Lokalsport Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Meine Lieblingsstrecke: Der Hügel-Reiter Helge Griasch aus Ramberg

Schnappschüsse vom Triathleten in Frankfurt und in Roth: Helge Griasch auf dem Rad...,
Schnappschüsse vom Triathleten in Frankfurt und in Roth: Helge Griasch auf dem Rad...,

Zwei von drei Disziplinen kann Helge Griasch vor der Haustür in Ramberg trainieren. Auf seiner Laufstrecke Drei-Burgen-Tour und auf der Radstrecke mit der Wende bei Weißenburg. Der 57-Jährige hat sich zum Triathlon-Experten fortgebildet.

Wie ein echter Ramberger hört sich Helge Griasch nicht an. Ach wo, er ist in Kaiserslautern groß geworden. Sein Beruf führte ihn nach Freiburg. Nächste Wohnadresse: Hainfeld. Der Sport verschlug ihn zum LCO Edenkoben. Laufen war sein Hobby. Beim LCO stand er mit Stephan Treichel und Gunther Koch zusammen. „Wir müssen mal was anderes machen“, überlegten sie. Und bauten eine Triathlonabteilung auf. Seit 2007 bietet der LCO Triathlon-Training mit Wettkampfvorbereitung an.

Der Triathlon hat es Griasch angetan. Der 57-Jährige bekommt Gänsehaut, wenn er vom Langdistanz-Wettbewerb 2017 im mittelfränkischen Roth und vom Ironman 2019 in Frankfurt erzählt. Der eine hat ihn emotional mitgerissen. Der andere hat ihn an einem sehr heißen 30. Juni an seine körperlichen Grenzen gebracht. In beiden Wettbewerben schwimmen Triathleten 3,8 Kilometer, fahren 180 Kilometer Rad und laufen 42,195 Kilometer.

Häuschen gekauft

Er ist begeistert von den Trainingsmöglichkeiten in Ramberg. Er und seine Frau Bettina haben sich dort ein Häuschen gekauft. Neun Jahre sei das her. „Ich geh’ aus der Haustür und bin im Wald“, erzählt er. Zum Beispiel für das Lauferlebnis „Drei-Burgen-Tour“: Auf zur Landauer Hütte, hoch auf Burg Neuscharfeneck, weiter zu den Drei Buchen, an der Ruine Meistersel vorbei, über die Ramburg wieder nach Hause. Knapp zwei Stunden sei er dann unterwegs. Ein gutes Höhentraining für den Marathon, die dritte Triathlon-Disziplin.

Griasch ist Elektro-Mechaniker. Acht Jahre verschlug es ihn mit seiner Frau nach Freiburg, der heutige Energie- und Automatisierungstechnikkonzern ABB hatte dort ein Werk. Als das keine Zukunft hatte, hatten Griaschs Glück. Er fand eine Anstellung in Mannheim, sie eine in der Edenkobener VG-Verwaltung. Seit 15 Jahren ist er inzwischen bei Siemens in Karlsruhe. Sie arbeitet in der Neustadter Stadtverwaltung – und spornt ihren Mann an, wenn der mal zu schwächeln droht wie vor seinem ersten Langdistanz-Triathlon.

Die Spezial-Favoriten-Tour

Auch für die zweite Disziplin Radfahren geht er nur vor die Haustür. In Ramberg beginnt seine „Spezial-Favoriten-Tour“: nach Annweiler, Sarnstall, Lug, Vorderweidenthal, entlang der Burg Berwartstein, links ab nach Niederschlettenbach, durchs Wieslautertal nach Weißenburg. Über Steinfeld und Barbelroth fährt er zurück. Das seien knapp 90 Kilometer. „Hügelreiten“ nennt er es. Geht es ihm um die Wettkampfhärte, fährt er die Strecke zweimal. Und hängt einen Lauf dran.

„Damit ich selbst vorankomme“, so erzählt er es, ging er in Seminare der Triathlonakademie von Katja Schumacher in Heidelberg. Die 52-Jährige war mehrmals Deutsche Meisterin und Ironman-Siegerin. Er wurde gefragt, ob er nicht mal das Training einer BASF-Gruppe leiten wolle. „Ohne Schein ist das immer blöd“, sagt er. Man brauche schon eine Anleitung, um andere trainieren zu können. Wie geht das, effektiv und verletzungsfrei zu laufen? Also ließ sich Griasch zum C-Trainer für Triathlon Leistungssport fortbilden.

