Lokalsport Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Sportsfrauen: Mutter, Marketing-Strategin, Basketballerin – Gesichter der Sabine Stadler

Sabine Stadler stellt ein neues medizinisches Produkt vor.
Sabine Stadler stellt ein neues medizinisches Produkt vor.

Nach prägenden Stationen in Wien und Hamburg ist Sabine Stadler wieder in der Südpfalz. Nicht, weil sie nach 20 Jahren Heimweh plagte. Im Blick hat sie ihren Beruf und Basketball. Und natürlich ihre Familie. Der jüngste Ortswechsel der Kauffrau in der Gesundheitsbranche hängt mit einem Weingut in Dierbach zusammen.

Erfolg im Beruf oder im Sport war nie die Frage bei Sabine Stadler. Sie packte beides an, mit großem Ehrgeiz und unermüdlichem Fleiß. Die doppelte Lebensausrichtung legte ihr die „Welt zu Füßen“. Anspruchsvolle Jobs in Mannheim, Wien und Hamburg sowie Basketball auf hohem Niveau zählen zu den Höhepunkten ihrer Karriere. Jeden neuen Standort, jede neue Aufgabe sah sie nie als Belastung, sondern immer als Chance und Bereicherung. Dass auf diesem Weg aus einer „Lebensfreundschaft“ die „Liebe ihres Lebens“ entstand und zwei Kinder das Familienglück vervollständigen, ist eine weitere besondere Geschichte.

Mit 16 zu den Towers

Lebenslustig, ja gierig darauf, Neues zu erleben und zu erfahren, das war die heute 38-Jährige schon in jungen Jahren. Früh zählte sie zu den großen Talenten beim TV Bad Bergzabern. Nicht nur wegen ihrer Größe, vor allem wegen ihrer Spielintelligenz, Ballgewandtheit und Korbgefahr war sie bei ihrem Heimatverein nicht ausgelastet. Während der Schulzeit in Bad Bergzabern schloss sie sich als 16-Jährige dem TSV Towers Speyer-Schifferstadt an, um auf höherem Niveau gefordert zu sein. Lange Zeit trug sie für die Towers in der Regionalliga das Trikot. Später folgten Regionalliga-Stationen in Köln, Mannheim und Sandhausen sowie in der Oberliga für die Hamburger Perlen. Der Höhepunkt ihrer sportlichen Laufbahn war ihr Wirken in der Nationalliga. Stadler spielte 2011 bis 2015 in Wien für Vienna 87 gegen die besten Teams Österreichs und der Slowakei. Neben einem hochfordernden Job trainierte sie viermal wöchentlich und war am Wochenende auf Korbjagd.

Heute ist sie der Routinier beim TV Bad Bergzabern, sie findet die Oberliga und den Umgang im Team mit vielen „halb so alten“ Spielerinnen spannend. Sie schätzt es, in einem familiären Verein zu spielen. „Und wieder in Bad Bergzabern zu sein, dort, wo sportlich alles begann.“

Aus Freundschaft wird Liebe

In Aachen studierte sie BWL zusammen mit Daniel Stadler, mit dem sie gemeinsam das Abitur in Bad Bergzabern gemeistert hatte. Nach dem Studium trennten sich für kurze Zeit die Wege der in Kapellen aufgewachsenen Diplom-Kauffrau und des Winzersohns aus Dierbach. Sabine, damals noch mit Mädchennamen Wissing, legte beruflich ihren Schwerpunkt auf die Bereiche Marketing und Vertrieb und wechselte nach Mannheim. „Ich arbeitete für die schwedische Firma SCA, Daniel war für die Firma IBM in Stuttgart im Einsatz“, beschreibt Sabine Stadler ihre Gefühle nach der „Trennung“ von ihrem besten Freund. „Wir waren in der Schule und beim Studium zusammen, verstanden uns immer richtig gut. Gefunkt zwischen uns hatte es aber nie. Als er in Stuttgart und ich in Mannheim lebte, merkten wir plötzlich, was uns fehlt.“

