Voltigieren RHEINPFALZ Plus Artikel Silber und Platz zehn: Tolle WM-Bilanz der südpfälzischen Pferdeturnerinnen

Vize-Weltmeister (von links): die Offenbacherin Chiara Congia, Justin van Gerven und Logenführerin Alexandra Knauf.
Vize-Weltmeister (von links): die Offenbacherin Chiara Congia, Justin van Gerven und Logenführerin Alexandra Knauf.

Stolz und zufrieden sind die südpfälzischen Pferdeturnerinnen am Montag von der Weltmeisterschaft in Budapest zurückgekehrt. Chiara Congia gewann mit ihrem Partner Justin van Gerven Silber im Pas de Deux. Hannah Steverding freute sich mit ihrer Longenführerin und Trainerin Sophie Kuhn über Platz zehn im Einzel.

Als die Herxheimerinnen Hannah Steverding und Sophie Kuhn und die Offenbacherin Chiara Congia am Montagmorgen in Frankfurt aus dem Flieger stiegen, wurden sie schon erwartet. Eine Herxheimer Delegation wedelte mit Deutschland-Fahnen und hatte Begrüßungstransparente ausgerollt. Sie waren stolz auf das, was ihre Sportlerinnen in der ungarischen Hauptstadt geleistet haben. „Das war so goldig, wir sind von den Herxheimer Mädels richtig überrascht worden“, erzählte Sophie Kuhn. Und nicht nur dabei erfuhren sie, dass sich die Voltigier- und Reiterszene in Herxheim von Freitag bis Sonntag im „Ausnahmezustand“ befand. Matthias Montillon, Kuhns Vater, hatte das Wohnzimmer ausgeräumt und zum Public Viewing eingeladen.

Congias fataler Sturz

Manches, was in Budapest zu sehen war, war nichts für schwache Nerven. Eine Leidtragende war Chiara Congia. Die Offenbacherin, die mit ihrem Partner Justin van Gerven für den Voltigierverein Köln-Dünnwald im Pas de Deux startete, stürzte bei einer Hebefigur vom Pferd. „Das ist uns bei der Übung noch nie passiert“, erzählte die 24-Jährige. Voltigierer sind hart im Nehmen und sturzerfahren. „Für mich ging das total schnell, zack, war ich unten“, erinnerte sie sich. Congia fiel unter das Pferd. „Highlight war total lieb, sie hat sofort reagiert und ist über mich drüber“, bemerkte sie. Congia blieb unverletzt, rappelte sich wieder auf, kurz darauf stemmte sie van Gerven schon wieder in den Himmel.

„In dem Moment hab ich nicht an den WM-Titel gedacht. Wir waren bis dahin so gut, das hatte so Spaß gemacht. Aber im Voltigieren sind es manchmal Millimeter, die entscheiden“, erklärte die Psychologie-Studentin. „Natürlich ist das ärgerlich, aber es bringt ja nichts zu fragen, was wäre wenn. Es ist halt passiert“, sagte sie.

„An Leichtigkeit gewonnen“

Im zweiten Durchgang am Samstag zeigte das rheinländisch-pfälzische Doppel dann, was möglich gewesen wäre. Da gewannen sie die Konkurrenz, lagen neun Tausendstel vor dem Neusser Weltmeister-Doppel Janika Derks und Johannes Kay. „Wir sind mit Silber sehr zufrieden. Janika und Johannes sind einfach sehr gut, man kann sich auch darüber freuen, dass sie gewonnen haben“, ergänzte Congia. „Ich bin froh, dass wir die Kür am Samstag dann so zeigen konnten“, ergänzte sie. Ohne das Missgeschick wäre die Entscheidung sicher hauchdünn geworden.

„Es lief besser, als wir es uns erhofft haben“, zog Hannah Steverding eine zufriedene Bilanz. Die Sportsoldatin landete bei ihrem ersten Senior-Championat auf Platz zehn. Ein Ergebnis, auf das sie stolz sein kann. „Ich habe in jedem Wettkampf an Leichtigkeit gewonnen. Jeder Umlauf war für mich befreiend, es hat richtig viel Spaß gemacht“, sagte sie. „Die meiste Angst hatte ich vor der Pflicht“, räumte sie nach dem Patzer in Le Mans Ende Juli ein. Knapp schrammte sie an der Note 8 vorbei, „da war ich schon erleichtert“. Die erste Kür lief gut, damit hatte sie die Finalqualifikation in der Tasche, das große Ziel war erreicht.

Dämpfer in der Technik

Im Technikprogramm gab es einen Notendämpfer durch die Richter. „Mit dem Programm war ich eigentlich zufrieden. Das, woran ich gearbeitet habe, hat geklappt“, sagte die 22-Jährige. „Ich habe zwar ein paar Punkte liegen lassen, aber die Noten waren schon eine Ernüchterung“, räumte sie ein. Die Kür am Sonntag entschädigte dafür. Obwohl sie den Sprung weggelassen hatte, erhielt sie eine 8,2. „Wenn man sich die Namen der Voltigiererinnen anguckt, die vor mir liegen, dann sind die alle mega gut“, bemerkte sie. „Mir hat das Turnier Lockerheit gegeben, ich konnte es genießen und bin stolz auf unser Pferd“, sagte Steverding. Royal Flash hatte einen tollen Job abgeliefert.

Longenführerin Sophie Kuhn teilte die Zufriedenheit mit Steverding. „Das war schon mega“, sagte sie mit Blick auf die toll organisierte Veranstaltung und den Zusammenhalt im Team Deutschland. „Wir wussten ein bisschen was kommt, da waren ja schon ganz viele, die oft dabei waren. Wir hatten ein superharmonisches, gut funktionierendes Team Deutschland, in dem jeder jedem geholfen hat“, sagte sie.

Bundestrainerin Ulla Ramge war zufrieden mit der jungen Garde: „Ich habe mich sehr gefreut für Hannah und Alina (Roß, die Siebte wurde, die Red.), wie sie in ihr erstes Senior-Championat gefunden haben und sich in den Top Ten platzieren konnten. Das ist alles nach Plan gelaufen und sie haben sich für die Zukunft empfehlen können und wertvolle Erfahrungen gesammelt.“

Ein Küsschen als Dank: die Herxheimerinnen Hannah Steverding, Sophie Kuhn und Royal Flash.
Ein Küsschen als Dank: die Herxheimerinnen Hannah Steverding, Sophie Kuhn und Royal Flash.
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