Lehrgang in Saarbrücken

Die Saarländische Triathlon-Union bietet Lehrgänge an, die Ausbildung lief jüngst an drei Wochenenden samstags den ganzen und sonntags den halben Tag in Saarbrücken. Dort habe er Tobias Frey kennengelernt, erzählt Griasch. Frey leitete die Triathlon-Abteilung im 1. FC Kaiserslautern. Vor fünf, sechs Jahren schloss sich der Ramberger wieder dem FCK an. Der schrieb am 11. Juli 2017 auf Facebook: „Helge hat nach 11:43:17 Stunden das Ziel in Roth erreicht. Wir sind stolz auf Dich!!!“

Auf seinen ersten langen Triathlon hatte er sich gut vorbereitet. Sein „Lieblingsschwimmbad“ ist in Edesheim. Zu Schwimm-Meister Timo Graf und Felix Kreß „kann ich immer kommen, die leben das mit“, sagt er. Dort legt er mal eine Technikeinheit ein, Beinschlag, Gleiten, oder er macht Intervalltraining und legt drei, dreieinhalb Kilometer am Stück zurück. „Ich habe ein ganzes Buch, was man so machen kann“, sagt Griasch.

Die vierte Disziplin

Triathlon hat für ihn noch eine vierte Disziplin, die er trainiert: die Wechsel. Raus aus dem Neoprenanzug, aufs Rad. Noch während des Schwimmens gehe er Punkte durch: zuerst den rechten Schuh, dann den linken, die Brille. Vor dem Wettkampf, erzählt er, laufe er die Wechselzone dreimal ab und merke sich Orientierungspunkte wie Verkehrsschilder, wo genau sein Rad stehe. Das hilft bei 2000 Rädern in der Wechselzone. Bei den Wechseln kann einer viel Zeit verlieren.

Obwohl gut vorbereitet, ging es ihm in der Nacht vor Roth nicht gut. Er wollte kneifen – was seine Frau zu verhindern wusste. Er nennt sie „meine Mentaltrainerin“. Die immer an der Strecke ist und ihn unterstützt.

Griasch erinnert sich gerne an seinen Lieblingswettkampf im Juli 2017 in Roth: „Irre. Da lebt eine Region Triathlon. Da passt jeder Autofahrer auf.“ 3500 Athleten, welche aus China, Israel, aus dem Iran. 200.000 bis 300.000 Zuschauer. Viele, die zum Solarer Berg wollen, zur ein paar hundert Meter langen Steigung, zum L’Alpe d’Huez für die Triathleten. „Da krieg ich Gänsehaut.“ Er kam durch als 1420. und 147. seiner damaligen Altersklasse 50.

Zu heiß in Frankfurt

Zwei Jahre später scheiterte sein insgeheimer Plan, sich in Frankfurt für die Ironman-WM auf Hawaii zu qualifizieren: in 13:03 Stunden 43. der Altersklasse M55 und 1253 insgesamt. „An dem Tag hatte es 42 Grad Celsius, das war nicht machbar. Ziel war es dann, über die Ziellinie zu laufen vor dem Römer. Es war schon brutal“, erzählt Griasch. Am schwierigsen sei es auf der zweiten Radrunde gewesen: „Wie wenn dir einer mit dem Föhn ins Gesicht bläst.“

Wenn er unterwegs ist, versucht er, in seinen Körper zu hören, sich auf die Atmung, auf seine Schrittfrequenz zu konzentrieren. Und an eine Mentalübung zu denken:„Was fühle ich, was rieche ich?“ „Der perfekte Tag“ nenne seine Frau die Übung.

„Bike-Fitting“ für jedermann

Zu Hause in Ramberg hat er sich einen Ein-Mann-Betrieb erschaffen: Er macht andere fit für den Triathlon. Mit Kraulkursen, meistens in Neustadt, mit Radausfahrten. „Bike-Fitting“ nennt er seinen Service, Leute zu vermessen, damit sie sich ein Rad kaufen können, das wie für sie gemacht ist. Oder er hilft, das Rad richtig einzustellen. Knie- und Armwinkel, Sattel, Lenker, Pedale. Jedes Detail spielt eine Rolle. Griasch: „Zwei Millimeter Sattel nach oben oder nach unten, das merkt man.“

... am Wasser ...
... am Wasser ...
... und auf der Laufstrecke.
... und auf der Laufstrecke.
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