Lokalsport Südpfalz
Sportsmänner: Michael Serr und seine Zeit beim 1. FCK – „Gerrys Schultern waren breiter“
Zeitweise war Michael Serr die Nummer 1 bei den Roten Teufeln. In acht Spielzeiten brachte er es auf 54 Einsätze in der Fußball-Bundesliga. „Im ersten Jahr habe ich bei den Amateuren gespielt. Ab dann lieferten wir uns schon immer einen engen Kampf um die Nummer 1“, sagt Serr über die Rivalität mit Gerry Ehrmann. Wie Ehrmann arbeitete Serr später eine Zeit lang als Torwarttrainer.
„In den ersten Jahren beim FCK war natürlich mein Ziel, eigentlich Stammtorhüter zu sein, beschwert habe ich mich allerdings nie. Ich war froh, Teil dieser Mannschaft zu sein. Zum Ende meiner FCK-Zeit spielte ich natürlich schon mit dem Gedanken, woanders hinzugehen. Aber damals war es auch nicht so, dass man nach Vertragsende ablösefrei gehen konnte. Auch da konnte der Verein noch verhandeln. Vielleicht wäre es damals besser gewesen, einen Berater zu haben“, blickt der 57-Jährige auf seine Zeit auf dem Betzenberg zurück.
Schienbeinbruch im ersten Spiel
In seinem ersten Pflichtspiel für die Profis wurde Serr gegen den SV Waldhof Mannheim eingewechselt, brach sich jedoch nach wenigen Minuten im Eins gegen Eins gegen den damaligen Mittelstürmer Fritz Walter das Schienbein. „Am Tag, an dem der Gips abgenommen wurde, bin ich sogar mit dem Fahrrad mit Gips von Offenbach nach Landau ins Krankenhaus gefahren. Das habe ich den Ärzten nicht verraten, aber sie haben sich gewundert, wie schnell alles wieder verheilt ist. Ich habe damals alles versucht, um so schnell wie möglich wieder spielen zu können, ein bisschen leichtsinnig war es natürlich aber schon“, erzählt Serr, der anfänglich auf einer anderen Position spielte.
Bis zum Ende der B-Jugend war Serr Stürmer in der Jugend des TB Jahn Zeiskam. „Ich hatte eine Blinddarm-OP hinter mir, unsere Jugend hatte aber ein Freundschaftsspiel mit einer englischen Mannschaft ausgemacht. Im Feld konnte ich nicht spielen, da sagte ich dem Trainer, dass ich unbedingt spielen wolle, wenn es sein müsse auch im Tor. Da habe ich gemerkt, dass ich gar nicht so schlecht war.“ So begann die zweite, erfolgreiche Karriere. Serr. „Seitdem stand ich immer im Tor.“
Vier Jahre beim ASV Landau
In der A-Jugend spielte Serr bei Phönix Bellheim in der höchsten Jugendliga. Nach einem Meisterschaftsspiel gegen den ASV Landau machten einige Landauer Spieler den damaligen Trainer der Aktiven, Hans Guthy, auf den Torhüter aufmerksam. Vier Jahre spielte Serr dann beim größten Landauer Verein, ehe er zum 1. FC Kaiserslautern wechselte. Der größte Erfolg war die Meisterschaft und der Aufstieg in die Verbandsliga: „Wir hatten eine tolle Mannschaft damals. Michael war unwahrscheinlich ehrgeizig. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätten wir jedes Mal drei statt anderthalb Stunden trainiert. Er kam auch oft zu mir und bat mich, mehr Training für ihn zu machen. Er war trainingsgeil“, so Guthy über seinen damaligen Keeper.