Aus Freundschaft wurde Liebe. Deshalb schmiedeten beide einen neuen Plan: neue berufliche Herausforderungen von einem gemeinsamen Lebensmittelpunkt aus. Diesen fanden sie 2011 in Wien. Sie wechselte zur Firma Johnson & Johnson, mit 126.500 Mitarbeitern weltweit das größte Gesundheitsunternehmen. Er übernahm bei IBM eine neue Aufgabe im 80 Kilometer entfernten Bratislava. 2014 heirateten sie, 2015 kam Theresa auf die Welt. Die kleine Helena vervollständigt seit 2018 das Familienglück.

„Wir teilen uns die Aufgaben Zuhause, kümmern uns gleichberechtigt um die Erziehung. Deshalb klappt es, dass beide arbeiten können“, erklärt Sabine Stadler die besondere Gewaltenteilung und auch den erneuten Standortwechsel. „Hamburg ist der Sitz in Deutschland von Johnson & Johnson. Das war für mich eine gute Weiterentwicklung. Daniel konnte als IBM-Berater von jedem Ort aus operieren.“

Sabine Stadler ist im Unternehmen verantwortlich für Marketing und Vertrieb. Sie bringt medizinische Geräte und Neuheiten auf den Markt. Diese Vielfalt – Produkte selbst im Labor testen, sie Ärzte präsentieren und für den Verkauf verantwortlich sein – reizt das Organisationsgenie. „Jeder Tag ist anders, jeder Tag stellt dich vor eine neue Herausforderung, das macht den Job so interessant“, berichtet die Karrierefrau, die nie die Erdung verloren hat.

Mutter und Marketing-Strategin

„Natürlich ist es immer schön, wenn die Omas in der Nähe sind. Mit zwei Kindern ist alles anspruchsvoll, den Tag mit den vielfältigen Herausforderungen zu meistern. Doch unser Lebensmodell war immer auf Unabhängigkeit ausgerichtet. Sonst hätte das auch nicht in Wien und Hamburg funktioniert“, erzählt Sabine Stadler. „Dass Daniel im elterlichen Weingut dieses Jahr einstieg, gab den Ausschlag im April, zurück in die Südpfalz zu kommen. Mein Mann hat die kaufmännische Leitung übernommen und arbeitet gemeinsam mit seinem Bruder, dem Winzer, im Familien-Weingut in Dierbach. Ich kann meinen Job für Johnson & Johnson per Homeoffice von unserem neuen Lebensmittelpunkt in Landau aus erledigen.“

Mal bereitet sie Zuhause die Präsentationen für Vorträge in Kliniken vor oder erstellt Unterlagen für Meetings. Mal ist sie in der Konzernzentrale in Hamburg, oft auch in Kliniken in Berlin. Und manchmal steht sie auch im Johnson-Trainingscenter im sogenannten Dry-Lab, dem „trockenen Labor“, in dem sie die Produktinnovationen vom Handling an rohen Schweineschnitzeln oder Hähnchenkeulen testet. Damit sie weiß, von was sie spricht, wenn sie später Ärzten die Neuheiten in der Medizintechnik vorstellt.

Zur Sache: Basketball beim Spitzenreiter

Beim souveränen Spitzenreiter MJC Trier II (acht Spiele, acht Siege) setzt die Damenmannschaft des TV Bad Bergzabern die Oberliga-Meisterschaft fort (Sonntag, 18 Uhr). Siegeschancen sind nur theoretischer Natur, zumal die Mannschaft um Trainer Klaus Fremgen auf Sabine Stadler verzichten muss. Aus beruflichen Gründen ist sie meist bei Auswärtsaufgaben mit hohem zeitlichen Aufwand nicht dabei. Die Triererinnen dominieren die Liga, das Hinspiel gewannen sie mit 55:44.

Uwe Eid

Sabine Stadler im Labor. Sie will wissen, was sie verkauft.
Sabine Stadler im Labor. Sie will wissen, was sie verkauft. Fotos: privat
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