Lokalsport Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Sponsoring: Kleines Meeting mit Zernikel und Ahouansou

 Oleg Zernikel (links) und Philipp Ahouansou (rechts) mit Jochen Weber in der Halle.
Oleg Zernikel (links) und Philipp Ahouansou (rechts) mit Jochen Weber in der Halle.

Die Sportarten des Landauers Oleg Zernikel und des Hanauers Philipp Ahouansou haben wenig gemein. Der eine ist Stabhochspringer, der andere Handball-Profi. Am Freitag treffen sie sich in der Halle des TV Landau zum Plausch. Ein gemeinsamer Sponsor macht’s möglich.

Oleg Zernikel, einer der besten deutschen Stabhochspringer, steht mit einem jungen Zwei-Meter-Riesen in der Halle. Er zeigt dem noch 19-Jährigen, wie er den Stab halten muss, wie man anläuft und was beim Abspringen zu beachten ist. Nein, Zernikel ist nicht plötzlich unter die Trainer gegangen. Dafür hätte er auch gar keine Zeit, verlangt ihm die Vorbereitung auf sein großes Ziel – die Olympischen Spiele in Tokio – doch einiges ab. Dafür trainiert er täglich. Und der 2,03 Meter große Philipp Ahouansou will auch nicht das nächste Stabhochsprung-Talent werden.

Ahouansou spielt im linken Rückraum bei den Rhein-Neckar Löwen, er ist in seinem zweiten Jahr als Profi-Handballer. Dass er mitten in der Saison nach Landau kommt, um sich mit Zernikel und Vertretern des ASV Landau zu treffen, hat unter anderem mit Jochen Weber, einem der Geschäftsführer der Landauer ProNES Automation GmbH, zu tun. Die Firma unterstützt die beiden Athleten finanziell. „Mir ist es wichtig, junge Sportler der Region zu fördern“, sagt Weber. 1998 gegründet, hat das Unternehmen 25 Mitarbeiter und plant, entwickelt und liefert Hard- und Softwaresysteme zur Optimierung von Fertigungsprozessen und Qualität.

„Auf dem Sprung“

Grund des Treffens ist die Aktion „Auf dem Sprung“, die Zernikels Vereinskollege Dennis Schober initiiert hat. Es geht darum, Sponsoren zu finden, um Zernikels Traum von Olympia möglich zu machen. „Wir hatten die Idee schon länger, aber Oleg ist jetzt kurz davor sich zu qualifizieren. Wir versuchen, ihn zu fördern, wie es nur geht“, sagt Schober. Um sicher bei den Olympischen Spielen dabei zu sein, muss Zernikel die Norm von 5,80 Metern springen. Seine Bestleistung liegt bei 5,72.

Doch wie haben Schober und Weber sich gefunden, und wieso hat sich der Unternehmer gerade die beiden Sportler ausgesucht? Kennt man Weber und seine Interessen, ist das gar nicht so abwegig. Der Landauer hat früher zusammen mit Mark Lugenbühl, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Turnvereins im ASV Landau und Stabhochsprungtrainer, Handball gespielt. „Mein Sportplatz ist eigentlich der Fanblock in der SAP-Arena. Ich verfolge aber auch, was die Leichtathleten in Landau anbieten. Das ist sensationell“, sagt der Handball-Fan, der vor rund neun Jahren sein erstes Spiel in der SAP-Arena gesehen hat und dann „beim Handball hängengeblieben ist“.

Das letzte Mosaiksteinchen

Damit Zernikel die letzten acht Zentimeter noch drauflegen kann, gibt’s von Webers Firma zwei neue Stäbe. „Um in diese Höhen zu kommen, braucht man das entsprechende Equipment“, sagt Schober. „Wir haben viele Stäbe in Landau, in diesen Höhen ist hier aber noch niemand gesprungen.“ Rund 1200 Euro kostet ein Stab. Zernikels Trainer Jochen Wetter ist überzeugt, dass die Stäbe das letzte Mosaiksteinchen zur Qualifikation sein können. „Wir haben jetzt eine ganze Batterie an guten Stäben. Die neuen haben ein anderes Biegeverhalten, und dadurch hat Oleg noch Luft nach oben“, sagt Wetter, der im ständigen Austausch mit dem Bundestrainer steht. Bundestrainer ist Andrei Tivontchik. Er fördert Zernikel und trainiert mit ihm.

Finanzielle Mittel fehlen aber nicht nur beim Material. Das weiß auch Lugenbühl: „Es soll jetzt nicht an einer Kleinigkeit scheitern. Wichtig bei so intensivem Training ist Physiotherapie. Man hat oft Probleme zum Beispiel im Rücken, die man nicht merkt. Dann trainiert man hart, es macht ,peng’ und die Saison ist vorbei.“ Dank seiner guten Leistungen in der Halle wird Zernikel nun vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) mit Physiotherapie versorgt.

Am Dienstag Europa-Liga

Um so etwas muss sich Ahouansou keine Sorgen machen. Physiotherapie gehört beim Handball-Bundesligisten nämlich dazu. „Ich möchte ein fester Bestandteil der Mannschaft werden und eine tragende Rolle spielen“, sagt er. „Langfristig ist natürlich jeder Titel, den man holen kann, schön.“ Ahouansou kam 2017 aus Hanau zu den Rhein-Neckar Löwen. Um seinen Traum vom Profi-Handballer zu verwirklichen, ging er aufs Internat und machte nebenher sein Abitur. Im Sommer hätte er eigentlich mit der U21-Nationalmannschaft um den WM-Titel gespielt. Das Turnier wurde coronabedingt abgesagt. Mit den Löwen will er dieses Jahr die EHF European League gewinnen. Am Dienstag ist das Viertelfinal-Hinspiel beim russischen Chekhovskie Medvedi. Langfristig hat der Rückraumspieler viel vor: „Ich war jetzt immer Bestandteil der Junioren-Nationalkader. Der Sprung in den A-Kader ist aber riesig.“

Pfalzmeisterschaft am 16. Mai

Vielleicht doch Stabhochsprung? „Das Angebot für ein Probetraining bei uns steht“, sagte der 25-jährige Zernikel und lacht. „Dafür brauchen wir dann aber längere Stäbe.“ Zernikels nächsten Chancen, die Olympianorm zu springen, sind die Pfalzmeisterschaft am 16. Mai in Zweibrücken und ein Meeting eine Woche später in Dessau – sollten diese stattfinden.

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