Radsport RHEINPFALZ Plus Artikel Schmerzen aus, Spaß an: Medaillenjagd in Portugal

Messane Bräutigam (re.) mit Seana Littbarksi-Grey in Anadia.
Messane Bräutigam (re.) mit Seana Littbarksi-Grey in Anadia.

Eine ist superglücklich mit Bronze. Die andere gewinnt Gold im Sprint und kann das, drei Wochen nach ihrem schweren Sturz in Cottbus, mit zugetapter rechter Seite kaum fassen. Auch Luca Spiegel nimmt eine Medaille von der U23-EM in Portugal mit. Auf die Südpfälzer Starter warten weitere Herausforderungen.

Alessa-Catriona Pröpster (22) vom RV Offenbach darf ihren Bundestrainer Carsten Bergemann (44) jetzt duzen, was sie echt cool findet. Die so lädierte und körperlich eingeschränkte Sprintqueen hat es, wie sie stolz erzählt, in die Top-Drei seiner Trainerkarriere geschafft. Drei Wochen nach ihrem schweren Sturz in Cottbus machte sie das Unmögliche möglich und verteidigte bei den U23-Europameisterschaften in Portugal ihren Titel im Sprint.

Pröpster: „Eigentlich war ich überfordert“

Dazu kamen die Plätze sechs und sieben im Zeitfahren und im Keirin. Von Lauf zu Lauf lief es zwar besser, aber es knackte überall. Die rechte Seite, vom Knie über die Hüfte bis zur Schulter, war komplett zugetapt, weil sie sonst den Lenker nicht hätte halten können. Immer wieder Verbandswechsel und Schulter eincremen. Aber dann, als sie das Ziel Halbfinale erreicht hatte und die übermächtige Britin Emma Finucane, mit der sie sich schon seit Juniorinnenzeiten duelliert, unschlagbar zu sein schien, machte sie intuitiv alles richtig, schaltete die Schmerzen im Körper aus und wollte nur noch Spaß haben: „Das hat wohl vom Kopf her ganz gut funktioniert, denke ich“, sagte sie mit der Goldmedaille in der Hand. „Aber eigentlich war ich überfordert.“

Im Keirin-Halbfinale bekam sie es doch noch mal mit der Angst zu tun. Es wird dauern, bis sie gerade in dieser Disziplin, dem japanischen Kampfsprint, bei dem sie so schwer gestürzt war, den Mut wiedergefunden hat. Die Seele lässt sich eben nicht so leicht einschmieren und zupflastern.

Spiegel: Ein Fehler, den mal nur einmal macht

Luca Spiegel, der 19-Jährige aus Landau, der für die Weltmeisterschaften der Elite in Glasgow als Anfahrer im Teamsprint fest gesetzt ist, empfand die Titelkämpfe in Portugal als gute Vorbereitung und nahm die Bronzemedaille im Teamsprint mit. Dabei fuhr er in 17,6 Sekunden die schnellste Zeit. Auch in der 200-Meter-Qualifikation für den Sprint verbesserte er sich, blieb in 9,96 erstmals unter zehn Sekunden. Aber im Achtelfinale machte er einen Fehler, den man wohl nur einmal macht: Er unterschätze seinen Gegner, einen Griechen. „Das war ein Anfängerfehler, einer dummer“, sagte sein Trainer Frank Ziegler, „aber zum Lernen ist so ein Fehler immer gut“.

Bräutigam: Traum am letzten Tag erfüllt

Messane Bräutigam aus Berg war mit der Junioren-Nationalmannschaft nach Anadia angereist, um mit einer Medaille von dort abzureisen. Genau diesen Traum erfüllte sie sich am letzten Tag im Madison mit ihrer Partnerin Seana Littbarksi-Grey, der Europameisterin im Punktefahren.

„Ich hatte mich da zunächst total beeindrucken lassen von den vielen Menschen auf der Bahn, von dem ganzen Chaos, das da herrschte“, gestand sie. Aber das Duo wurde von Runde zu Runde stärker. Die Taktik sei gewesen, zu Beginn nur Punkte mitzunehmen, nicht unbedingt für die Punkte zu kämpfen, um am Ende aufdrehen zu können. „Hinterher könnte man sagen, hätten wir doch nur, aber das weiß man halt zu Beginn nicht“, sagte die 17-Jährige aus Berg. Der Plan ging jedenfalls auf, das deutsche Duo gewann die beiden letzten Wertungen und kam so auf dem Bronzerang ins Ziel. „Ich bin damit superglücklich“ sagte Messane, die gerade ihr Abitur im elsässischen Hagenau geschrieben hat. Eine letzte Prüfung, die sie wegen den deutschen Bahnmeisterschaften im Juni in Cottbus verschieben musste, darf sie im September nachschreiben. Zuvor aber wird sie noch bei den Weltmeisterschaften in Cali/Kolumbien antreten.

Nicht ganz so optimal lief es für sie im Vierer. Nachdem sie in der Qualifikation und in der ersten Runde stark gefahren war und ihren Job erfüllt hatte, durfte sie im kleinen Finale nicht mehr ran. Das deutsche Quartett verlor und wurde Vierter. Bräutigam: „Nach der verpassten Vierer-Medaille gucken wir einfach, dass wir es bei der WM besser machen.“

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