An das Spiel, das Interesse beim FCK weckte, kann sich Michael Serr genau erinnern: „Wir spielten im Pokal-Halbfinale gegen Wormatia Worms, die damals in der höchsten Amateurliga spielte und haushoch favorisiert war. An dem Tag waren ansonsten keine anderen Spiele, sodass auch viele Lautern-Fans da waren. Wir haben zwar verloren, aber wie ich später erfuhr, hat ein FCK-Fan dem damaligen Amateurtrainer Reinhard Meier von mir erzählt.“
Nach einem Probetraining wurde Serr am darauffolgenden Samstag ins Stadion eingeladen, um im Vorstandsbüro mit dem anderen potenziellen Neuzugang Frank Lelle die Vertragsmodalitäten zu besprechen. „Ich weiß noch, wie wir zu zweit auf dem dunkelbraunen Ledersofa im Vorstandsbüro saßen. Wir stimmten allem zu und unterzeichneten dann erst mal einen Amateurvertrag.“
Gegen Ajax und Sheffield
Am Tag des ersten Heimspiels der Amateure war Stadionfest auf dem Betzenberg. „Damals waren 20.000 Zuschauer im Stadion, es war Tag der offenen Tür. Da ich schon früher dort war und einen Trainingsanzug anhatte, hielten mich viele Fans für einen Spieler der Profimannschaft und wollten Autogramme. Also schrieb ich fleißig Autogramme. Nach einer gewissen Zeit kam ein Mannschaftsbetreuer und suchte nach mir. Auf einem Nebenplatz spielten wir dann vor 3000 Fans und gewannen mit 2:0. In der Zeitung später stand: ,Serr hält alles fest’ – so etwas vergisst man natürlich nicht.“
Höhepunkte für Serr waren Spiele in der Champions League gegen Ajax Amsterdam oder Sheffield Wednesday. In der Bundesliga kann er sich vor allem an zwei Partien erinnern: „Mein erstes Pflichtspiel auf dem Betze gegen Bayer Leverkusen war was Besonderes, und auch ein Auswärtsspiel in Bochum war bemerkenswert. Da spielten wir im gerade neu eingeweihten Stadion, ohne Aschenbahn außenrum. Das war damals selten und bot eine Wahnsinnsatmosphäre.“
Gegen Leverkusen spielte der FCK am 24. Spieltag der Saison 86/87 1:1. Aufgeboten waren Moser, Friedmann, Groh, Hoos, Roos, Hartmann, Wuttke, Allievi, Trunk und Kohr.
Die Freundschaft mit Oliver Schäfer
Mit einer Körpergröße von 1,83 Meter war Serr nie der Größte seiner Zunft. Ein paar Zentimeter mehr hätten seiner Meinung nach auch nichts geholfen. „Am Ende setzt sich immer Qualität durch. Ich war dafür beweglicher, sprungkräftiger und fußballerisch ganz gut. Gerry war auch nur ungefähr so groß wie ich, dafür aber 15 Zentimeter breiter an den Schultern (lacht). Yann Sommer ist auch nicht viel größer und schon Jahre lang einer der besten Torhüter in der Bundesliga.“
In den acht Jahren beim FCK bauten sich Freundschaften auf, die Serr heute noch pflegt. Zum Beispiel zu Oliver Schäfer, der 1991 vom damaligen Zweitligisten SC Freiburg in die Pfalz wechselte. „Gerade war Olli zum Grillen da“, berichtet Serr, der mittlerweile wieder in seiner Heimat in Zeiskam wohnt. Durch ihre Leidenschaft für das Motorradfahren sind sich die beiden während ihrer gemeinsamen Zeit auf dem Betzenberg nähergekommen. Schäfer: „Michael ist ein überragender Koch. Er könnte auch ein Restaurant eröffnen, das ist mein Ernst. Daher sind die Rollen auch klar verteilt, wenn wir uns treffen, ist er meistens für das Essen zuständig und ich steige dann erst ein, wenn alles zubereitet ist.“ Er muss lachen.
Wegen Labbadia noch mal eingestiegen
Nach einem Intermezzo beim 1. FC Saarbrücken beendete Serr mit 32 Jahren seine aktive Karriere. Er stieg im Jahr 2003 noch mal für drei Jahre ins Fußballgeschäft ein, als sein ehemaliger Mitspieler Bruno Labbadia Trainer beim SV Darmstadt wurde. Nach einem Anruf von Labbadia sagte Serr zu und war für drei Jahre Torwarttrainer bei den Lilien. Parallel dazu baute er sich ein zweites Standbein auf, eine Spielerberateragentur. Auf der Homepage von Pro European Sports Management in Kaiserslautern weist er sich als registrierter Spielervermittler, Absolvent eines Fernstudiums im Bereich Sportmanagement (IST) sowie Inhaber der Trainer-A-Lizenz des DFB aus.