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Marco Weschlers Everesting-Tour
„Marco, im Sommer machen wir Everesting“, schrieb der Hauensteiner Stefan Riffel seinem Kumpel Marco Weschler an Silvester. Weschler willigte ein. Fast sechs Monate später, am frühen Samstagmorgen, treffen sich einige Radsportenthusiasten in Wilgartswiesen, um eine außergewöhnliche Challenge zu bestreiten.
Everesting hat nichts mit Höhen-Bergsteigen, sondern vielmehr mit Fahrradfahren zu tun. Mit dem Mount Everest aber durchaus: Der Berg ist 8848 Meter hoch, und genau so viel Höhenmeter soll es beim Everesting bergauf gehen. Dafür haben sich Riffel und Weschler die Strecke von Wilgartswiesen zum Ortsteil Hermersbergerhof ausgesucht. Viel Verkehr können sie nicht gebrauchen. Es geht bergauf und bergab. Die Höhenmeter, die nach oben gefahren werden, die zählen.
Hawaii bis heute der Höhepunkt
Weschler, der in Klingenmünster wohnt, tritt seit Jahren hauptsächlich beim Triathlon in Erscheinung. In seiner Jugend war er bei der DLRG als Schwimmer aktiv. 14 Jahre später entdeckte er die Lust am Ausdauersport neu und kam über Umwege zum Triathlon. Der 45-jährige, Lagerlogistiker bei Heo in Herxheim, nahm an mehreren Langdistanzen teil, darunter die Klassiker in Roth und Frankfurt. Vorläufiger Höhepunkt für den Athleten des TV Hatzenbühl war die Qualifikation und erfolgreiche Teilnahme an der Weltmeisterschaft auf Hawaii 2019.
Gegen Kalmit entschieden
Riffel und Weschler, ebenfalls in Hauenstein aufgewachsen, haben sich aus Heimatgründen bewusst für die Straße von Wilgartswiesen nach Hermersbergerhof und gegen die Kalmit entschieden. Die Strecke weist bei 5,67 Kilometern einen Höhenunterschied von 320 Höhenmetern auf, weshalb der Berg 28 Mal zu erklimmen ist. Neben dem normalen Rad- und Lauftraining testete Weschler bereits die halbe Distanz vor Ort, um die voraussichtliche Dauer abschätzen zu können.
Cola, Kuchen, Gummibärchen
Die Idee des Everesting hatte sich im Bekanntenkreis schnell herumgesprochen. Sechs Rennradfahrer kamen am Samstag um 4 Uhr am Ortsausgang Wilgartswiesen zusammen. Start und Ziel der Strecke wurden mit Pylonen markiert. Neben Weschler und Riffel war der 20-jährige Hauensteiner Tobias Dreyer fest entschlossen, die volle Distanz zu fahren. Die anderen stiegen nach 200 Kilometern und 5000 Höhenmetern aus, was der Höhe des Montblanc entspricht. Am Startpunkt sorgten die Fahrer sowie Freunde und Verwandte für die passende Verpflegung: neben der üblichen Sportlernahrung Cola, Kuchen, Gummibärchen und Suppeneintopf.
Eingependelt
Nachdem die ersten zwei Runden bei aufgehender Sonne noch gemeinsam gefahren wurden, erhöhte Weschler die Schlagzahl. Er fuhr schnell eine halbe Streckenlänge Vorsprung heraus. Die benötigte Zeit für eine Auf- und Abfahrt pendelte sich zwischen 30 und 34 Minuten ein. Nach 14 Auffahrten hatte er eine Runde Vorsprung. Was zwei Runden später die erste größere Pause nach sich zog.
Während bergauf in die Pedale getreten werden musste, waren bergab andere Fähigkeiten gefragt: Die steilen Abschnitte und engen Kurven, gepaart mit einigen Schlaglöchern, erforderten höchste Konzentration. Unterdessen fanden sich immer wieder befreundete Sportler mit Rennrädern an der Strecke ein, um eine oder mehrere Runden mitzufahren. „Für den Kopf war das ideal. Man konnte sich über verschiedene Themen unterhalten, was für eine gelungene Abwechslung zwischen Höhenmetern und noch zu absolvierenden Runden sorgte“, gaben die Everester unisono zu Protokoll.
Um 20.55 Uhr am Ziel
Um 15 Uhr hatte Weschler, mittlerweile mit zwei Runden Vorsprung, etwa zwei Drittel der Höhenmeter absolviert. Die hohen Temperaturen sowie die zunehmende Schwüle sorgten zwar für etwas langsamere Runden, keineswegs jedoch zum Leistungseinbruch. Vor der Abfahrt am höchsten Punkt nahm er jeweils zwei Energiegels zu sich. Dem hohen Schweißverlust trat er mit Wasser und Elektrolytgetränken entgegen. Am Ende sollte er mehr als zwölf Liter Flüssigkeit zu sich genommen haben.
Für die letzten drei Runden fand sich Max Meyer, ein befreundeter Radfahrer aus Klingenmünster, ein. Um 20.55 Uhr war es dann so weit: Nach 28 Auffahrten, 8937 Höhenmetern, 336 Kilometern, 15:46 Stunden Netto-Fahrzeit und circa 12.000 verbrauchten Kalorien überquerte Weschler mit geballter Faust zum letzten Mal die Ziellinie am obersten Punkt der Strecke. Stefan Riffel und Tobias Dreyer erreichten gegen 23 Uhr ihr Ziel.
Am Sonntag will Weschler den Radmarathon im Tannheimer Tal fahren, 214 Kilometer durch das Allgäu und das angrenzende Österreich. Und danach einen Gang herausnehmen.