Voltigieren RHEINPFALZ Plus Artikel Prädikat Weltklasse

Zwei Starts, zweimal Höchstnoten: Chiara Congia und Justin van Gerven, hier beim CVI in Belgien, sind in Frühform.
Zwei Starts, zweimal Höchstnoten: Chiara Congia und Justin van Gerven, hier beim CVI in Belgien, sind in Frühform.

Bei den Turnieren im belgischen Grote-Brogel und im niederländischen Ermelo zeigen die Artisten auf den Pferden ihre neuen Küren. Mittendrin die beiden Südpfälzerinnen Chiara Congia und Hannah Steverding. Während sich die eine über frühe Erfolge freuen kann, bekommt die andere Hausaufgaben auf.

Als am Sonntagnachmittag das Team Norka des Voltigiervereins Köln-Dünnwald in den Zirkel der Amaliahal im nationalen niederländischen Pferdesportzentrum in Ermelo einlief, herrschte prächtige Stimmung. Die Zuschauer in der Halle wussten, dass der absolute Höhepunkt der drei Turniertage bevorstand: die Kür des Sextetts um die Offenbacherin Chiara Congia.

Seit die Kür des Weltmeisters von 2019 in Grote-Brogel ihre Premiere feierte, kursieren Videos davon in Voltigierkreisen. Denn die Kür ist ein großer Wurf: faszinierende Trikots, eine packende Musik, eine stimmige Choreographie und turnerische Höchstleistungen auf dem Pferd. Großartig. Am Sonntagmittag klappte alles. Ganz knapp verpasste das Team die erste Neuner-Note der Saison. Als Justin van Gerven, der Doppel-Partner von Chiara Congia, als letzter Voltigierer Pferd Calidor verlassen hatte, herrschte ein kurzer Moment atemlose Stille. Danach brandete Beifall auf. Die Zuschauer applaudierten, stellten sich auf. Die sechs Teammitglieder lagen sich glücklich in den Armen.

„Es läuft sehr gut“

Es war der zweite Sieg des Teams beim zweiten Start in dieser Saison. Schon eine Woche zuvor ließ das Team Norka keinen Zweifel daran, dass es der erste Anwärter auf das Ticket zur Weltmeisterschaft im dänischen Herning im August ist. Gleiches gilt für das Doppel Congia/van Gerven, das sich in Grote-Brogel und in Ermelo in prächtiger Frühform präsentierte, in Ermelo trotz eines Patzers im zweiten Durchgang deutlich gewann. „Es läuft sehr gut“, räumte denn auch Congia zufrieden ein. „Ein, zwei Sachen sind nicht perfekt, aber jetzt ist ja der richtige Zeitpunkt, dass so etwas noch passiert. Das sollte uns in Dänemark nicht mehr passieren.“

Damit ist das Ziel der 24-jährigen Psychologiestudentin und ihres Teams klar: Sie wollen nach Herning und sie wollen Weltmeister werden. Nach Herning will auch Hannah Steverding. Die 23-jährige Sportsoldatin aus Herxheim hat über Winter besonders intensiv an den Pflichtübungen gearbeitet. Das trug Früchte. Sie erhielt zum ersten Mal im Seniorenbereich ein Bewertung im Achter-Notenbereich.

Noch kleinere Baustellen

Die Freude darüber trübte am Samstag das Technikprogramm, in dem sich Steverding kleinere Patzer leistete und sich etwa auf den Gurt setzen musste. Am Sonntag büßte sie nach der Kür, bei der sie sich nach dem Abgang auf dem Boden abstützen musste, Plätze ein, wurde am Ende im hochkarätigen Feld Achte.

„Wir gehen mit guter Stimmung aus dem Turnier. Das gelungene Pflichtprogramm, nachdem wir aus deutscher Sicht an zweiter Stelle lagen, das nehmen wir mit“, sagte Steverdings Trainerin und Longenführer Sophie Kuhn. „Wir wollen das etablieren“, ergänzte sie. Im Technik-Programm, das bereits in Leipzig beim Weltcup Premiere hatte, gebe es noch kleinere Baustellen, „aber eigentlich sind wir zufrieden. Das Programm steht, das haben wir in Leipzig schon gesehen“, sagte sie. Dass es dann am Sonntag in der Kür zur teuren Bodenberührung kam, ist ärgerlich, aber verschmerzbar.

Am 24. Juni in Aachen

„Das ist sehr wertvoll im Prozess“, sagte Kuhn mit Blick auf den weiteren Saisonverlauf, zumal „Hannah es geschafft hat, alle Elemente zu turnen, nicht auf Nummer sicher gegangen ist und die Kür entschärft hat.“

Die Kür Steverdings hat einige Höchstschwierigkeiten zu bieten, dazu gehört etwa der Flickflack auf dem Pferd. Wenn die Herxheimerin fehlerfrei ihr Programm abspulen kann, dann ist das ihre bislang anspruchsvollste Kür, damit rückt sie ganz dicht an die Weltelite heran, damit kann sie das Ticket zur Weltmeisterschaft lösen.

Der Voltigier-Bundeskader mit Steverding, Kuhn und Congia trifft sich Mitte Mai zu einem Testturnier in Warendorf, das ist eine weitere Etappe auf dem Weg zur Weltmeisterschaft. „Bis dahin werden wir Gas geben“, kündigte Kuhn mit Blick auf die kommenden Trainingseinheiten an. Danach richtet sich der Blick nach Aachen, wo ab dem 24. Juni die Voltigierkonkurrenz beim CHIO ansteht. Zuvor werden Steverding und Kuhn Ende Mai beim CVI in Bern an den Start gehen.

Die Kür von Hannah Steverding ist äußerst anspruchsvoll. Bei der Premiere in Ermelo klappte noch nicht alles.
Die Kür von Hannah Steverding ist äußerst anspruchsvoll. Bei der Premiere in Ermelo klappte noch nicht alles.
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