Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Südpfälzer Nachwuchsboxer mit Disziplin: „Trainieren ist wie Essen. Das gehört dazu.“

Razvan Murariu (links) und Argion Musliu.
Razvan Murariu (links) und Argion Musliu.

Boxen: Mehr als 40 Aktive zählt der Boxclub Kandel. Drei Nachwuchsathleten erklären, wie sie zum Boxen gekommen sind – und wie der Kampfsport sie im Alltag antreibt.

Der Boxclub Kandel wächst stetig. 42 Aktive im Verein bringen die Trainingshalle in der Stadthalle Kandel fast zum Überlaufen. Seine jährliche Boxgala gehört zu den bekanntesten in Rheinland-Pfalz, und auch die Entwicklung der hauseigenen Kämpfer kann sich sehen lassen. Arigon Musliu, Razvan Murariu und Leon Reyes haben inzwischen schon jeweils zehn Kämpfe bestritten. Keine Selbstverständlichkeit, erklärt Ulrich Sandmeyer vom BC Kandel: „Zehn Kämpfe sind im Boxen schon viel. Unsere Kämpfer finden im Verbandsgebiet keine Gegner mehr, müssen teilweise schon zum zweiten Mal gegen andere Boxer kämpfen. Wenn die so weiter machen, können sie bald im Landeskader stehen.“

Dass der 17-jährige Leon Reyes schon so oft im Ring stand, das war vor drei Jahren noch nicht absehbar, als er mit seiner Mutter auf dem Weg ins Fitnessstudio war und beide eine Ankündigung der damaligen Kandeler Boxgala sahen. Als seine Mutter ihm vorschlug, Boxen doch einmal auszuprobieren, war seine erste Reaktion skeptisch: „Ich dachte, das ist überhaupt nichts für mich. Ich wusste, dass man da Seilspringen muss, und das konnte ich gar nicht. Als ich mich dann doch durchgerungen hatte, hinzugehen, wäre ich an der Tür fast wieder umgedreht. Aber ich habe mich überwunden und mich an dem Abend in den Boxsport verliebt.“

„Finde es aufregend, wenn man sich auf die Birne haut“

Gerade der physische Teil macht Leon besonders Spaß: „Ich finde es aufregend, wenn man sich auf die Birne haut, und war selbst überrascht, dass mir das gefallen hat.“ Die Trainer bemerkten Leons schnelle Fortschritte und förderten ihn. An sein erstes Sparring hat der Nachwuchsboxer aber keine guten Erinnerungen: „Da habe ich keinen Schlag angebracht.“

Leon Reyes (in rot) in Aktion im Ring.
Leon Reyes (in rot) in Aktion im Ring.

Doch es ging schnell bergauf, und Leon sagt inzwischen, dass er versuchen will, im Amateurbereich so weit zu kommen, wie es nur geht. Als Trainer unterstützt er nun auch jüngere Boxer. Und das, obwohl er im Rahmen eines dualen Studiums bei einem Karlsruher Unternehmen arbeitet und den schulischen Teil in einem Internat im Schwarzwald absolviert: „Ich trainiere drei Mal in der Woche, Mittwoch und Freitag komme ich zum Training nach Kandel gefahren und danach geht es dann direkt wieder zurück ins Internat.“ Sein Leben bestehe eigentlich nur aus Training und Arbeit, stellt er fest und bezeichnet sich augenzwinkernd als „langweiligen Menschen“.

Nach Beziehungsstress zum Boxen

Razvan Murariu aus Schaidt hatte eine ganz andere Motivation. Eine unglückliche Beziehung motivierte ihn, etwas Neues auszuprobieren und mit dem Boxen anzufangen. Der Boxclub Kandel bot sich an: „Es war komplett anders, als das, was ich gewohnt war, ich habe viele neue Leute getroffen und Freunde gefunden.“

Früher hatte Razvan viel am Computer gespielt: „Ich war ein richtiger Nerd. Eigentlich bin ich das immer noch“, sagt er und lacht. Nur dass die Computerspiele inzwischen von Boxen abgelöst wurden – und vom Schach. Er sagt, die beiden Sportarten ähneln sich: „Beim Boxen und beim Schach muss man mitdenken und sich überlegen, wie man den Gegner dazu bringt, Fehler zu machen.“

Ausbildung zum Pfleger und viel Disziplin

Der Abiturient an der Gesamtschule Wörth mit den Hauptfächern Mathematik, Physik und Sozialkunde möchte später ein duales Studium in den Bereichen Mechatronik oder Maschinenbau beginnen. Bis dahin lastet ihn das Boxen ziemlich aus: „Ich trainiere drei Mal pro Woche zwei Stunden im Boxclub, trainiere daheim noch ein bis anderthalb Stunden und denke jeden Tag noch über das Boxen nach und simuliere im Kopf, was ich in einem Kampf tun würde.“

Arigon Musliu hatte auch andere Pläne, bevor er beim Boxen gelandet ist. Eigentlich wollte er sich beim Fußball anmelden, kam zufällig beim Boxen vorbei und blieb hängen. Gesteigertes Interesse hatte er vorher nicht: „Ich habe mit meinem Vater zusammen „Rocky“ geschaut, aber sonst gab es da nicht wirklich eine Verbindung.“ Arigon, im Kosovo geboren und seit 2019 in Deutschland, hat eine Ausbildung in der Pflege angefangen. Er hebt den Effekt des Trainings hervor: „Wenn man eine gute Einheit hat, dann ist der Tag schon besser.“ Treffer des Gegners einstecken zu müssen, schreckt ihn nicht ab: „Wenn man Adrenalin hat, dann ist es gar nicht so schmerzhaft.“

Boxgala in Kandel am Samstag

Der Ehrgeiz des 17-Jährigen ist geweckt und er will so erfolgreich wie möglich werden. Um seine Ziele zu verwirklichen, fehlt ihm Erfahrung, weshalb er viele Kämpfe bestreiten will. Am Trainingsfleiß wird es ihm nicht mangeln: „Ich habe die Disziplin. Ich bin keiner, der mal ein Training ausfallen lässt. Trainieren ist wie Essen. Das gehört dazu.“ Selbstbewusst und ambitioniert betont er: „Mein endgültiges Ziel ist es, Weltmeister zu werden. Das hat Zeit, aber das soll meine Endstation sein.“

Vorher steht für alle drei die Kandeler Boxgala am Samstag an, die am 18. April 2026 in der Bienwaldhalle stattfindet. Beginn ist um 17.30 Uhr.

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