Lokalsport Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Sportsfrauen: Karriere ab Mitte 40 – Tina Freisinger ist Landesmeisterin im Bogenschießen

Zwei Landesmeister: Tina Freisinger und Sohn Luke.
Zwei Landesmeister: Tina Freisinger und Sohn Luke.

Mit 42 Jahren einen Sport anfangen und zweieinhalb Jahre später Landesmeisterin sein? Das geht. Tina Freisinger vom Schützenverein Wörth sicherte sich den Titel bei den Hallenmeisterschaften im Bogenschießen in Idar-Oberstein. Zum Sport kam sie durch ihren talentierten Sohn. Die Liebe fand sie im Verein nicht nur zu ihrem Sportgerät. Das nächste große Ziel hat sie vor Augen.

Es waren Tina Freisingers zweite Landesmeisterschaften. Erstmals hatte sie sich über Vereins- und Kreismeisterschaften selbst qualifiziert. „2019 war ich auch dort. Da haben wir uns aber als Dreierteam qualifiziert“, sagt sie. Die 45-Jährige ging ohne Erwartungen an den Start. „Ich bin da einfach mal hin. Ich war sehr aufgeregt, das bin ich immer bei Wettkämpfen. Aber ich habe es überlebt.“

Zum ersten Mal 280

Und wie. 280 Ringe, so viele hatte sie noch nie bei einem Wettkampf, waren es bei den ersten 30 Schüssen, 266 im zweiten Durchgang. Macht 546 Ringe und den ersten Platz. Noch besser war Sohn Luke, er holte sich mit 564 Ringen in der Schülerklasse B (zehn bis zwölf Jahre) den Meistertitel mit Landesrekord. „Er war am Samstag dran, ich am Sonntag. So konnten wir uns gegenseitig die Daumen drücken“, sagt Tina Freisinger. „Für die Kinder freut man sich noch mehr.“ Titel und Landesrekord holte auch Verena Blum vom SV Wörth. Sie schoss 488 Ringe mit dem Blankbogen.

Freisinger hat es gewissermaßen ihrem Sohn zu verdanken, dass sie zum Bogenschießen gefunden hat. Und ihrer zweiten Leidenschaft – ihren beiden Pferden. „Mein Sohn saß auf dem Pferd, wir waren im Wald spazieren. Wir hatten noch Pfeile von Silvester übrig und er hat damit vom Pferd aus auf einen Baum geschossen“, erzählt Freisinger. „Eine Freundin war mit ihrem Sohn bereits im Verein. Sie hat gesagt, wir sollen mal vorbeikommen.“

Mit einem Leihbogen fing es 2017 an

Das taten die Freisingers dann auch. Der SV Wörth nahm die beiden mit offenen Armen auf, Luke – er stammt aus einer früheren Beziehung – fand schnell Spaß daran. „Ich habe mir dann gedacht, bevor ich nur rumsitze, probiere ich es auch mal, dann bin ich durchgestartet“, sagt Freisinger.

Mit einem Leihbogen startete die gebürtige Karlsruherin im Sommer 2017, ehe sie sich einen Bogen kaufte. Das Training wurde regelmäßiger, die Schüsse wurden immer besser. Das bemerkte auch der Vorsitzende des Vereins Manfred Fried: „Sie ist ehrgeizig und talentiert. Sie ist aber auch wenn sie nicht schießt sehr umgänglich und hilft viel im Verein mit.“

Beim SV Wörth fand die seit 13 Jahren in Hagenbach wohnende Freisinger nicht nur ihre Liebe zum Sport, sondern auch abseits des Platzes ihr großes Glück. Sie lernte Fabian Kuntz kennen. Dieser brachte sie auch sportlich weiter. „Fabian ist mein Trainer. Er schreibt mir kleine Pläne und hat uns zu Hause einen Bogenständer gebaut. Ich habe ihm viel zu verdanken“, sagt sie.

Scheibe im Wohnzimmer

Im Verein kann Freisinger ein- bis zweimal in der Woche trainieren. Das reicht ihr nicht: „Man braucht regelmäßiges Training. Wenn ich eine Woche mal nichts mache, merke ich das.“ Mittlerweile hat die Familie eine Scheibe im Wohnzimmer. Dort können sie aber nicht auf die Hallendistanz von 18 Meter schießen, im Freien sind es gar 70 Meter.

Fünf- bis sechsmal pro Woche hat Freisinger im Vorfeld der Landesmeisterschaften geübt. Das will sie beibehalten. Ihr Beruf gibt ihr Spielraum – Freisinger hat eine Hausverwaltung. „Ich kann mir viele Sachen legen, wie ich möchte. So kann ich auch mal morgens oder abends ein paar Schüsse machen“, sagt sie. Routine sei wichtig.

Viele Eltern mit Kindern im Verein

Die 546 Ringe der Landesmeisterschaften sollten reichen, um sich für die Deutschen Meisterschaften im März zu qualifizieren. Wenn die Ergebnisse aller Landesmeisterschaften eingereicht sind, dies sollte bis zum 8. Februar passiert sein, weiß Freisinger, ob sie es geschafft hat. Dann hieße es wieder: anschauen, dabei sein, Atmosphäre schnüffeln.

Hatte sie bei den Landesmeisterschaften sechs Gegnerinnen, gehen bei der DM knapp 30 Frauen an den Start. Ihr Freund schreibt ihr Trainingspläne, sie versucht sich bestmöglich vorzubereiten. Über einen Platz im Mittelfeld würde sie sich freuen. Sohn Luke darf noch nicht teilnehmen. Dies ist erst ab der Schülerklasse A über zwölf Jahre möglich. „Wenn er dabeibleibt und weiter so viel Spaß daran hat, kann er mehr erreichen als ich. Er ist verbissen und möchte erfolgreich sein, das kann ihn weit bringen“, sagt Freisinger.

Sie freut sich, dass sie den „Familiensport“ Bogenschießen für sich entdeckt hat. Im Verein seien viele Eltern mit ihren Kindern. Um den Olympischen Sport ausüben zu können, brauche es nur eines: die Lust daran. Freisinger: „Jeder kann den Sport machen. Wir haben auch eine Frau im Rollstuhl im Verein. Sie hat großen Spaß.“

Felix Schönhöfer

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