Lokalsport Südpfalz
Pferdesport: Patrick Faulhaber und die Liebe auf den ersten Blick
Die fünfjährige Stute Laura’s Legacy von Galoppertrainer Patrick Faulhaber aus Steinfeld sorgte mit einem Sieg auf der Galopprennbahn in München am 1. Mai für Furore. Der Bavarian Classic Day ist einer der bedeutendsten Renntage. Die Stute sicherte sich im Rahmenprogramm einen mit 3500 Euro dotierten Ausgleich IV der Kategorie F über die Mitteldistanz von 1600 Metern.
„Ich konnte das alles erst einen Tag später realisieren“, erzählt Faulhaber. Es war der erste Sieg für Trainer und Pferd. Die Tochter von Zuchthengst Passing Glance war bei ihren vorherigen Starts nie unter den drei Besten gewesen. Mit einem vierten Platz am 5. April in Köln in einem 14-köpfigen Feld hatte sie sich angekündigt. Deshalb gab es für die Wetter nur 38 Euro für zehn Euro Einsatz. Die Siegprämie betrug 1750 Euro. Die Gesamtgewinnsumme hat sich auf 3040 Euro gesteigert.
Taktik aufgegangen
Im Sattel saß Deutschlands erfolgreichste Amazone, Lilli-Marie Engels. Mit neun Jahressiegen steht sie auf dem siebten Platz der Jockeywertung. Ihre Einschätzung: „Die Taktik, von vorne zu gehen, ist aufgegangen. Die Distanz dürfte ideal sein. Der Knoten ist bei ihr jetzt geplatzt, sie ist auf jeden Fall noch für einen weiteren Sieg gut.“
Engels macht ihre Lehre bei Dominik Moser im niedersächsischen Langenhagen bei Hannover. Dies zu tun, blieb Faulhaber verwehrt. Er war schon früh zu groß und zu schwer. Trainer und Jockey stehen in regelmäßigem Kontakt, stimmen die jeweiligen Startmöglichkeiten miteinander ab. Für den Sieg hat Laura’s Legacy dreieinhalb Kilo Aufgewicht bekommen, sie trifft damit künftig auf stärkere Gegner. Mit einem Aufgewicht wird die Leistung der Pferde in einem Ausgleichsrennen angenähert.
Einer der jüngsten Trainer
Faulhaber ist mit 23 Jahren einer der jüngsten Trainer des Landes. Als Besitzertrainer darf er nur seine eigenen Pferde trainieren. Die Prüfung legte er 2019 im Kölner Direktorium ab, den praktischen Teil bei Christian Freiherr von der Recke in Weilerswist.
Seine Passion für Galopprennpferde begann 2005. Da zog er mit seiner Mutter zum Stiefvater Alfons Alt nach Steinfeld. Alt trainierte damals Rennpferde. Der kleine Patrick war sofort begeistert. Er half fleißig im Stall und fuhr zu den Renntagen aufs Hippodrom mit. Er erinnert sich: „Ich war sofort von Pferden fasziniert, die Vollblüter hatten es mir besonders angetan.“ Mit acht Jahren bekam er sein erstes Pony. Es hieß Balou und war mit 1,23 Meter Stockmaß sehr klein. Der nächste Vierbeiner hieß Jimmy, ein größerer Welsh-Araber.
Feinschliff mit Irresistible
Als Faulhaber 14 war, stellte ihn Mutter Silke vor die Wahl: „Entweder wir fliegen 14 Tage nach Kreta oder wir holen uns einen Vollblüter.“ Die Antwort war klar. Also kaufte die Familie auf der Auktion in Iffezheim eine Jährlingsstute mit dem Namen Irresistible Girl. Mit ihr holte sich Faulhaber seinen reiterlichen Feinschliff. Er ritt mit ihr im Gelände nahe der Kakteenfarm und auf der Rennbahn im elsässischen Weißenburg. Er bestritt Rennen um den Südwest-Junior-Cup für Nachwuchsreiter in Zweibrücken und Iffezheim. Der erste von ihm betreute Vollblüter war Jolly Boy.
Annonce gelesen und losgefahren
Im Juli 2019 stieß er in Facebook auf eine Verkaufsannonce der Trainerin Regine Weißmeier aus Sonsbeck. Er fuhr an den Niederrhein. Es war Liebe auf den ersten Blick. Laura’s Legacy wirkte ziemlich aufgedreht, deshalb stellte Faulhaber sie ein halbes Jahr auf die Koppel. Dort steht sie heute noch jeden Tag mehrere Stunden. Damit hat sie ein deutlich ruhigeres Dasein als in den großen Rennställen des Westens, wo der Pferdealltag oft von Hektik geprägt ist. Trainiert wird Laura’s Legacy jeden zweiten Tag auf der Rennbahn in Weißenburg. Faulhaber sitzt im Sattel.
Der nächste Start soll am Monatsende erfolgen, wahrscheinlich wieder in München über dieselbe Distanz. Faulhaber möchte sich noch einen weiteren Vollblüter anschaffen. „Doch ich habe keinen Zeitdruck. Es muss einfach passen“, sagt er gelassen. Auch im Hauptberuf hat er mit Pferden zu tun. Er ist Pferdepfleger im Islandpferde-Gestüt von Michael Baron in Freckenfeld.