sportsfrauen RHEINPFALZ Plus Artikel Michaela Lutz-Guldi: Zufällig in ein Traineramt gerutscht

Hat im Beruf und im Sport mit Kindern zu tun: Michaela Lutz-Guldi.
Hat im Beruf und im Sport mit Kindern zu tun: Michaela Lutz-Guldi.

Ganz nebenbei ist Michaela Lutz-Guldi deutsche Seniorenmeisterin im Squash. Viel mehr beschäftigt sich die Offenbacherin mit der Sozialisation von Kindern. Beruflich im Kindergarten, sportlich als Handballtrainerin. Mit Squash fing sie an, als sie ihren Mann kennenlernte.

Joggen „ist für mich eine Qual“, sagt Michaela Lutz-Guldi. Tennis? „Ich kann es nicht, mir ist der Tennisschläger zu schwer.“ Squash ist ihr Ding, nachdem sie André Guldi in Rülzheim auf einem Fest kennengelernt hat. Als sie sich mit einer Freundin zum Squashen verabredete, traf sie ihn, den Squashspieler, wieder. Das war 1995. 1998 hat das Paar in Offenbach geheiratet. Heute ist sie 49 und deutsche Meisterin der Seniorinnen Ü45.

Zehn Matches hatte sie in der zweiten Mannschaft der SFI Germersheim in der Sommerunde. Nur einmal spielte sie gegen eine Frau. In drei Sätzen besiegte sie Julia Klein vom SC Rhein-Neckar II. Der Unterschied: „Vom Spiel an sich ist es anders. Da gibt es eher mal lange Ballwechsel.“ Männer spielten mit wesentlich mehr Kraft, da müsse sie ein sauberes Technikspiel haben, um eine Chance zu haben. Manche Männer würden sie raushauen. „Zwischen Anders Kroscky und mir sind Welten.“ Sie hat in der Sommerrunde einige Männer geschlagen. Die Ligaeinteilung sorge dafür, dass alle ein ähnliches Niveau hätten. Und die Altersstruktur: 30-Jährige sind selten in einer Mannschaft. 20-Jährige, wie ihr Sohn Luca Guldi, sind noch seltener.

Boom in den 1980ern

Squash sei schon ein bisschen eine sterbende Sportart, stellt Lutz-Guldi fest. Bis in die 1990er-Jahre wuchsen Squashcenter aus dem Boden. Ein paar Jahre blieb die Anzahl von Spielstätten gleich. Lutz-Guldi erinnert sich an Courts in Minderslachen, Germersheim, Landau, Hatzenbühl. Wenn sie zweimal in der Woche trainieren geht, zahlt sie die normale Courtgebühr von zweimal acht Euro für sich und den Partner. Noch kann ihre Mannschaft im Freizeitcenter in Bornheim spielen. Bis 2020 wurde dort im Januar das Dreikönigsturnier, ein deutsches Ranglistenturnier, ausgetragen.

Als Mächen hatte Michaela Lutz-Guldi Handball in Essingen ausprobiert. Ihre Brüder Stefan und Jürgen Lutz spielten das. Viel später hat sie als Trainerin zum Handball zurückgefunden. Auslöser waren die Kinder Luca (20) und Julien (16), die beim TV Offenbach einstiegen. Zufällig sei sie ins Amt reingerutscht, erzählt sie. Minis und F-Jugend. Aufwärmspiele, Koordinationsübungen. Richtig prellen, richtig werfen. Die Kinder lehren, dass sie in einer Mannschaft sind. Ihre Kinder, keine schlechten Radsportler, spielen auch Squash.

Berufswunsch Erzieherin

Um Sozialgefüge geht es auch in ihrem Beruf: „Für mich war das immer klar: Ich will Erzieherin werden“, sagt Lutz-Guldi. Sie absolvierte ein Praktikum. Die Prognose, dass Kräfte künftig gebraucht werden, bestärkten sie in ihrem Berufswunsch. 1993 beendete sie ihre Ausbildung und fing im Kindergarten in Albersweiler an. 1995 wechselte sie nach Offenbach. In dem Jahr, in dem sie ihren Künftigen kennenlernte. Im evangelischen Kindergarten der Gemeinde arbeitet sie heute in Teilzeit.

Dass sie die Schiedsrichter-C-Lizenz hat, ist eine Selbstverständlichkeit. Squashspieler schiedsen sich gegenseitig. Gab es eine Behinderung? War der Ball im Aus? Oft sind sich Spieler einig. In Karlsruhe fing Lutz-Guldi mit Ligaspielen an. 2006 war sie eine von 13 aktiven Spielerinnen des 1. SC Karlsruhe. Lutz-Guldi erinnert sich an die auch in Karlsruhe spielende Melanie Kreisel, ein Jahr vor ihr deutsche Ü45-Meisterin und zuletzt Dritte der Damen-45-Rangliste. Vor vier Jahren stieg sie wieder ein. Kondition für das Spiel holt sie sich im Training und in Matches.

Auf den Titel Ü45-Meisterin bildet sich die 49-Jährige nichts ein: Im Damen-40-Feld gewann sie zwei Spiele und verlor zwei und war Erste ihrer Altersklasse. Wegen Corona waren die Starterfelder im Oktober 2021 in Hamburg nicht groß.

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