einen Durchmesser von 45,5 Millimetern. Eine 9,9 heißt: neun Punkte.
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