Turnen RHEINPFALZ Plus Artikel Südpfälzer Turnerinnen: Keine Lust mehr auf eine andere Sportart

Die Gruppe (oben, v.l.) Jule Wolfangel, Ina Hohlreiter, Lena Fischer sowie vorn (v.l.) Neela Satter, Elisabeth von Haxthausen un
Die Gruppe (oben, v.l.) Jule Wolfangel, Ina Hohlreiter, Lena Fischer sowie vorn (v.l.) Neela Satter, Elisabeth von Haxthausen und Helena Leiner.

Der Weg in die Spitze des Turnens ist nicht einfach. Schon früh geben die Nachwuchssportlerinnen alles. Beim ASV Landau hatten einige nun erste Erfolge.

Wer bis hierher gekommen ist, kann es schaffen: eine erfolgreiche Turnkarriere. Die Mädchen Neela, Elisabeth und Helena aus der Südpfalz haben die volle Unterstützung in ihren Familien und von ihren Trainerinnen. Sie sind im Mai 2018, im August 2017 oder November 2017 geboren. Bei viermal drei Stunden Training in der Woche muss ein Rädchen ins andere greifen. Die drei Achtjährigen in der Gruppe, die sich im eigenen Zuhause mehr auf Händen als auf Füßen bewegen, haben dem Turnverein im ASV Landau bei den Meisterschaften in Grünstadt Freude gemacht.

Wenn sie ein neues Element hinbekommen, Radwende und flüchtiger Handstand auf dem Boden, Halteelemente und Drehungen auf dem Balken, freut sich jede mit der anderen. Das zu erleben, ist Doping für alle Beteiligten. Und ein Schritt hin zu den Pfalzmeisterschaften.

Neela, Kurzform von Cornelia („Nila“), war im September 2024 mit ihrer Schwester Lilly bei einem Tag der offenen Tür im Turnerheim. Nun ist die Essingerin Pfalzmeisterin im Pflicht-Vierkampf der Altersklasse 8. Helena aus Frankweiler lag ihrer Mutter so lange in den Ohren, bis diese sie ins Probetraining brachte. Sie erreichte in Grünstadt den fünften Platz in der AK 9. Die Landauerin Elisabeth war mit vier Jahren im Kinderturnen in der Pestalozzischule und mit sechs Jahren im Probetraining Leistungsturnen. Sie trat in der AK 7-AK 9 an und belegte den Bronzeplatz.

„Die Mädchen haben entschieden“

Nebenbei haben Neela und ihre Schwester ihre Mutter dazu gebracht, sich im Turnverein einzubringen. Anna Satter (42) ist eine der vier Trainerinnen, die sich abwechseln, und mittlerweile Kampfrichterin. Die Systemingenieurin hat selbst nie geturnt, ihr Ding war Springreiten beim RFV Zeiskam gewesen. „Die Kinder haben entschieden, dass sie lieber Turnerinnen sein wollen“, sagt sie. Ihr und ihren Mitstreiterinnen Carolin Schneider, Melisa Cakar und Janina Bechtel geht das Herz auf, wenn die Kinder entdecken, wie cool es ist, herauszufinden, wie Übungselemente funktionieren, was sie alles machen können. Es braucht unzählige Wiederholungen und Hilfestellungen, bis ein Element wie der „Menni“ auf dem zehn Zentimeter breiten Schwebebalken sitzt.

Schneider (37) hat eine Turnkarriere hinter sich. Die Geschäftsstellenleiterin im Turnverein war mit neun Jahren am Stützpunkt in Frankfurt, trainierte sechsmal in der Woche, war Landesmeisterin im Kürbereich. Die Kleinfischlingerin, die ihre Karriere in Landau ausklingen ließ, ist lizenzierte Übungsleiterin. Ihre Kolleginnen und die Kinder halten die ehemalige Turnerin Melisa Cakar (22) noch in Landau. 2023 erlangte sie das Abi am Max-Slevogt-Gymnasium. Die Rettungssanitäterin will nach Kreuzbandriss woanders in den Beruf einsteigen, sich zur Notfallsanitäterin fortbilden oder eine andere medizinische Ausbildung beginnen.

Trainerinnen müssen schwere Nachrichten überbringen

Den Bogengang „Menni“ fließend rückwärts auf dem Balken zu turnen, erfordert Gleichgewicht, Körperspannung und Mut. Janina Bechtel ist die vierte Trainerin der Gruppe, zu der Jule Wolfangel, Ina Hohlreiter und Lena Fischer gehören. Den Trainerinnen blutet das Herz, wenn sie Eltern mitteilen müssen, dass ihr Kind nicht das Talent hat für die Leistungsgruppe. Zwei-, dreimal kann „geschnuppert“ werden, sie schauen sich Kraft, Beweglichkeit und Koordination an.

Neela Satter hatte nicht daran gedacht, dass sie Pfalzmeisterin werden könnte. Bis bei der Siegerehrung eine Konkurrentin nach der anderen vor ihr aufgerufen wurde und sie als Letzte genannt wurde. Beim ersten Sprung und beim Überschlag am Boden hatte sie leichte Schwierigkeiten.

Boden und Balken sind ihre besten Geräte. Sie macht gerne Leichtathletik, aber: „Turnen ist mir wichtiger“. Da wird vor einem Training schon mal zu verheimlichen versucht, dass sie eigentlich krank ist. Helena Leiner turnt am liebsten Boden. Tanzen und Reiten hat sie aufgegeben. Elisabeth von Haxthausen spielt auch Tennis. Die Freundinnen bereiten sich nun auf die Rheinland-Pfalz-Meisterschaften am Wochenende in Worms vor.

x